Venezuela: Brutaler Überfall auf zwei deutsche Staatsbürger

humbold

Lehrerkollegium 2014-15 am "Colegio Humbold" in Caracas (Foto: Colegio Humbold)
Datum: 27. Januar 2015
Uhrzeit: 13:26 Uhr
Leserecho: 12 Kommentare
Autor: Redaktion
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Vor wenigen Tagen wurden zwei Mitglieder der deutschen Gemeinde am Nachmittag (Ortszeit) in ihrer Wohnung in Caracas überfallen und einer der beiden dabei lebensgefährlich verletzt. Nach verlässlichen Informationen, die agência latinapress vorliegen, verschafften sich die Täter über den Wächter Zutritt zum Gebäude und gelangten über den Service-Eingang in die Wohnung. Dabei überwanden sie zuerst die verriegelte Gittertüre um dann das Schloss (einfache Bauart) der eigentlichen Service-Tür aufzubohren. Die bewaffneten Täter überraschten die beiden Überfallenen im Schlaf, weckten diese und gaben Anweisungen auf Spanisch, sich ruhig zu verhalten und den Kopf nach unten zu drehen. Als einer der Überfallenen Deutsch mit dem anderen flüsterte, versetzte ein Täter diesem einen Schlag auf den Kopf, wobei sich ein Schuss aus der Waffe löste. Anschließend verließen die Täter fluchtartig das Gebäude – ohne etwas mitzunehmen.

Zu dem Vorfall äußerte sich auch das „Colegio Humbold“: „Unsere Kollegen Tobias Strohm und Lisa Burmeister wurden Opfer eines brutalen Überfalls. Herr Strohm wurde dabei schwer verletzt und wird zurzeit medizinisch sehr gut versorgt. Alle Prognosen für eine vollständige Genesung sind zum jetzigen Zeitpunkt gut. Frau Burmeister wurde nicht verletzt und es geht ihr den Umständen entsprechend gut, aber beide können zurzeit keine Besuche empfangen. Wir möchten uns bei allen für die gezeigte Solidarität, Anteilnahme, praktische Unterstützung und Blutspenden bedanken. Auch wenn die Situation für die Schule im Moment sehr schwierig ist, halten wir den Unterricht aufrecht und bitten für die zu treffenden Maßnahmen um Verständnis und Unterstützung“.

Nach aktuellen Informationen (27. Januar) liegt Strohm immer noch im Krankenhaus, hat starke Schmerzen und Angstzustände, sodass ständig jemand bei ihm sein muss. Sobald er das Krankenhaus verlassen kann (flugfähig ist), wird er Venezuela verlassen. Seine Freundin, ebenfalls Lehrerin am Colegio Humboldt Caracas, unterrichtet nicht mehr und wird so schnell wie möglich zusammen mit ihrem Freund ausreisen. Neue Lehrer anzuwerben erweist sich schon seit längerem als immer schwieriger, da das geniale Klima, die traumhaften Strände und die artenreiche Vegetation nicht darüber hinwegtäuschen können, dass es für vermeintlich reiche Ausländer ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellt sich frei in Venezuela zu bewegen, beim Einkaufen, Disco- oder Restaurantbesuch beobachtet zu werden und ggf. zwecks Auskundschaftung des Lebensumfeldes bis zur Wohnung verfolgt zu werden und wie im jetzigen Falle sogar in den eigenen vier Wänden brutal überfallen und es billigend in Kauf genommen wird, dass man lebensgefährlich verletzt werden kann.

Die Zukunft des „Colegio Humboldt Caracas“ scheint aufgrund der extrem hohen Fluktuation der Lehrer mehr als ungewiss (permanent ca. 30 deutsche Lehrer, wobei im letzten Schuljahr 10 (33%) aufgrund der Gefährdungslage gegangen sind (gekündigt haben) und in diesem Schuljahr einige weitere folgen werden, natürlich u.a. die beiden Anschlagsopfer. Kaum ein Lehrer wird wohl in Zukunft bereit sein in einem dermaßen unsicheren Umfeld arbeiten zu wollen.

In den letzten 16 Jahren hat sich die Kriminalität in Venezuela fast versechsfacht und beweist das Versagen des Regimes. Die Mordrate im südamerikanischen Staat gilt als eine der höchsten der Welt, die Gewalt im Land ist außer Kontrolle. Der Jahresbericht (2013) der venezolanischen Nichtregierungsorganisation “Observatory of Violence” (OVV) belegt einen Anstieg der gewaltsamen Todesfälle in Venezuela im vergangenen Jahr. Nach Statistiken der staatlich nicht kontrollierten/manipulierten Organisation starben 24.763 Menschen eines gewaltsamen Todes, 79 Todesfälle pro 100.000 Einwohner. Bei über 90 Prozent der Morde wird kein Verdächtigter verhaftet, wobei die Straffreiheit bei Verstößen gegen die Menschenrechte noch höher ist.

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  1. 1
    Inge Alba

    Ja, hatte ich bereits über facebook erfahren. Es tut einem schrecklich Leid für diese beiden Opfer, wobei ich sagen muss, wann wird diese Schule endlich geschlossen, man sollte es tunlichst unterlassen weiterhin weltfremde Junglehrer anzuwerben, die Strände kann man getrost vergessen, da auch diese gefährlich, was bleibt ist das Zuhause mit Klimaanlage (toll!). Nochmals, wer sich für Vzla. entscheidet hat sich nicht genügend informiert oder ist ein Lebensmüder!!
    Schon das Ankommen auf dem Flughafen ist ein sehr gefährliches Unterfangen, wenn man dann noch deutsch aussieht, Pech. Also, lieber einige Jahrgänge ohne Deutsch Unterricht, sprich Schule zu, als noch mehr Opfer für Göthe.

