Haiti: Von der Toilette auf den Tisch – Die Überwindung des „Igitt“ Faktors

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Pflanzen mit menschlichem Abfalldünger angebaut (Fotos: SOIL)
Datum: 22. September 2014
Uhrzeit: 10:50 Uhr
Ressorts: Haiti, Natur & Umwelt
Leserecho: 1 Kommentar
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Zehntausende Menschen in Haiti sind dazu gezwungen, andere Wege der Abfallentsorgung zu beschreiten. Menschliche Fäkalien landen oft im Meer, in Flüssen, Schluchten, Plastiktüten, oder verlassenen Häusern. Menschliche Exkremente und die schlechten sanitären Verhältnisse waren für die Verbreitung von Krankheiten und für mehr als 9.000 Cholera-Tote in Haiti verantwortlich. Eine einfache Maßnahme, die menschliche Ausscheidungen in nährstoffreichen Kompost verwandelt, hat die Sauberkeit im Nachbarland der Dominikanischen Republik verbessert und führte inzwischen dazu, dass einige findige Haitianer ihre eigenen frischen Lebensmitteln produzieren.

Ein von der gemeinnützigen Organisation SOIL (Sustainable Organic Integrated Livelihoods) iniziertes Projekt zum Schutz der Böden in Haiti ist bereits auf der UN-Nachhaltigkeitskonferenz „Rio+20“ mit dem “Land for Life Award” ausgezeichnet worden. SOIL arbeitet in Haiti auf kommunaler Ebene und hilft den Gemeinden dabei, organische Abfälle in fruchtbaren Boden zu verwandeln. Da immer noch mehr als 10 Prozent der haitianischen Land- sowie über 25 Prozent der städtischen Bevölkerung keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen hat, ist SOIL darum bemüht, diese Menschen mit sogenannten Low-Cost-Toiletten zu versorgen, in denen menschliche Fäkalien gesammelt, kompostiert und für die Wiederverwendung in der Landwirtschaft und bei der Aufforstung aufbereitet werden.

Wie eine Oase inmitten der Wüste leuchtet der Garten von Frantz Francois. Der wohl grünste Punkt in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince befindet sich in Cité Soleil, dem größten Slum des verarmten Karibikstaates. In einem Gebiet, wo es schwer ist auch nur einen Baum zu finden, wachsen Karotten, Paprika und Callaloo (Blattgemüse, welches traditionell für Suppen verwendet wird) in einem Garten. Francois verzeichnet prächtige Ernten und ist inzwischen zum Gemüselieferanten avanciert.

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Er verwendet als Dünger den Kompost aus umweltfreundlichen Toiletten. Auf den ersten Blick unterscheidet sich eine Umwelt-Toilette nicht allzu sehr von einer normalen Toilette. Der Unterschied liegt im Inneren. Kot und Urin werden in getrennten Behältnissen gesammelt und nach jedem Gebrauch der sanitären Einrichtung wird eine Schicht sägemehlartigen Materials aus Zuckerrohrabfällen und Erdnussschalen hinzugefügt. Dies reduziert das Risiko von Infektionen und unangenehmen Gerüchen.

Um die Übertragung von Cholera und anderen Krankheiten zu stoppen, sammelt SOIL die menschlichen Abfälle viermal im Monat und bringt sie zu einem Ort, wo durch die Kompostierung gefährliche Bakterien abgetötet werden. Der Kompost wird zwischen 8 und 12 Monaten in verschiedenen Haufen im Freien bei hohen Temperaturen (mehr als 54 Grad Celsius) gelagert, um die resistenten Bakterien zu töten. Nach dieser Zeit kann der Kompost als Dünger verwendet werden.

Es war für Francois nicht leicht, seine Nachbarn und Kunden von seinen Gemüseprodukten zu überzeigen. Menschliche Abfälle, die als Dünger verwendet werden, sind so etwas wie ein Tabu in dieser Region. Inzwischen haben sich die Dinge geändert. Nachbarn beobachteten mit Argusaugen das Wachstum des Gemüses und stellten längst fest, dass der einst verschmähte Dünger die Pflanzen wachsen lässt. Sie erkannten, dass vom verwendeten Kompost keine Gefahr ausgeht und inzwischen will jeder in Cité Soleil eine Garten haben.

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  1. 1
    Michael Kaasch

    Die Cholera war in Haiti seit fünfzig Jahren ausgerottet. Sie wurde durch nepalesische UN-Soldaten eingeschleppt, die ihre Fäkalien 2010 in den Artibonite-Fluss kippten und somit die Katastrophe auslösten.

    Nicht immer sind für alles die Menschen in Haiti schuld. Also – bitte – bleiben Sie bei der Wahrheit.

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