Uruguay und der Nazi-Adler der Admiral Graf Spee

Datum: 15. Dezember 2014
Uhrzeit: 15:20 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
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Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den bislang größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Am 13. Dezember 1939 kam der Krieg Südamerika ganz nah. Das Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ traf vor der Mündung des Río de la Plata auf einen gegnerischen Schiffsverband und erlitt bei den Kämpfen Schäden in der Dieselölreinigungsanlage. Nach Reparaturarbeiten verließ das Schiff am 17. Dezember den Hafen von Montevideo und wurde mit mehreren Sprengladungen auf den nur wenige Meter tiefen Grund der Flussmündung des La Plata versenkt. Im Februar 2006 wurde der 400 Kilogramm schwere, auf einem Eichenlaubkranz mit Hakenkreuz stehende Bronzeadler, von privaten Investoren geborgen. Im August 2006 löste die Ankündigung der privaten Bergungsfirma, den Adler gegen den Willen der uruguayischen Regierung verkaufen zu wollen, eine heftige Debatte aus.

Die Bronzeadler, der einst eines der bemerkenswertesten Symbole der „Dritten Reiches“ war, liegt nun in einem Lager und wird von der uruguayischen Marine bewacht. Nach einem langen Kampf vor Gericht entschied der Oberste Gerichtshof, dass der uruguayische Staat rechtmäßigen Eigentümer des Stückes ist. Ebenfalls beschloss er, dass die privaten Bergungsunternehmen bei einem eventuellen Verkauf des Adlers 50% der Ertragssumme erhalten.

Geschäftsmann Alfredo Etchegaray, einer der an der Bergung beteiligten Unternehmer, schätzt den Wert des Adlers auf etwa 15 Millionen US-Dollar. Er möchte, dass die Regierung ein Replik anfertigt und das Original verkauft. „Von einem Adler, der in einer Lagerhalle bewacht wird, hat keiner etwas. Bei einem Verkauf würden wir für unsere Arbeit entschädigt, der Rest des Geldes könnte in Bildung, Technologie oder eine bessere Ausrüstung für die Marine investiert werden“, so Etchegaray. Nach seinen Worten hat er bereits Kontakt mit mehreren Auktionshäusern, die an einer Verkaufsaktion interessiert wären. „Wir müssen uns unserer Geschichte stellen. Wir können ein Museum errichten und das Replikat ausstellen. Es gibt Museen über die spanische Inquisition und sogar über Nazi-Konzentrationslager. Die Uruguayer würden dann verstehen, wie nah sie einer Teilnahme an Zweiten Weltkrieg waren“, bekräftigt er sein Ansinnen.

Obwohl die Statue kurz in der Lobby eines Hotels in Montevideo ausgestellt war, befindet sie sich nach Restaurationsarbeiten seit neun Jahren unter der Obhut der uruguayischen Armee. Ein Armeesprecher gab in einem Interview bekannt, dass der Adler unter strengen Sicherheitsmaßnahmen, mit Kontrolle der richtigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, bewacht werde. Lokale Medien berichten dagegen, dass das Symbol in einer Holzkiste auf einem alten Marine-Gebäude lagere – ohne besondere Bewachung. In der Vergangenheit hat die uruguayische Regierung einen Verkauf des Adlers stets abgelehnt. Nach ihrer Meinung könnten Neonazis das Stück ersteigern, ebenfalls wurde von ethischen Grenzen bei der Ausstellung von Nazi-Symbolen in Museen gesprochen.

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  1. 1
    Martin Bauer

    Ich finde es durchaus angebracht, öffentliches zur Schau Stellen von Nazisymbolen unter Strafe zu stellen, es sei denn im Rahmen zeitgeschichtlicher Dokumentation. Dort dürfen sie nicht fehlen, denn niemandem ist damit mit Vogel-Strauss-Manier gedient. Gerade die Opfer des Nazi-Regimes bestehen ja unüberhörbar darauf, dass nichts davon vergessen wird.
    Gleiches sollte aber auch für Hammer & Sichel gelten. Unter diesem Symbol wurden um ein Vielfaches mehr Menschen gequält, gedemütigt, gefoltert und grausam ermordet. Vielleicht macht der neue Ministerpräsident von Thüringen hierzu mal einen Vorstoss? Oder die rote Sarah?

  2. 2
    Caramba

    Na DEN Tag würde ich gerne erleben.
    Die beiden halten doch bis heute die DDR für eine deutsche Errungenschaft und Stalin für einen Helden……

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