Mit Blick auf Zahlungsausfälle: Venezuela beschuldigen die USA

maduro

"Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ist schon längst gescheitert (Foto: AVN)
Datum: 18. Oktober 2014
Uhrzeit: 10:40 Uhr
Leserecho: 18 Kommentare
Autor: Redaktion
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Trotz der Kriege im Nahen Osten und der Ukraine sinkt der Ölpreis seit Monaten. Diese Woche setzte sich der Abwärtstrend weiter fort. Nach Angaben des venezolanischen Ministeriums für Erdöl und Bergbau lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) am Freitag (17.) bei 77,65 US-Dollar – 5,07 Dollar weniger als vor einer Woche. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien behauptet seinen Marktanteil, indem es die Ölproduktion unverändert belässt. Der Ölpreis hat ein Vier-Jahres-Tief erreicht und die absolute Monarchie in Vorderasien ist in der Lage, Gewinner und Verlierer im weltweiten Ölmarkt zu bestimmen. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro Moros hat am Donnerstag (16.) den Schuldigen für den Einbruch der weltweiten Ölpreise analysiert und die USA dafür verantwortlich gemacht.

„Washington überschwemmt den Markt mit billigerem Schieferöl. Dadurch fallen die Preise und unter den Auswirkungen haben letztendlich Russland und die anderen ölproduzierenden Nationen zu leiden“, so Maduro in einer im TV übertragenen Kabinetts-Sitzung. „Die USA und ihre Verbündeten beeinflussen die Ölpreise und schädigen damit die Wirtschaft anderer Staaten“, bekräftigte das Staatsoberhaupt.

Obwohl Maduro am 9. Oktober behauptete, dass Venezuela genügend Ressourcen in Bolivar und Fremdwährung zur Erfüllung seiner in den kommenden Wochen anstehenden Verpflichtungen zur Verfügung habe, forderte er am nächsten Tag eine Dringlichkeitssitzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Diese wurde von einer Mehrheit der OPEC-Mitglieder allerdings abgelehnt. Internationale Wirtschaftsexperten gehen bereits mit einer „Wahrscheinlichkeit von 75%“ davon aus, dass Venezuela in den nächsten fünf Jahren seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wird.

„Die Regierung von Saudi-Arabien hat in ihrem eigenen Interesse entschieden, die Ölpreise niedrig zu halten. Dadurch halten sie ihren Anteil am Weltmarkt. Im Prinzip ist die aktuelle Situation ganz einfach. Die saudische Regierung fühlt sich vom boomenden Schieferöl-und Gassektor der USA bedroht. Nach maßgeblichen Studien erreicht die Schieferölproduktion in den USA 8,7 Millionen Barrel pro Tag und damit etwa eine Million Barrel pro Tag mehr als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig ist dies das höchste Niveau seit fast einem Vierteljahrhundert“, analysierten die Harvard University Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff.

Schätzungen gegen davon aus, dass Venezuela einen Ölpreise von etwa 115 US-Dollar pro Barrel benötigt. In ihrer grenzenlosen Naivität hat es das linksgerichtete Regime versäumt, sich ein zweites Standbein aufzubauen und ist wie kaum ein anderes Land von seinen Öl-Exporten abhängig. Die Wirtschaft taumelt seit Amtsantritt von Maduro am Abgrund und wird nur noch durch Milliarden-Kredite aus Russland und China am laufen gehalten.

Kuwaits Ölminister Ali al-Omair hat vorausgesagt, dass die Preise auf rund 77 Dollar pro Barrel fallen werden. Dies sind 38 Dollar pro Barrel weniger als Venezuela zum überleben braucht. Saudi-Arabien benötigt einen Ölpreis von 83,60 Dollar je Barrel, um seinen Haushalt auszugleichen. Die Regierung in Riad kann sich allerdings in ihrem Stuhl zurücklehnen: Die Zentralbank hat nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) Reserven in Höhe von 734,7 Milliarden Dollar angehäuft und Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind aus den gleichen Gründen wohl in der Lage, niedrigere Ölpreise über einen längeren Zeitraum zu verkraften.

