Annäherung zwischen Kuba und den USA: Lektion für Venezuela

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Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA gelten bereits seit der Amtsübernahme des verstorbenen Hugo Chávez als besonders angespannt (Foto: Handout/Internet)
Datum: 18. Dezember 2014
Uhrzeit: 13:00 Uhr
Leserecho: 8 Kommentare
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Zwischen Kuba und den USA zeichnet sich der Fall einer weiteren Mauer ab. Mit dem Fall der Berliner Mauer wurde Weltgeschichte geschrieben und die Welt tanzte 1989 im Rhythmus von „Lambada“. Nach Jahrzehnten der „Feindschaft“ traten US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raúl Castro am Mittwoch (17.) zeitgleich vor die Kamera und kündigten erste Schritte für eine Annäherung an. Washington und Havanna ließen mehrere seit Jahren inhaftierte Gefangene frei und teilten mit, dass sie nach mehr als 50 Jahren wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen wollen. Einige der angekündigten Schritte kann Obama mithilfe von Exekutivvollmachten durchsetzen. Das Aufheben des Wirtschaftsembargos steht allerdings nicht in seiner Macht. Dies muss der US-Kongress genehmigen, in dem die Republikaner die Mehrheit haben. Diese reagierten bereits empört und gaben bekannt, „Zugeständnisse an die Tyrannei“ zu blockieren. Sollte sich die neue Kuba-Politik Washingtons fortsetzen, wird sich die geopolitische Landkarte allerdings verändern.

Heute stehen etliche lateinamerikanische Regierungen der Außenpolitik der USA kritisch gegenüber. Die Regierungen Venezuelas, Nicaraguas, Boliviens und Ecuadors werden gewöhnlich als links bezeichnet, die Regierungen Brasiliens, Paraguays, Argentiniens und Uruguays als gemäßigt links. Sozialdemokratische und konservative Regierungen wie in Chile, Peru und Kolumbien führen gute Beziehungen mit den USA. Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA gelten bereits seit der Amtsübernahme des verstorbenen Hugo Chávez als besonders angespannt. Nachfolger Maduro hat mit seiner antikapitalistischen Fäkal-Rhetorik zusätzliches Öl ins Feuer gegossen.

Der verstorbene bolivarische Führer hatte mit seiner Steuerung von Staat und Gesellschaft im Ganzen des öfteren die Politik der Vereinigten Staaten durchkreuzt, die mittels Umwandlung von ganz Lateinamerika in eine Freihandelszone die Dominanz über ihren „Hinterhof“ auf Dauer sichern wollten. Chávez initiierte das Petrocaribe-Abkommen und gemeinsam mit Fidel Castro die ALBA. Von solchen Initiativen ist sein Nachfolger Lichtjahre weit entfernt, selbst im von einer Dauerkrise gebeutelten Venezuela ist er nicht Herr der Lage.

Nach der Überraschung vom Mittwoch könnte Caracas seinen wichtigsten Verbündeten in Sachen anti-amerikanische Hass-Predigt in Lateinamerika verlieren. Verschiedene lateinamerikanische Medien und Politiker bezeichnen es bereits als klugen Schachzug von Castro, der im Gegensatz zu Maduro offenbar auf die Wirtschaftskrise in Venezuela reagiert. Als die Sowjetunion vor über zwanzig Jahren zusammenbrach hatte das eine tiefe Krise auf der Karibikinsel zur Folge (Sonderperiode). Kuba exportierte fast die gesamte Zuckerernte in den Ostblock und importierte dafür zwei Drittel der benötigten Nahrungsmittel, fast den gesamten Ölverbrauch und 80% seiner Maschinen. Nach dem Kollaps verlor Kuba 85% seines Außenhandels, Industrie, Transport und Verkehr kamen zum Erliegen – Unterernährung breitete sich auf der Insel aus.

Kubas Wirtschaft wurde in den letzten Jahren durch Milliardengeschenke aus Venezuela am Leben gehalten. Inzwischen kreist der Pleitegeier über dem linksregierten und erdölreichsten Land der Welt. Die Inflation liegt bei weit über 60%, Grundnahrungsmittel fehlen immer häufiger. Venezuelas Opposition sprach am Mittwoch von einem Zeichen der Zeit und dass Präsident Maduro versuchen sollte, sich der Realität zu stellen. „Wir haben es kommen sehen. Es ist interessant, Zeichen der Zeit zu deuten und gleichzeitig Maduros Infantilismus zu beobachten“, twitterte Ramón Guillermo Aveledo, Koordinator für internationale Beziehungen des Oppositionsbündnisses Tisch der demokratischen Einheit (MUD).

„Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, will der ehemalige Kreml-Chef Michail Gorbatschow den damals mächtigsten Mann der DDR, Erich Honecker, ermahnt haben. Diese Worte entzogen im Herbst 1989 dem maroden Regime der DDR das Fundament.

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  1. 1
    Inge Alba

    Da muss die USA aber aufpassen dass sie selbst nicht über den Tisch gezogen werden. Man kann diese „Annäherung“ auch anderst auffassen, ein kleiner Erpressungsversuch seitens Cuba´s in Richtung Russland und China? Soll mir doch keiner jetzt damit kommen, dass die Castro´s so ganz plötzlich zum kapitalistischen Lager überlaufen wollen. Man will evtl. nur etwas bei den Unterhaltszahlungen aus Russland und China nachhelfen, im Moment läuft zum Missfallen Cubas alles in Richtung Vzla., da muss man schon mal wieder auf sich aufmerksam machen. Schliesslich hat Cuba mit seiner Revolution Geschichte gemacht, hat ältere Rechte, Vzla. ist ein Newcomer und ob er beständig sein wird ist auch noch mehr als fraglich.

    • 1.1
      Herbert Merkelbach

      So blöde und dumm sind die US-Amerikaner nun auch nicht. Die US-Wirtschaft wartet doch nur darauf, ihre Produkte nach Kuba verkaufen zu können und evtl. in Kuba zu produzieren. Man sollte auch nicht vergessen, dass Kuba ein ziemlich großes Seegebiet, das im Norden von den USA und im Westen an Mexiko grenzt in der Karibik besitzt. Hier könnte mit Hilfe der US-Ölfirmen nach Rohöl gesucht werden. Der Bedarf Kubas könnte evtl. bei erfolgreichem Fund hieraus gedeckt werden. Dann würden die Lieferungen aus VE obsolet (Quelle: Bloomberg – e-mail 19.12.14).

  2. 2
    fideldödeldumm

    Ich würde eher sagen, dass es eine schallende Ohrfeige für Venezuela ist. Erst lutschen die Castros Venezuela aus, und wenn da nichts mehr zu holen ist, klammern sie sich an den letzten Strohhalm USA. Und der blöde Busfahrer merkt es nicht einmal.

    • 2.1
      Herbert Merkelbach

      Vollkommen richtig und Maduro wusste noch nicht einmal davon. Ich kann nur sagen: sozialistische Solidarität.

  3. 3
    Jens

    Vielmehr sehen die Cubaner ihre Macht gefährdet. Wenns in VZ kracht, ist in Cuba alles vorbei. Diesmal hilft ihnen niemand. Fidel wird das Ende seiner Revolution noch erleben. Obama wollte sich ins Geschichtsbuch eintragen, ohne dabei zu bedenken, das bald 2 Millionen Cubis auf Miami Beach gehen.

  4. 4
    Manuel Ritter

    HMHHHHHHHHH. Dann sieht es ja schlecht aus für die Verleumdungskampagnen der Alt-Kommunisten und linken Vollpfosten aus Deutschland. Bin mal gespannt wer dann daran schuld ist, dass die kommunistischen Dudelsackkoffer nicht in die Gänge kommen.

  5. 5
    Romero Nerio

    Keine Sorge. Die Amis wissen schon was sie tun. Gut Ding will Weile haben. Großmaul Putin haben sie soeben das kommunistische Großmaul gestopft. Die Kubis werden in den nächsten Jahren ein bisschen am Kapitalismus lecken dürfen und spätestens in 5-6 Jahren, wenn die Castros zusammen mit Maduro und Chavez Kohle in der Hölle schippen und schon längst Kloake-Geschichte des Kommunismus sind, ist Kuba wirklich frei. Freue mich dann schon auf das Gekreische der linken und kommunistischen Dumpfbacken hier in Berlin.

    • 5.1
      Inge Alba

      Dein Wort in Gottes Ohr. Wäre zumindest das 1. Mal, dass die Amis wissen was sie tun, wenn ich mir so mal Iran, Afganistan, Irak, Lybien und Syrien ansehe.

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