„Lava Jato“ in Brasilien: Ex-Präsident Lula im Fadenkreuz der Ermittler

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Lula gibt sich nach außen hin gelassen (Foto: agenciabrasil)
Datum: 21. Juni 2015
Uhrzeit: 17:19 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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Die brasilianische Bundesanwaltschaft hat am Samstag (20.) bestätigt, dass Ex-Präsident Luis Ignácio Lula da Silva Gegenstand von Ermittlungen rund um den Mischkonzern Odebrecht ist. Dabei soll untersucht werden, ob der 69-jährige für den Konzern im Ausland (Kuba, Angola, Dominikanische Republik, Ghana, Venezuela) tätig war und sich der Bestechung und des Machtmissbrauchs schuldig gemacht hat. Innerhalb von 90 Tagen wird nun entschieden, ob eine vollständige Untersuchung eingeleitet wird. Seit Wochen und Monaten wird darüber spekuliert, ob sich das ehemalige Staatsoberhaupt bei seinen hoch dotierten Vortragsreisen von ausländischen Entscheidungsträgern hat schmieren lassen und dem an Großprojekten beteiligten Konzern Odebrecht (Tiefseehafen Mariel auf Kuba, Milliardenprojekte in Venezuela) lukrative und „künstlich aufgeblasene“ Aufträge über die Förderbank Brasiliens hat zukommen lassen.

Odebrecht hatte in der Vergangenheit bereits erklärt, „institutionelle Beziehungen“ mit Lula zu pflegen. Dies wäre ganz natürlich und deshalb habe Lula auch mit Firmenflugzeugen ins Ausland reisen können. Dort habe er auf verschiedenen Veranstaltungen Führungskräfte getroffen und versucht, „ausländische Investitionen anzuziehen und dadurch brasilianische Unternehmen zu fördern“. Der Konzern streitet allerdings Behauptungen ab, dass es eine Verbindung zwischen seiner Beziehung mit dem ehemaligen Präsidenten und einen Kredit der Landesförderbank mit auffällig niedrigen Zinsen gibt.

Lula gibt sich nach außen hin gelassen, bezeichnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als „Mist“. Offensichtlich haben seine Nerven aber doch gelitten, die aktuelle Regierungspolitik seiner Nachfolgerin Roussseff werden kritisiert. Ebenfalls ist er mit der unabhängigen Justiz nicht einverstanden – eine Krankheit aller Linkspopulisten in Lateinamerika. Der für die Untersuchungen zuständige Bundesrichter Sérgio Moro wolle ihm und seiner Arbeiterpartei schaden und eine mögliche Wiederwahl im Jahr 2018 (Präsidentschaftswahlen) verhindern. Die Nervosität Lulas könnte sich über das Wochenende noch verstärken. Die brasilianische Bundespolizei hat am Freitag (21) in São Paulo, Rio de Janeiro, Minas Gerais und Rio Grande do Sul mehrere hochrangige Führungskräfte von Odebrecht festgenommen. Darunter befindet sich auch Marcelo Odebrecht, Präsident des familiengeführten Unternehmens.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Herbert Merkelbach

    Lula ein Heiliger, Dilma eine Heilige. Wie könnten diese Personen auch nur etwas Ungerechtes begehen!!
    Wer es glaubt, der wird selig.

  2. 2
    Wolfgang Bartels

    Es wird Zeit das dieser Parasit endlich hinter Gitter kommt.
    Vor Amtsantritt wohnte er bei einem Anwalt kostenlos, heute gehoert seine Familie zu den Reichsten des Landes. 2011 veroeffentlichte Forbes seinen Sohn in der Liste der 200 reichsten Milliardaere. Sein Veto und Androhung von Klage zwangen Forbes ihn von der Liste zu nehmen. Ein kleiner Hilfsarbeiter des zoologischen Gartens von Sao Paulo.3 der groessten Fazendas Brasiliens gehoeren ihm, Beteiligungen an JBS der groessten fleischverarbeitenden Industrie weltweit, sowie die Mehrheit der Telefongesellschaft OI. Brasilien ist das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten wo ein ungebildeter Hilfsarbeiter von seinem Mindestlohn ( R$ 600,00 ) hunderte von Millionen US Dollar auf die Kante legen kann. Alleine auf der Fazenda Santa Barbara wurden ueber 8000 Hektar Urwald abgeholzt ohne das die IBAMA einen Ton sagte. Muss ich auf meiner kleinen Ranch einen Baum faellen, da die Wurzeln rott sind und er auf meine Staelle fallen koennte, benoetigt dies wochenlanges ringen, besuche der Polizei, usw.

    • 2.1
      Herbert Merkelbach

      Sie kennen den Spruch: gleich und gleich gesellt sich gern. Lula war doch ein „Intim“freund von Hugo Chávez Frias. Beide verstanden sich ausgesprochen gut.
      Mehr kann man eigentlich nicht dazu sagen. Der Unterschied zwischen beiden ist eigentlich, dass Lula die Enteignungungen von Firmen in Brasilien meines Wissens im Gegensatz zu Chávez in Venezuela nicht durchgeführt hat. Was das „Raffen“ und die „GIER“ nach Geld und Vermögen anbetrifft, in meinen Augen kein Unterschied zwischen beiden festzustellen.
      Was Dilma anbetrifft, diese Heuchlerin vor dem Herren, von Korruption innerhalb der Petrobras nichts gewußt, wahrscheinlich Lula sorgfältig geschützt; letzten Medienberichten hat sie 30 Tage Zeit sich zu den Vorwürfen in der Petrobras zu äußern. Ich kann nur hoffen, das ein „Amtsenthebungsverfahren“ eingeleitet wird.

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