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  1. 1
    Der Bettler

    Bin neugierig,wie lange noch dieser ausgewachsene Hornochse große Töne spukt.

  2. 2
    Herbert Merkelbach

    In einem anderen Kommentar zu einem anderen Artikel der heutigen Ausgabe habe ich bereits meinen Standpunkt und meine Gedanken zur Ölproduktion und der Situation Venezuelas dargelegt.

    Eine Person wie Maduro, ausgestattet mit einem Intellekt, das in Sachen Nationalökonomie keinerlei profunde Kenntnisse aufweist, bleibt nur der Weg der Beschuldigung eines anderen. Hier die USA, wahrscheinlich demnächst bei der Opec-Versammlung auch die des Staates Saudi-Arabiens.
    Eingefangen in seiner marxistisch-leninistischen Ideologie, aus der er und seine chavistischen Schergen nicht ausbrechen können oder auch nicht wollen, bleibt nur die bittere Erkenntnis, dass er und sein Land auf absehbarer Zeit NICHT mit einem Ölpreis von US$ 100,- leben WIRD.
    Es ist schon bemerkenswert, wenn er von genügend Devisenvorräte spricht, auf der anderen Seite eine Sondersitzung der OPEC fordert, in der über die fallenden Ölpreise diskutiert werden soll. Seine beiden Äußerungen widersprechen sich inhaltlich.
    Es ist müßig über die Versäumnisse der Chavisten hinsichtlich einer soliden industriellen Basis in Venezuela zu reden. Ich bin überzeugt davon, dass die GELDGIER und KORRUPTION seiner chavistischen Kumpel das Land in den Abgrund treibt bzw. die wirtschaftliche Lage Venezuelas verschlimmert. Mit einem Ölpreis von zwischen US$ 70 bis 80,- wird er noch weitere wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen; lassen wir einmal seine bereits vorhandenen außen vor.
    Für an einer Volkswirtschaft interessierte Leser sind die Angaben der Rating-Agentur zur Sitution eines betreffenden Landes bedeutungsvoll, sind die Äußerungen von Ökonomen hervorragender Universitäten in den meisten Fällen wegweisend, sind die Stellungnahmen von Banken, die im internationalen Geldgeschäft tätig sind, eine Säule in der Beurteilung von Risiken von Staatsanleihen.
    Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Maduros Defizite in dieser Hinsicht einen Todesstoß für seine Regierungsclique bedeuten könnte. Zumindest, ich hoffe es stark.
    Zum Abschluß noch ein paar Worte an all die Leser, die dem „linken Lager“ mehr oder weniger verbunden sind: selbst eine von allen Linken gehasste US-amerikanische Regierung hat ein Strafmaß gegen die BofA erlassen, das deren Gewinn bedeutend herabsetzt. Der Grund war bekanntlich die Weitergabe „sublime“-Hypotheken veranlasste, gebündelt, in der ganzen Welt und insbesondere auch in Europa auf Käufer (meistens Banken) stieß. Die Konsequenz konnte im Jahre 2008 festgestellt werden.
    Nicht nur die BofA wurden „bestraft“, eine Anzahl weiterer Banken in den USA wurden mit Strafen belegt.

  3. 3
    Martin Bauer

    Für jeden hirnlosen Linken sind stets die USA an allem Schuld. Und das seit den Anfängen des Kalten Krieges. Propaganda-Strategen in Moskau und Ost-Berlin haben sich das damals so ausgedacht, und so wird es bis heute von jedem Rindvieh wiedergekäut, das zum Selberdenken zu faul oder zu blöd ist.

    • 3.1
      Oliver

      Na Na Na. Jetzt wird es aber persönlich.

      • 3.1.1
        Herbert Merkelbach

        Wer sich den Schuh anzieht……………..

    • 3.2
      Martin Bauer

      Wenn sich jemand den Schuh anzieht, wird er auch wissen, warum. Jahrzehntelange Lebenserfahrung lässt sich nicht weg diskutieren. Die Fakten sind nun mal anders, als Jünger der LINKE sie darstellen.

