Lateinamerika: Dilma Rousseff gewinnt erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien – Update

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Weiterer Wahlgang am 26. Oktober erforderlich (Foto: Globo)
Datum: 05. Oktober 2014
Uhrzeit: 08:02 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Am Sonntag (5.) wählen 142.822.046 Brasilianer neben dem Staatsoberhaupt und den 513 Parlamentsabgeordneten auch die Gouverneure der 27 Bundesstaaten und ein Drittel der Senatoren. Im größten Land Lateinamerikas herrscht Wahlpflicht, der Abstimmungsprozess ist voll computerisiert. Wer der Pflicht zur Stimmenabgabe nicht nachkommt, muss eine Strafe zahlen. Bereits am Freitag und Samstag wurden landesweit mehr als 400.000 elektronische Wahlmaschinen installiert. Etwa 15 Prozent der Wähler wird dabei an einer der 72.000 mit einem Biometrieleser versehenen Maschinen abstimmen. Bis 2018 plant das Land, die biometrischen Informationen aller Wähler zu registrieren.

Die siebte Präsidentschaftswahl seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1985 beginnt um 08.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) und wird von mehr als 400.000 Angehörigen der Polizei und Militär bewacht. Offizielle Ergebnisse werden rund drei Stunden nach Schließung der Wahllokale (17:00 Uhr Ortszeit) erwartet. Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen in der ersten Runde der Abstimmung erreicht, wird es am 26. Oktober zu einer Stichwahl zwischen den beiden Spitzenkandidaten kommen. Allerdings könnten Rousseff im ersten Wahlgang womöglich auch weniger als 50 Prozent der Stimmen für eine sofortige Wiederwahl reichen; nach dem brasilianischen Wahlrecht muss der Sieger lediglich mehr Stimmen auf sich vereinen als alle Rivalen zusammen – Enthaltungen und ungültige Stimmen werden dabei nicht berücksichtigt.

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Die neuesten Umfrageergebnisse zeigten einen klaren Vorteil für Präsidentin Dilma Rousseff. Demnach dürfte die Tochter eines bulgarischen Einwanderers rund 44 Prozent der Stimmen für sich vereinen. Aécio Neves, Wettbewerber der Zentristen, galt vor wenigen Tagen noch als chancenlos und hat in den letzten Tagen eine Aufholjagd gestartet. Für ihn könnten etwa 26 Prozent des Stimmvolkes votieren. Die ehemalige Umweltaktivistin Marina Silva rutschte dagegen auf 24 Prozent ab.

Update:

Die Mega-Wahl in Brasilien ist zu Ende. Einige Wahllokale bleiben aufgrund von Defekten an den Wahlmaschinen noch für weitere zwei Stunden geöffnet. „Mit 142,8 Millionen Wählern haben wir nach Indien, den USA und Indonesien die viert größten Wahlen in der Welt durchgeführt. Wir können sagen, dass das brasilianische Volk ein Garant für die Demokratie ist. Unsere Bevölkerung bewies eine große Reife und innere Ruhe“, bestätigte Jose Antonio Dias Toffoli, Präsident des höchsten Wahlgerichts. Toffoli sprach von einigen „isolierten“ Problemen, landesweit wurden rund 80 Personen (darunter drei Kandidaten und 11 Wahlmänner) wegen Unregelmäßigkeiten und des Verdachtes auf Kauf von Wählerstimmen festgenommen, weitere 392 Vergehen wurden registriert.

Insgesamt waren 428.894 elektronische Wahlmaschinen im Land verteilt worden (mehr als 3.200 mussten nach einem technischen Defekt ersetzt werden) und nur an einem Ort (Stadt Santo Antonio de Rio Grande do Norte) kam eine „alte Wahlurne“ mit Einwurfschlitz für den Stimmzettel zum Einsatz. Aus mehreren Verwaltungsbezirken wird berichtet, dass es „Probleme mit dem biometrischen Wahlsystem“ gab (Schwierigkeiten bei der Identifizierung per Fingerabdruck). Viele Wähler hätten deshalb „verwirrt“ das Wahllokal verlassen. Bereits vor Bekanntgabe der ersten offiziellen Teilergebnisse gegen 19:00 Uhr Ortszeit (00:00 Uhr MESZ) gilt es als sicher, dass die amtierende Staatschefin Dilma Rousseff in die Stichwahl muss – mit völlig ungewissem Ausgang.

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Update 19:15

Das amtierende Staatsoberhaupt Dilma Rousseff hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Laut Angaben des brasilianischen Statistikinstituts „IBOPE“ konnte die Amtsinhaberin nach Auszählung von 99% aller gültigen Stimmen 41,48% der Stimmenanteile auf sich verbuchen. Für die aussichtsreichsten Mitbewerber um das höchste Amt im bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas, Aetius Neves und Marina Silva, stimmten jeweils 33,68 und 21,29% des Wahlvolkes. Damit gehen Rousseff und Neves am 26. Oktober in die Stichwahl. Im Gegensatz zum Nachbarland Venezuela, wo die Opposition auch 18 Monate nach den Präsidentschaftswahlen Ex-Busfahrer Maduro nicht als rechtmäßiges Staatsoberhaupt anerkennt und der Regierungspartei massiven Wahlbetrug vorwirft, gratulierten Neves und Silva Präsidentin Rousseff zu ihrem Erfolg.

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  1. 1
    VE-GE

    Stimmenkauf wie in Venezuela……..Dilma wird wieder an die Macht gewaehlt (gesetzt)

  2. 2
    Martin Bauer

    Alle 3 Kandidaten sind links. Da hat man die Wahl zwischen dem Teufel und dem Beelzebub. Aécio Neves scheint noch der akzeptabelste Kandidat zu sein. Aber ohne eine demokratische Partei der Mitte geht Brasilien immer mehr den nach runter.

  3. 3
    Herbert Merkelbach

    Die brasilianischen Wähler scheinen die hohe Korruption der regierenden PT zu plagen, zusätzlich die sich verlangsamende Wirtschaft.
    Ich bin gespannt, ob sich Dilma durchsetzen wird.

    • 3.1
      Martin Bauer

      Das mit der Korruption glaub ich gerne. Da wird es schwer, eine Alternative zu finden, die weniger korrupt ist.
      Marina Silva hat sich Umweltschutz auf die Fahne geschrieben, was sehr löblich und dringend notwendig ist. Es ist jedoch die Fahne mit Hammer und Sichel. Eine weitere Sozialistische Partei an der Macht braucht die Welt nicht. Gut, dass sie aus dem Rennen ist.
      Wie auch in Venezuela, gelten die Sozial Demokraten als „Mitte-Rechts“ positioniert, wogegen sie in Europa pure Sozialisten sind, die demokratische Prinzipien zu wahren gelobt haben. Dabei gehen sie aber oft an die Grenzen des gerade noch erträgliche und manchmal weit darüber hinaus. – Ohne ein intimer Kenner der politischen Szene Brasiliens zu sein, erscheint mir Neves als der einzige Kandidat, von dem das Land etwas Positives erwarten könnte.

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