Strassenkinder auf Haiti: Eine Methode des Überlebens

strassenkids haiti

Datum: 04. Oktober 2009
Uhrzeit: 19:04 Uhr
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Autor: Redaktion
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Ein beunruhigendes Phänomen macht sich in der Metropolregion von Port-au-Prince und Umgebung breit.

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Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Es teilt sich zusammen mit der Dominikanischen Republik die Karibikinsel Hispaniola. Von unzähligen Hurrikanen heimgesucht herrscht auf der ganzen Insel große Armut. Das Betteln und die Jugendkriminalität verbreiten sich zunehmend in Port au Prince, der Hauptstadt Haitis. Viele Kinder sind sich selbst überlassen und für viele hängt der tägliche Überlebenskampf von der Großzügigkeit der Passanten ab.

Viele Kinder und Jugendliche verlassen ihre Familien in den ländlichen Provinzen um in den Straßen der Hauptstadt von Haiti als „Straßenkinder“ ihr tägliches Leben zu fristen. Ihre Hoffnung stützt sich auf die Großzügigkeit seitens der Verkehrsteilnehmer. Sie leben unterhalb der Armutsgrenze, nutzen jede Gelegenheit um bei anhaltenden Autos die Fensterscheiben zu reinigen und bitten die Autofahrer um ein kleines Salär. Manche reichen ein paar Münzen aus dem Auto, einige zögern und andere reagieren heftig.

Diese Situation, ein echtes soziales Übel, hält bereits seit mehreren Jahren an und verstärkt sich in letzter Zeit zunehmend.

Kinder beiderlei Geschlechts wandern täglich zwischen 6 Uhr und 19 Uhr durch die Straßen.
Aber wer sind sie, diese kleinen, in Lumpen gekleidete Wesen?

Fènèlus Wilbert, heute 13 Jahre, kam vor einem viertel Jahr aus der Stadt Piacenza nach Port au Prince. Die kleine Fènèlus reinigt jeden Tag Windschutzscheiben von Autos um so für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. “Wir waren viele Kinder zuhause. Meine Mutter ging den ganzen Tag arbeiten damit wir etwas zu essen hatten. Ich konnte nicht zur Schule gehen, weil für mich kein Schulgeld mehr übrig war. So bin ich von zuhause weg gegangen”, erzählt Fènèlus.

Im Bewusstsein dass eine solche Lebensweise nicht sehr wünschenswert ist, sagt das Mädchen: “Wir arbeiten hart, damit wir uns eines Tages unseren Traum erfüllen können. Wir möchten ein Dach über dem Kopf, ein bequemes Bett, zu essen und zu trinken haben. Wir bevorzugen es auf der Straße leben, anstatt mit einem Fremden zu gehen, der uns nur als Opfer sieht und uns Missbrauch zufügen wird.

“Betteln oder Reinigung von Autoscheiben hilft uns nur kurzfristig, weil unsere eigentlichen Probleme ungelöst bleiben. Mit dem was wir sammeln, können wir Lebensmittel kaufen. Ich bedauere, dass ich nie eine Schule in meinem Leben besuchen konnte.

Viele Autofahrer sind misstrauisch zu den jungen Menschen. Einige glauben, dass sie zu viel Geld verdienen an einem Tag. “Sie sind nur Diebe, ich gebe ihnen nicht einen Cent”, sagt ein Autofahrer. “Ich fürchte mich, ihnen Geld zu geben, weil ich denke, sie haben magische Kräfte und können mir den Rest meines Geldes verzaubern so dass er verschwindet”, sagt ein anderer.

Die Regierung kümmert sich wenig um diese Straßenkinder. Tierheime werden eingerichtet, jedoch eine Unterkunft für diese Kinder, wo sie eine kleine warme Mahlzeit erhalten könnten um so ihre Probleme zu lindern, gibt es nicht.

“Der Staat hatte noch nie Augen für seine Kinder und ich finde es gut, diesen Straßenkindern zu helfen, damit sie überleben können”, räumt Luco, ein Ingenieur, ein. “Wenn die Regierung das Gesicht dieses Landes ändern will, dann muss sie an die Straßenkinder denken, die zunehmend Tag für Tag in der Hauptstadt und der Metropolregion um ihr Leben kämpfen”, sagt er.

“Betteln ist Begleiterscheinung des Menschenhandels, die schlimmste Form der Gewalt gegen Kinder. Das Heer der Bettler wächst weiter. Der Staat ist vom Ausmaß überwältigt und hilflos”, schließt Luco.

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