Papstbesuch auf Kuba: Über 30 Bürgerrechtler verhaftet

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Damas de Blanco” sind Trägerinnen des "Sacharow Preis" des EU-Parlaments für geistige Freiheit (Foto: Archiv)
Datum: 21. September 2015
Uhrzeit: 13:04 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, haben Polizei und Geheimdienst am Sonntag (20.) über 30 Angehörige der kubanischen Demokratiebewegung verhaftet. Die Behörden wollten damit verhindern, dass die nun Verhafteten an der Messe von Papst Franziskus auf der „Plaza de la Revolución“ teilnehmen. Unter den Festgenommenen waren auch die Sprecherin der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“ Berta Soler sowie die ehemalige politische Gefangene und Regimekritikerin Martha Beatriz Roque.

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin bedauert, dass trotz zahlreicher Bitten ein Zusammentreffen von Menschenrechtlern mit Papst Franziskus nicht zustande kam. „Es wurden allein 20 ‚Damen in Weiß‘ festgenommen, nur um ihre Teilnahme bei der Papstmesse zu verhindern“, so Lessenthin. Die IGFM erinnert daran, dass auch anlässlich des Besuchs von Papst Benedikt XVI. auf der Karibikinsel 2012 die kubanischen Behörden versuchten, durch eine Verhaftungswelle Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.

Aktivisten der kubanischen Demokratiebewegung hatten im Vorfeld durch Petitionen und sogar durch Hungerstreiks versucht, die Aufmerksamkeit des Papstes zu gewinnen. Viele hatten auf eine symbolische Geste gehofft. Am gestrigen Sonntag traf Papst Franziskus mit Fidel und Raúl Castro zusammen.

Hintergrund:

Während des Besuchs von Papst Benedikt XVI. auf Kuba vom 26. bis zum 28. März 2012 gingen in Kuba Polizei und Geheimdienst mit Massenverhaftungen gegen Angehörige der kubanischen Demokratiebewegung vor. Besonders betroffen waren die Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“, die durch Drohungen, Verhaftungen und Hausarrest systematisch davon abgehalten wurden, die Papstmessen zu besuchen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Missstände auf Kuba zu lenken. Die IGFM befürchtet, dass die Repressionen gegen die Bürgerrechtsbewegung in diesem Jahr den Angriffen während und nach des Besuchs von Papst Benedikt XVI. um nichts nachstehen werden.

Kardinal Ortega: „Auf Kuba gibt es keine politischen Gefangenen“
Für die kubanische Bürgerrechtsbewegung war es ein schwerer Schlag, als Kardinal Jaime Ortega öffentlich verkündete, es gäbe auf Kuba keine politischen Gefangenen mehr. Der Kardinal hatte seit 2011 eine wichtige Vermittlerrolle zwischen der kubanischen Regierung und der Opposition sowie der internationalen Gemeinschaft inne. Damals trug er zu der Freilassung jener Gruppe von 75 Regimekritikern bei, die im Zuge des kubanischen Frühlings 2003 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Vor über einem Jahr übergab er dem US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama ein Schreiben des kubanischen Präsidenten Raúl Castro und spielte damit eine wichtige Rolle für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA. Umso größer war die Enttäuschung der Kubaner über die gegenüber einem spanischen Radiosender am 5. Juni 2015 getätigte offensichtliche Falschaussage des Kardinals.

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  1. 1
    Inge Alba

    Ein Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
    Meine bescheidene Meinung, in der Kirche, egal welche Glaubensrichtung, gibt es nur sehr wenige anständige, offene und gerechte Menschen, den Rest kann man getrost unter Diktatoren, machtgeile Elemente verbuchen. Kriege entstehen zum grossen Teil wegen irgendeiner Religion, Religionen verdummen die Menschheit und diese lässt es sich gefallen. Der Kommunismus, der Nationalsozialismus und die Religionen haben eines gemeinsam, sie unterjochen die Menschen,viele Gefolgsleute/Anhänger = viel Macht, viel Macht = viel Reichtum. Und die Menschenmassen huldigem so einem Schwachsinn auch noch, na ja, wahrscheinlich haben sie es nicht besser verdient.

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