Brasilien – Venezuela: Gestohlene Blutproben an Yanomami zurückgegeben

indigena

Am 26. März traf in einem Dorf in Piaú im Yanomami-Reservat in Roraima (Region Toototobi) eine Lieferung mit dem vor fast 50 Jahren entnommenen Blutproben ein (Fotos: Racismoambiental)
Datum: 04. April 2015
Uhrzeit: 15:03 Uhr
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Das Blut der Ureinwohner aus dem Amazonasgebiet ist bei Pharmakologen und Genforschern begehrt. Die DNS der Naturvölker ist reiner als die von Europäern und deshalb leichter zu analysieren. Aus den Gen-Informationen erhoffen sich die Forscher die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, HIV und andere Krankheiten. Auch die Yanomami-Region im Norden Brasiliens nahe der venezolanischen Grenze wurde zum Zielgebiet der Pharmaforschung. Zwischen 1960 und 1970 nahmen Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania (USA) mehreren dort lebenden Stämmen Blut ab. Der Aderlass hatte für die Naturvölker tragische Konsequenzen, für die Yanomami ist die Konservierung des Blutes verstorbener Angehöriger unvorstellbar. Da diese längst tot sind und in der Welt der Geister leben, darf ihr Blut nicht in irgendwelchen Gen-Labors gelagert werden. Nach 45 Jahren intensiver Diskussionen zwischen Genetikern, Ethnologen und den Yanomamis, ist nun ein Wendepunkt zustande gekommen. Am 26. März traf in einem Dorf in Piaú im Yanomami-Reservat in Roraima (Region Toototobi) eine Lieferung mit dem vor fast 50 Jahren entnommenen Blutproben ein. Bei einer Zeremonie mit einheimischen Führern wurde dieses Ereignis gefeiert, das Ritual markierte den „Rückfluss des Blutes zum Stamm der Yanomami“.

david

Bei der Blutabnahme hatte man den Yanomami damals erklärt, es sei ausschließlich für Malariatests bestimmt. Erst Jahre später erfuhren sie, dass dies eine Lüge war. Laut dem Yanomami Anführer Davi Kopenava kamen die US-Wissenschaftler damals in sein Dorf und nahmen den Bewohnern Blut ab. „Ich war damals etwa 10 oder 11 Jahre alt. Die nicht-indigenen [US-Wissenschaftler] kamen zu uns nach Toototobi. Es gab vier Dörfer mit einer großen Gruppe von Missionaren, die mit uns lebten. Die Missionare sprachen davon, dass uns Blut abgenommen wird. Als Gegenleistung boten uns die Amerikaner Macheten, Töpfe, Haken, Spiele und Messer an. Es war aber keine Rede davon, dass unser Blut mitgenommen wird und unser Dorf verlässt“, so Kopenava.

Sein Kampf um die Rückgabe des genetische Materials begann laut David in den späten 80er Jahren. Damals teilte ihm ein Anthropologe mit, was mit den entnommenen Proben passiert sei. „Ein Anthropologe sprach mit uns über das Blut, das nicht dazu bestimmt war, unsere Region zu verlassen“. Zusammen mit einem Vertreter der Yanomami aus Venezuela reiste David in die Vereinigten Staaten und bat während eines Dialogs mit amerikanischen Anthropologen um die Rückführung des Blutes. „Der Anthropologe in den USA sagte mir: David, wir sind keine Indigene und unser Denken über Blut ist ein anderes. Alle Proben sind erfasst, dokumentiert und in verschiedenen Kühlfächern der Labors gelagert. Du kennst unsere Bürokratie, wir reden viel und es wird lange dauern, bis überhaupt etwas geschieht. Ich sagte zu ihm, dass ich warten werde und es mein einziger Wunsch sei, unser Blut in die Heimat zu bringen. Wir wurden getäuscht und haben das Recht zu bekommen, was uns gestohlen wurde“.

Nach seinen Worten wird er nun eine Stammessitzung mit Schamannen einberufen und Kontakt mit den Geistern der Verstorbenen aufnehmen. „Wir werden beten, ein Loch im Boden graben und das zurückgeführte Blut unserer Ahnen hineingießen. Die Traurigkeit in unseren Herzen und das Weinen sind beendet“.

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