  4. 4
    Jens

    Bis sich der derzeitige Ölpreis auswirkt, vergehen 3- 6 Monate, schließlich muss das Zeug erstmal durch die Raffinerie usw. und dann wird abgerechnet.

    Sollten die USA ab nächstes Jahr netto Öl exportieren wollen, was derzeit diskutiert wird, sollte der Ölpreis eher stärker sinken.

    Das Ganze ist schon seit über einem Jahr absehbar. Pech für VZ.

    • 4.1
      Herbert Merkelbach

      Dass die USA neue Ölquellen im eigenen Land anzapfen, dies war schon vor mindestens drei oder noch mehr Jahren weltweit bekannt. Bereits zu Chavez Zeiten gab es Vorboten in der Hinsicht.
      Selbst ein Ramirez hatte noch vor ca 1 1/2 Jahren anlässlich einer Versammlung der Opec-Mitglieder verkündet, dass man sich die Sache mit den US Schieferölvorkommen ansehen wollte.
      Wahrscheinlich war ihm das Zählen der US Dollars, das er der Pdvsa gestohlen hat, auf seinem Konto wichtiger als sich um diesen US-amerikanischen Öl-Boom zu kümmern.
      Jetzt hat bereits ein Tanker die USA in Richtung Südkorea mit Öl aus US-Produktion verlassen und es könnten noch mehr kommen.
      In Bezug auf den Ölpreis bin ich mir nicht so sicher aber selbst wenn er auf die Marke von US$ 70 fallen sollte und einige ölproduzierende Firmen im „shale oil“ Geschäft ausscheiden, die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Ginge dann der Ölpreis wieder hoch, sind die ausgeschiedenen Firmen wieder im Geschäft.
      Mit diesen Vorkommen in den USA und deren Ausbeute setzen die USA selbstverständlich die Opec (inklusive Venezuela) als auch die Russische Föderation preislich unter Druck. Wie bereits gesagt, auch diese Technik wird verfeinert und verbessert und man wird im Falle noch weiter sinkender Ölpreise Sparmaßnahmen seitens der involvierten Firmen durchsetzen.
      Abgesehen von der wirtschaftlichen Situation in Europa und China mit reduzierten Ölabnahmen, die Technik im Automobilsektor ist nicht stehengeblieben. Die Kraftfahrzeuge von heute verbrauchen allgemein weniger Sprit. Noch ein Faktor ist die Energiewende in vielen Staaten dieser Welt, die auf Wind und Sonnenenergie setzen.
      Einem einfach strukturierten Menschen wie Maduro sind diese Entwicklungen intellektuell nicht begreifbar. Deshalb posauniert er mit einem Preiskrieg im Ölgeschäft. UND an allem sind die USA die Schuldigen. Es ist aber allgemein so und das unabhängig von Land, Leuten oder Rassen, Menschen mit einem niedrigen Bildungsstandard haben sehr einfache Begründungen für komplizierte Sachlagen. Dazu zähle ich auch Maduro. Seine marxistisch-leninistische Ausbildung auf Kuba wird ihm in dieser Situation nicht viel helfen. Seine kubanischen Berater auch nicht.
      Nur eine völlige Abkehr von dem jetzt auf Venezuela herrschenden Wirtschaftssystem zu freier Marktwirtschaft wird das Land Venezuela wieder auf feste Beine stellen. Zu solchen Maßnahmen wird er nicht bereit sein, denn dann verliert er die Macht und die will er und seine Chavisten nicht aufgeben.

      • 4.1.1
        babunda

        er wird früher oder später seine macht aufgeben müssen, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt und der bürgerkrieg ausbricht. wenn er alle seine schulden bezahlen würde, hätte er keine devisen mehr.
        vene ist pleite und lebt nur noch von den krediten der chinesen.
        die usa rächt sich jetzt durch die eigene ölproduktion, so bekommt der russe, iraner, vene und viele andere große wirtschaftliche probleme, so kann man auch krieg führen.

