Diktatur in Venezuela: 40% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu unabhängigen Medien

madburo

Datum: 03. Dezember 2014
Uhrzeit: 14:56 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Vinicius Love, Caracas/La Paz (Leser)
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Das venezolanische Regime schüchtert die Mittelschicht mit den Mitteln der Diktatur ein. Human Rights Watch, Amnesty International oder die Interamerikanische Menschenrechtskommission betrachten die Verschlechterung der Menschenrechtslage schon seit langem mit Sorge. Im September schlossen sich auch die UN an. Während der verstorbene Hugo Chávez noch die Konfrontation mit den oppositionellen Privatmedien gesucht und ihnen Konzessionen entzogen hat, fährt Ex-Busfahrer Maduro eine dezentere, aber umso effektivere Strategie: Er setzt die Medien so lange unter Druck, bis ihre Eigentümer das Handtuch werfen und an neureiche, regierungsnahe Strohmänner verkaufen. Aktuelle Daten bestätigen diese totalitäre Tendenz, das linksregierte Land driftet immer weiter in Richtung Diktatur.

Laut Miguel Henrique Otero, Präsident der venezolanische Tageszeitung „El Nacional“ erzielt die Regierung von Nicolás Maduro weitere „Fortschritte“ im Kampf gegen die Pressefreiheit. Auf einem Vortrag über die Gefahr/Risiken des Journalismus in Venezuela (El riesgo de ejercer el periodismo en Venezuela) gab er bekannt, dass 40% der Bevölkerung keinen Zugang zu traditionellen und unabhängige Medien habe. Demnach müssen sie auf das Internet ausweichen, um entsprechende Informationen zu erhalten. Die Internetgeschwindigkeit lahmt im erdölreichsten Land der Wel, Web-Nachrichtenportale werden immer öfter durch das Regime zensiert.

Dieses Vorgehen ist laut Otero dafür verantwortlich, dass die Menschen im Land „völlig uninformiert“ sind. Maduro hätte es am liebsten, dass die Informationshungrigen Propagandaseiten wie „Telesur“ oder „Russia Today“ konsumieren, die das Geschehen in der Region aus ihrer (gefilterten) Sicht präsentieren. Otero betonte mehrfach, dass das Regime den unabhängigen Journalismus im Land mit einer Strategie namens „Plan de la Patria“ in die Enge getrieben habe.

Nach seinen Worten liegen über 1.400 Beschwerden von tätlichen Angriffe auf Journalisten und Medien vor. Ausbreitung von Propagandasendungen in Radios und staatlichem Fernsehen sind real. In weniger als einem Jahr hat Präsident Maduro die Bevölkerung über 250 Stunden zugemüllt, Einschränkungen der Meinungsfreiheit in der Nationalversammlung und der von der Regierungspartei kontrollierten Justiz (über 90% der vorläufigen Richter sind PSUV-Mitglieder), bewusste Steuerung der operativen Gesellschaft (Genehmigungen nur durch die Regierung – Umwelt, Preise, Importe), Schmutzkampagnen gegen Medien und Journalisten, Beschränkung der Einfuhr von Papier und Steuerung des Internets, belegen die Karibik-Diktatur des Regimes.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    VE-GE

    Genau so sieht es aus in meinem Venezuela ! Traurig aber Wahr !!!

  2. 2
    Venezuela

    das hieße, das 60% diesen Zugang haben

    halte ich für absolut unrealistisch oder wir müssen „unabhängig“ mal genauer definieren

  3. 3
    Inge Alba

    Ist da auch wieder das „Volk“ daran Schuld? Nein, das „Volk“ hat nur wenig Schuld an diesem Zustand, es ist die Zeit in der man schon den Hugo schalten und walten lies, 15 Jahre haben aus dem Venezolaner einen uninformierten, konformen Menschen gemacht. Der Venezolaner war eigentlich nie ein so richtig politischer Mensch, man wollte es ja auch immer so, man hat ihn nie dazu ausgebildet, nein , man hat ihn immer an der kurzen Leine gehalten, bis der Hugo kam, und der hat die Menschen fasziniert und da war kein anderer da der ihm die Stirn geboten hätte, leider. Keiner mit Charisma und Verstand. Eine zerstrittene, abgehalfterte Opposition, so stehen die auch noch heute da, sonst hätte sich schon viel geändert. So lange wie die untereinader zerstritten sind, wird es auch keinen Wandel geben und wenn dies noch lange anhält, dann ist auch der Versager Maduro ganz fest im Sattel mit Gewalt und Repressionen kann man auch ein Volk regieren, siehe Beispiele in unserer schönen Welt, Blick nach Osten. Da hilft es auch nicht, wenn das Volk auf die Strasse geht, dort werden sie nur abgeschossen, Maduro ist härter als Chávez.

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