Präsident Erdoğan: Amerika wurde von den Muslimen entdeckt

Datum: 15. November 2014
Uhrzeit: 15:54 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
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Der um 1451 in Genua geborene italienische Seefahrer Christoph Kolumbus hat im Jahr 1492 Amerika entdeckt. Der in spanischen Dienste stehende Sohn eines Genueser Wollwebers steuerte auf seinen Entdeckungsreisen zwischen 1492 und 1504 vor allem die Großen Antillen in der Karibik an, darunter bei allen vier Reisen Hispaniola (heute Haiti und Dominikanische Republik), wo er erste Kolonien gründete. Erst auf seiner vierten Reise betrat er im heutigen Honduras das amerikanische Festland. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sieht dies allerdings ganz anders und gab am Samstag (15.) in Istanbul am Rande einer Tagung vor muslimischen Führungskräften in Lateinamerika bekannt, dass der amerikanische Kontinent von den Muslimen bereits im zwölften Jahrhundert entdeckt wurde.

„Die Kontakte zwischen Lateinamerika und dem Islam stammen aus dem zwölften Jahrhundert. Muslimische Seefahrer entdeckten Amerika im Jahr 1178, nicht Christoph Kolumbus“, so Erdogan in einer Fernsehansprache. „Kolumbus hat in seinen Aufzeichnungen die Existenz einer Moschee auf einem Hügel an der Küste von Kuba erwähnt. Ich werde mit meinen kubanischen Brüdern sprechen, eine Moschee würde heute perfekt auf diesen Hügel passen“, so der zwölfte Präsident der Republik.

Nach den Geschichtsbüchern bleibt Kolumbus allerdings der erste Ausländer, der seinen Fuß auf den amerikanischen Kontinent setzte. Eine geringe Zahl muslimischer Theologen und Historiker hatte die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus in der Vergangenheit in Frage gestellt. In einem umstrittenen Artikel aus dem Jahr 1996 zitiert der Historiker Youssef Mroueh eine Passage aus den Aufzeichnungen von „Cristóbal Colón“, die sich auf eine gesichtete Moschee auf Kuba bezieht. Weltweit wiesen Kollegen seine Hypothese einstimmig zurück und teilten mit, dass die „Moschee“ nur als ein metaphorisches Bild verwendet wurde, um die Form der Landschaft zu beschreiben.

Erdogan sorgt mit seinen Äußerungen im Ausland immer wieder für Irritationen und Ärger. In Deutschland sorgte er mit seinen Aussagen zur Integration der türkischstämmigen Bevölkerung für Empörung. „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte der türkische Regierungschef 2008 vor rund 20.000 Türkischstämmigen in Köln. „Niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen.“

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  1. 1
    Caramba

    Dass Kolumbus nicht der Erste war, darüber ist man sich mittlerweile fast einig. Allerdings dachte ich bisher, die Wikinger wären schon mal bei Martha´s Vineyard gewesen….das mit den Muslims ist mir neu. Ganz und gar unmöglich ist es aber nicht, die Araber waren gute Seefahrer, die mit Reisen abseits von Küsten Erfahrung hatten – das Astrolabium stammt von da, und damit der Sextant in der Grundidee. Die Überfahrt von z.B. Marokko aus wäre auch nicht besonders anspruchsvoll – die Rückreise dagegen schon.
    Ein kleiner Beweis wäre halt schön…….bis dahin ist es nur eine aufgeblasene Propaganda-Theorie. Und ob sich die Kubaner über die Moschee freuen werden, sei mal dahingestellt….

  2. 2
    Martin Bauer

    Es spricht viel für frühe Verbindungen zwischen Nordafrika und dem Karibikraum. Religion und Architektur ähneln auffällig der Alt-Ägyptens, in meinen Augen etwas zu sehr für voneinander unabhängige Parallel-Entwicklungen. Bereits 1947 bewies Thor Heyerdahl zumindest die technische Machbarkeit der Ost-West Passage mit seinem Balsa-Floss Kon-Tiiki. Die Reise in die Gegenrichtung dürfte aufgrund der Wind- und Strömungsverhältnisse allerdings kaum möglich gewesen sein. Und so erfuhr die alte Welt halt nichts von dem, was denen widerfuhr, die einmal hinterm Horizont verschwanden. Es waren Reisen ohne Rückkehr, mit welchem Ausgang auch immer.

