Lateinamerika: Venezuela reduziert Lizenzen für Kakaoausfuhren drastisch

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Kakao aus Venezuela ist bei den internationalen Produzenten für Schokolade heiß begehrt (Foto: .chocolates-elrey)
Datum: 11. April 2015
Uhrzeit: 20:22 Uhr
Ressorts: Panorama, Venezuela
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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Das südamerikanische Land Venezuela ist für seinen exquisiten Kakao bekannt. Internationale Meisterchocolatiers wie Valrona und Lindt & Sprüngli kaufen den „Criollo“, der als Edelster unter allen Kakaosorten gilt. In den Jahren 1600 bis 1820 galt venezolanischer Kakao als der Beste der Welt und belegte den ersten Platz auf der Export-Liste. In den Folgejahren verlor die Trockenmasse, die nach Fermentieren und Rösten der Samen des Kakaobaumes neben der Kakaobutter anfällt, stark an Bedeutung und machte im Jahr 1960 nur noch ein halbes Prozent der Gesamtexporte aus. Dieser starke Rückgang hatte allerdings keinen Einfluss auf Qualität und weltweiten Ruf. Kakao aus Venezuela ist bei den internationalen Produzenten für Schokolade heiß begehrt – für venezolanischen Kakao wird der höchste Preis gezahlt. Nach Angaben des venezolanischen Kakaoverbandes (Cámara Venezolana del Cacao) gingen die Exporte in den letzten fünf Monaten stark zurück, da die Regierung die Erteilung von Ausfuhrlizenzen der meisten lokalen Produzenten für Verkäufe ins Ausland drastisch reduziert hat.

Demnach befinden sich aktuell rund 5.000 Tonnen der Kakaoernte (zwischen Januar und Februar geerntet) auf Halde. Dies soll laut dem Gewerkschaftsvorsitzenden Alejandro Prosperi dazu geführt haben, dass die Alarmglocken bei den Chocolatiers aus Japan und der Schweiz klingeln. Diese gelten als wichtigste Käufer des venezolanischen Produkts – über ihre Botschaften wurden angeblich bereits Beschwerden wegen der Blockierung von bis zu 100 Tonnen Kakao bei der Regierung eingereicht. Die Regierung in Caracas hat auf Informationsanfragen bisher nicht reagiert.

„Sie (Regierung) machen alles kaputt. Nun ruinieren sie auch noch den Ruf Venezuelas als Exporteur von Kakao“, so Prosperi. „Wir können bei den bereits geernteten Bohnen sehr schnell einen Fäulnisbefall bekommen und dann erst wieder ab der nächsten Ernte liefern“ fügt er hinzu. Der Mangel an venezolanischem Kakao ist allerdings keine Bedrohung für die Schokoladenliebhaber in der Welt. Mit knapp 8.000 Tonnen kommt nur ein Bruchteil der rund 4 Millionen Tonnen, die die globale Schokoladenindustrie benötigt, aus Venezuela.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Herbert Merkelbach

    Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts, ein Geschenk an die Menschheit!! In „Tal cual“ war ein Artikel zu lesen, in dem auf die Zustände in der Sowjet-Union im Jahre 1990 aufmerksam gemacht wurde. Auch damals gab es in der UdSSR kein oder wenig Toilettenpapier. Ein Jahr später war der Sowjet-Kommunismus am Ende.
    Deuten sich da Parallelen an?

  2. 2
    rote_pille

    ich verstehe das nicht… die regierung müsste doch richtig scharf auf die devisen sein. vielleicht wollen sie auch die preise beeinflussen – aber so eine wette ist riskant, gerade bei der geringen menge.

    • 2.1
      Randgänger

      Die Regierung ist nur scharf auf Devisen wenn diese zum großteil in die eigene Tasche fließen. Könnte mir vorstellen das bald Verschwörungs Theorien verbreitet werden, dass die Kakao Bohnen bewusst zurückgehalten werden um die Revolution in Misskredit zu bringen und dann wird wieder mal verstaatlicht

  3. 3
    Inge Alba

    Ja, wahrscheinlich hat rote_pille recht, so wird es wohl sein. Andere Erklärung fällt mir auch nicht mehr ein.

  4. 4
    Marvin Scott

    Das wird wieder nix. Will der Kasperle die Saudis mit ihrer Tiefpreisstrategie beim Öl kopieren? Ein junger Bekannter hatte in Venez eine blühende kleine Schoko-Fabrik aufgebaut und unter dem Motto appelation contrôlée Venezuela gute Exportgeschäfte gemacht. Dann hat ihm Chavez alles weggenommen und seither ist kein Kilo mehr hergestellt worden. Die Chavisten sitzen auf den Maschinen und wissen nicht wies geht….oder ist ihnen zu mühsam.

  5. 5
    Martin Bauer

    Hugo Chávez haben sie doch auch erst verfaulen lassen, bis man ihn schliesslich nicht mehr mumifizieren konnte. Warum soll es den armen Kakaobohnen besser ergehen…?

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