  2. 2
    Deutschvenezolano

    Nur noch lebensmüde Menschen kommen freiwillig in das brutale und mit Lügen und Betrug übersähte VZLA!

    Wir sind jetzt bereits seit einem Jahr raus dort und auf den Philippinen, ……Frieden und volle Supermärkte. Strände sind genauso traumhaft. Gott sei Dank hatten wir das Glück beruflich hier her zukommen! Trotz alle dem vermissen wir natürlich extrem VZLA. Ich wünsche allen weiterhin viel Glück und passt auf euch auf.

  3. 3
    VE-GE

    Ja das mache ich.

  4. ..wirklich schlimme Zustände dort.
    Wer dort hinreist sollte vorher schon mal ruhig sein Thestament verfassen..

  5. 5
    Manuel Ritter

    Wer reist schon freiwillig nach Venezuela: Flüchtlinge vor dem Gesetz, Vollpfosten und Abgeordnete der Linkspartei!!!!

    • 5.1
      Amiguita

      Abgeordnete Linkspartei sind bestimmt schon lange nicht mehr in Venezuela gewesen. Anders kann ich mir denen ihre Kommentare über das Land und die „tolle demokratische Regierung“ nicht erklären.

  6. 6
    Wienie

    Abgeordnete der Linksparteien sind regelmaessig dort. Auch Gysi auf seiner letzten Runde durch die verbliebenen soz Staaten.

    • 6.1
      Randgänger

      Wenn meine kurze Google Recherche richtig liegt war Gysi das letzte mal 2010 in Venezuela, da war die Lage noch deutlich besser und als „Staatsgast“ wird man eh nicht das wahre leben sehen.

  7. 7
    Wienie

    Soweit ich mich der Berichte erinnere war Gysi eher Staatsgast 3. Klasse also nicht Chavez getroffen, und noch nicht mal den Busfahrer (das waere aber sicher lustig gewesen ;-)). Aber sicher wird er die ganze Low Profile PR Show bekommen haben.

    Ich habe heute erfahren das sich die Lebensgefaehrtin von Strohm in einem drittklassigem Venezuela Forum versucht hat sich ueber die Situation in Vzla zu informieren. Dort wurde Ihr gesagt alles super, es trifft hoechstens mal Touristen und in bestimmte Gegenden darfst Du nicht gehen.

    Ich finde so etwas voellig verantwortungslos und man kann nur wuenschen das jene, welche diese schlechten Tipps geben, eines Tages selbst auf die ein oder andere Art „dran“ sind.
    Ich hoffe Strohm wird vollstaendig gesund und geht vielleicht in sichere „Entwicklungslaender“.

    • 7.1
      Martin Bauer

      Gysi besass damals sogar die dreiste Unverschämtheit, auf Staatskosten Sicherheitskräfte der Bundesregierung mitzunehmen, was ihm, als Vertreter einer – noch dazu bedeutungslosen – Oppositionspartei nicht zustand. Dazu auf einer Reise ohne Mandat, die keinerlei Sinn und Nutzen für die Bundesrepublik hat. Wir brauchen uns also gar nicht aufzuregen, wenn rote Verbrecher der PSUV staatlich Hubschrauber und Flugzeuge zu Privatzwecken nutzen, denn sie gehören wenigstens der Regierungspartei an. Was Gysi sich an illegaler Dreistigkeit erlaubt, ist deutlich schlimmer. Und noch schlimmer ist, dass er damit ungeschoren davon kommt.

    • 7.2
      Cato

      Ich weiss nicht aber langsam finde ich, dass manche hier mindestens so daemlich sind wie die ueber die sie laestern. Da geht ein Lehrer ins Ausland, aus welchen Gruenden auch immer, und versucht Bildung zu vermitteln, wird schwer verletzt und zum Dank schuldig gesprochen. Wienie, wenn du wuenschst, dass die „Anderen“ dran sind, hast du denn Mumm dich zu outen? Ist es dir egal ob deine Kinder eine moeglichst gute Bildung bekommen? Haben deine Eltern gedacht wie du und deswegen schreibst du so etwas? Geh doch einfach in die Klinik mit dem „Anderen“ die ihn nicht verstehen und sage dem Verletzten, dass er selber schuld ist, und besser noch, sage es seiner Familie. Das Niveau des Umfeldes scheint abzufaerben!

      • 7.2.1
        fideldödeldumm

        Also ich habe es nicht so verstanden, dass @wienie dem Lehrerpaar eine Schuld gegeben hat.

        Im Gegenteil: Wienie fand die „Ratschläge“ aus dem Forum der roten Rumflasche, welche überwiegend Selbstgespräche führt, unverantwortlich. Dort wird nun so getan, als ob die schlecht gesicherte Tür für den Überfall verantwortlich ist. Da aber dort nicht nur Verblödete sind, hat ein Forist geschrieben, das man in Venezuela überall erwischt werden kann. Aber das ist ja gegen die Meinung des Forumsbetreibers und nur „hearsay“.

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