    Dieses hypothetische, da letztendlich noch immer unbewiesene, Szenario hätte dann aber wohl vor der Geburt des Propheten Mohammed stattgefunden. Die vermeintliche Überlegenheit des Islam bleibt damit genauso Wunschdenken Erdokans, wie der Glaube an die Überlegenheit des sozialistischen Systems linken Spinnern vorbehalten bleibt. In Ankara scheint auch so ein Vögelchen rumzutwitschern, wie es Maduro gelegentlich erscheint…

  3. 3
    Herbert Merkelbach

    Eigentlich waren es die Wikinger, die bereits 500 Jahre vor C. Kolumbus den amerikanischen Kontinent von Island kommend, betraten.
    Archäologische Funde aus neuerer Zeit in Labrador/Nova Scotia-Kanada scheinen das zu bestätigen. Trotzdem ist es mir zumindest egal, wer den amerikanischen Kontinent entdeckt hat. In Bezug auf Herrn Erdogan und seine Äußerung bin ich nicht überrascht, da sein Machtstreben keine Grenzen hat. Ihm schwebt wahrscheinlich ein neo-osmanisches Reich vor. Solche polititschen Wiederbelebensversuche gingen meistens in die Hose. Siehe hier auch Zar Putin mit seinem Neo-Sowjetreich.

    • 3.1
      Martin Bauer

      Von den Wikingern wissen wir halt sehr viel, dank ihrer „Sagas“.

      Wenn man die Besiedlung des amerikanischen Kontinents durch Asiaten, die über Alaska gekommen sind schon nicht zählt, oder die 14.000 Jahre alten Siedlungen in den Anden, wohl weil es sich dabei nicht um Europäer handelt (?), dann zählen auch nicht die Gestalten von denen Erdogan phantasiert. Wenn schon jemand Menschen kategorisiert, dann aber konsequent!

  4. 4
    Caramba

    Was Erdogan angeht, streiche das „wahrscheinlich“. Ich hab mir Zitate aus den letzten 2 Jahren von ihm durchgelesen, Aussagen, die er teilweise in Deutschland vor seinen hier lebenden Landsleuten gemacht hat…….sehr aufschlussreich, finde ich. Der Mann will definitiv ein neo-osmanisches Reich, er betrachtet die in Deutschland lebenden Türken als seine Vorhut, der Türkei und dem Islam zuallererst verpflichtet, ungeachtet der Tatsache, dass die meisten seiner Zuhörer in Deutschland geboren sind und einen deutschen Pass haben. Und erschreckend viele identifizieren sich damit……
    Auch seine Aussagen zu „Islam“ und „Islamist“ sind interessant……und eindeutig. Der Mann steht definitiv NICHT auf unserer Seite – und angesichts der NATO – Mitgliedschaft der Türkei kann man nur hoffen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. Deutsche Soldaten sind auch schon dort…..beängstigend, wenn ich mir mögliche Szenarien ausdenke. Hoffentlich geht da meine Paranoia mit mir durch!
    Slds

    • 4.1
      Martin Bauer

      Ich beurteile das ganz genauso. Der Typ ist nur ein weiterer grössenwahnsinniger und selbstverliebter Diktator, wie schon so viele vor ihm. Nur dass er für die Nato Mitgliedstaaten und speziell für Deutschland eine Laus im Pelz darstellt, die gefährliche Krankheiten in sich trägt. Aber deshalb die Türkei aus der Nato auszuschliessen, wäre unsinnig, denn dann würden sie sich andere Verbündete suchen, bzw. solche, die sie schon haben, noch stärker an sich binden.
      Andererseitshat er auch viele Kritiker im eigenen Land und in Deutschland. Es blebt nur zu hoffen, dass die Türken ihr Problem selber lösen können, bevor es zu sehr zu unserem wird und wir es tun müssen.

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