Region Lateinamerika steht vor dem Ende eines Zyklus

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Nach einem "goldenen Jahrzehnt" (2002-2013) mit starkem Rückenwind leidet die Region unter einer starke Konjunkturabschwächung (Foto: estudopratico)
Datum: 27. März 2015
Uhrzeit: 15:43 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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In den letzten Monaten fielen die Nachrichten für Lateinamerika nicht gut aus. Nach einem „goldenen Jahrzehnt“ (2002-2013) mit starkem Rückenwind leidet die Region unter einer starken Konjunkturabschwächung. Vor allem in Südamerika wurde eine Stagnation bei der Armutsbekämpfung registriert, die von wachsenden sozialen Unruhen begleitet wird. Frappierend ist die Verschlechterung der Lage der Menschenrechte – schwere Korruptionsskandale führen zu einem Zusammenbruch der Popularität vieler Präsidenten in verschiedenen Ländern. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist davon überzeugt, dass die aktuelle Situation „nicht vorübergehend“ ist, der drastische Abschwung wird bereits als „Ende des Zyklus“ bezeichnet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bestätigt diese düstere Voraus-Kenntnis und korrigierte seine Prognose für das regionale Wachstum bereits nach unten (2015 nur noch 1,3%). Laut einem aktuellen Bericht der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) lag die Armutsgrenze zwischen 2013 und 2014 bei rund 28% (167 Mio.) und stagnierte. Die extreme Armutsquote erhöhte sich leicht von 11,3 auf 12% (Insgesamt 71 Millionen Bedürftige) – ein Alarmsignal im Zusammenhang mit diesem neuen Zyklus der erhöhten wirtschaftlichen Unsicherheit.

Sämtliche Regierungen sind gefordert, auf die wachsenden Anforderungen einer immer anspruchsvolleren Bevölkerung hinsichtlich der Demokratie, Rechte und öffentliche Dienstleistungen zu reagieren. Venezuela ist ein trauriges Beispiel dafür, dass ein mit der aktuellen Lage hoffnungslos überforderter Präsident lieber wie ein Elefant im Porzellanladen wütet, statt sich den Herausforderungen zu stellen. Maduro hat in den letzten Wochen die politische Verfolgung der Opposition verstärkt und von der gesetzgebenden Versammlung Befugnisse erhalten, um bis Ende 2015 wie ein Diktator am Parlament vorbei zu regieren.

Die Situation ist in den beiden größten Ländern der Region ebenso komplex. In Mexiko verpasste Präsident Peña Nieto den „mexikanischen Moment“ und rennt verzweifelt seiner Reformagenda hinterher. Ob er die kommenden Kongresswahlen unversehrt (7. Juni) übersteht, ist fraglich. Brasilien befindet sich in einem perfekten Sturm: Konjunkturabschwächung, politische Korruption führen in die institutionelle Sackgasse. Rousseff, vor nur fünf Monaten mit knapper Mehrheit wiedergewählt, sieht sich einer giftigen Kombination von niedrigem Wirtschaftswachstum, hoher Inflation und dem größten Korruptionsskandal in der Geschichte gegenüber. Diesbezüglich ist es nicht verwunderlich, dass die Unsicherheit bei der Bevölkerung einen Zusammenbruch ihrer Popularität erzeugt hat.

In der Andenregion ist es mit Ausnahme von Venezuela noch zu früh, um die Auswirkungen eines dauerhaften Rückgangs der Ölpreise abzuschätzen. Es ist allerdings Tatsache, dass in mehreren Ländern wie Bolivien, Ecuador und Kolumbien die Sorge der Regierungen wächst. In Peru kämpft Präsident Humala mit einer sinkenden Popularität und muss alle Kraft aufwenden, um ein Misstrauensvotum zu vermeiden. Währenddessen will Chiles Präsidentin Bachelet eine ehrgeizige Reformagenda auf den Weg bringen – wird wegen eines Korruptionsskandals innerhalb der eigenen Familie und den daraus resultierenden Angriffen und Anschuldigungen jedoch stark ausgebremst. In Mittelamerika, vor allem in den Ländern des nördlichen Dreiecks (Guatemala, El Salvador und Honduras), ist die Situation besonders besorgniserregend. Hohe Armut, Ungleichheit, Drogenhandel und ein hohes Maß an Korruption und organisierte Kriminalität, hemmen diese eh fragilen Staaten deutlich.

Laut dem jüngsten Bericht von Transparency International (2014) stagniert die Bekämpfung der Korruption in der Region auf allen Ebenen. Paraguay, Venezuela, Honduras und Nicaragua sind die korruptesten Länder in Lateinamerika. Mehrere dieser Skandale betreffen die Führer oder deren Angehörige (Mexiko, Argentinien, Chile und Peru) oder Ex-Präsidenten oder Institutionen (in Panama ist ein Gerichtsverfahren gegen den ehemalige Präsidenten Ricardo Martinelli eröffnet worden).

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  1. 1
    Groebben

    Von Stagnation ist in Bolivien zum Glueck (noch) nichts zu spueren und die Wirtschaft geht weiter bergauf. Vor wenigen Wochen hat der Wirtschaftsminister zwar die Prognose fuer das Wachstum von 2015 von 5,9% auf 5% runtergesetzt, aber weiterhin spuert man das es vorran geht. Bleibt zu hoffen das es noch fuer einige Zeit so weiter geht und die Armut verringert wird….

  2. 2
    paulo

    seien wir doch mal ehrlich, nocht ein einziges land, hat seine aufgaben in den letzten 20 jahren erfüllt.
    kein einziges land hat auch nur im ansatz die sozialen herausforderungen angenommen. es wurd in den boomjahren alles auf die lange bank geschoben und aenderungen auf immer vertagt.,,,,, die kohle zweckentfremdet

    • 2.1
      Herbert Merkelbach

      Nicht ganz. Es gibt schon ein Land in Lateinamerika, dass auf einem guten Wege ist, mit demokratischen Mitteln, ohne die verbreitete Korruption und Drogenhandel, den Bürgern des Landes ein verhältnismäßig gutes Leben zu ermöglichen: Costa Rica.
      Man darf natürlich keinen Vergleich zu einem hochindustrialisierten Staat innerhalb der Eurozone anstellen. Das wäre unfair. Wenn man sich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes seit 1950 ansieht, so muss man doch beträchtliche Errungenschaften feststellen. Man kann nur hoffen, der Weg in eine sichere Zukunft wird nicht jäh unterbrochen.

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