      • 4.1.2
        Salvador

        Ich muß den Herren Oliver Recht geben würde mich beleidigt fühlen.

        Die Ausdrucksweise von manchen Kommentatoren läßt doch sehr zu wünschen übrig.
        Letztlich spielt es doch keine Rolle ob man Rot oder Schwarz, Links oder Rechts steht.
        Hauptsache ist doch das es der Bevölkerung von Venezuela wieder bald besser geht und das es zu
        keinen Bürgerkrieg kommt !!

      • 4.1.3
        Martin Bauer

        @Salvador – „Hauptsache ist doch das es der Bevölkerung von Venezuela wieder bald besser geht und das es zu
        keinen Bürgerkrieg kommt !!“
        Mit den Roten geht es dem Volk immer schlechter und schlechter, und weg von der Macht kriegt man sie ohne Gewalt nicht. Diese Spielregeln machen die selber.
        Es gibt auch noch etwas Anderes, als Rot oder Schwarz, Links oder Rechts. Nämlich menschliche Wesen mit Achtung vor Mitmenschen, solange diese selber freiheitlich demokratische Werte achten. Hier in Venezuela wird die Sozialdemokratie als Rechts-Faschismus verschrieen und mit Gewalt, Mord und Terror mundtot gemacht. Rechts davon gibt es nichts und niemanden. Alle „Tugenden“, die man anderswo den Nazis zuschreibt, legen hier die PSUV-Anhänger an den Tag. Und wer diese Leute schön färbt, wer die bestialischen Mörder unserer Kinder und Freunde als „politisch Andersdenkende“ bezeichnet oder gar als Vorbilder, stellt sich selber auf deren Stufe. Beleidigen kann man so eine Kreatur nicht, nur sich vor ihr schützen. Und da wären wir wieder bei der Gewalt, aufgrund des Fehlens jeder erfolgsversprechenden Alternative in Venezuela.

    • 4.2
      Martin Bauer

      „Bis sich der derzeitige Ölpreis auswirkt, vergehen 3- 6 Monate, schließlich muss das Zeug erstmal durch die Raffinerie usw. und dann wird abgerechnet.“
      In der Mineralölindustrie wird zu Wiederbeschaffungskosten kalkuliert, nicht, wie normal üblich, zu Einstandspreisen. Somit ist der Tagespreis des Rohöls die Basis auch für Endprodukte, was man in Europa hautnah an den Tankstelen beobachten kann.

      • 4.2.1
        Jens

        Meines Wissens ist der Bezinhandelspreis in Rotterdam maßgebend für die Bezinpreise an Deutschlands Tankstellen. Wenn dem so wäre , wie Sie schreiben, hätten wir Benzinpreise von 1,30.

        Haben wir aber nicht. Damit bleibt der Tagesrohölpreis eben nur ein Faktor.

      • 4.2.2
        Martin Bauer

        Gott der Gerechte! Ich habe lange genug Treibstoffe und deren Rohstoffe gehandelt, um zu wissen, wovon ich rede. Dass auch marktpolitische und und monopolistische Aspekte mitspielen, ist unbestritten. Aber wenn heute der Rohölpreis steigt, wird spätestens morgen der Spritpreis erhöht, nicht in 4-6 Monaten. Mit dem Senken der Preise hat man es nicht immer so eilig.

  5. 5
    Der Bettler

    Habe heute mit einem Freund in Deutschland gesprochen,der mir sagte daß der liter Benzin immer noch 1,50 € kostet.Nur der Diesel ist um einiges billiger geworden.

    • 5.1
      Martin Bauer

      Vor 5 Wochen hab ich noch 1,65€ bezahlt. Aber natürlich gibt es auch regionale Unterschiede…

  6. 6
    Oliver

    Nur wenn der Dollarkurs fällt wir auch bei uns Diesel und co günstiger . Super immerhin 1,43 Euro.

  7. 7
    Amiguita

    Bei mir hier im Süden Super E10 ca. 1,45 und Diesel ca. 1,29
    Der Preis ist in den letzten Wochen massiv gefallen.
    Tanken war schon lange nicht mehr so günstig.

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