Medienpluralismus in Gefahr: Internationales Pilotprojekt zur Medienkonzentration

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In vielen Ländern dienen Massenmedien nicht nur als Instrumente zur Meinungsbildung, sondern auch als Waffen, um die politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrer Besitzer durchzusetzen (Foto: ROG)
Datum: 13. Oktober 2015
Uhrzeit: 17:15 Uhr
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Autor: Redaktion
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Reporter ohne Grenzen startet in dieser Woche in Kolumbien ein internationales Pilotprojekt für mehr Transparenz in den Besitzverhältnissen der Massenmedien. Am Donnerstag (15. Oktober) wird in dem südamerikanischen Land der erste Media Ownership Monitor freigeschaltet: eine Online-Datenbank, die Konzentrationstendenzen in den kolumbianischen Medien und die damit verbundenen Interessenkonflikte offenlegt. Die Rechercheergebnisse des Projekts werden auf der neuen Webseite „De quién son los medios?“ („Wem gehören die Medien?“) veröffentlicht. Entsprechende Projekte sind künftig in weiteren Ländern weltweit geplant.

Transparenz in den Besitzverhältnissen ist eine Grundvoraussetzung für Medien- und Meinungspluralismus. Sie fördert die allgemeine Medienkompetenz und hilft den Regulierungsbehörden, gegen Marktversagen und Konzentrationsprozesse vorzugehen. Der Media Ownership Monitor (MOM) wurde auf der Grundlage einer standardisierten Methodik als Recherche- und Publikationsinstrument entwickelt, um eine öffentlich zugängliche, kontinuierlich fortgeschriebene Datenbank der Besitzer aller wichtigen Massenmedien im jeweiligen Land zu schaffen. Zur Einordnung und Analyse dieser Daten wird der MOM zusätzlich Informationen über die Besonderheiten und rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Medienmarkts liefern.

In Kolumbien arbeitet Reporter ohne Grenzen mit dem Journalistenverband Federación Colombiana de Periodistas (FECOLPER) zusammen, um den MOM umzusetzen und an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Der zweite MOM wird derzeit von einem Projektteam in Kambodscha vorbereitet.

„Medienpluralismus ist ein Grundpfeiler jeder demokratischen Gesellschaft, denn nur unabhängige und freie Medien können die ganze Bandbreite der Meinungen in einer Gesellschaft abbilden“, erklärte Christophe Deloire, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen International. „Medienkonzentration aufzudecken, ist ein wichtiger erster Schritt, um den Einfluss übermächtiger Medienunternehmer zurückzudrängen.“

„In vielen Ländern dienen Massenmedien nicht nur als Instrumente zur Meinungsbildung, sondern auch als Waffen, um die politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrer Besitzer durchzusetzen“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen Deutschland. „Der Media Ownership Monitor will dem etwas entgegensetzen, indem er Medienbesitzer zu mehr Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit zwingt.“

Ein wesentliches Element des MOM ist, dass seine Ergebnisse öffentlich zugänglich sind: Nur so können sie dazu dienen, das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit für Fragen der Medienkonzentration zu schärfen sowie auf politischer Ebene für mehr Medienpluralismus und entsprechende regulatorische Maßnahmen zu werben. Der MOM Kolumbien wird jeweils die zehn landesweit wichtigsten Fernseh- und Radiosender sowie Print- und Internetpublikationen sowie die wichtigsten Mediengruppen und Medienunternehmer untersuchen. Seine ersten Ergebnisse werden am Donnerstag im Rahmen einer internationalen Konferenz vorgestellt.

In vielen Ländern haben Medienoligarchen beträchtliches Vermögen und Einfluss angehäuft, so dass profitträchtige Geschäfte, politische Ambitionen und Medienunternehmungen nahtlos ineinander greifen. Weltweit stagniert vielerorts die Entwicklung pluralistischer Medienmärkte oder macht gar Rückschritte. Und obwohl das Internet die Hürden zum Eintritt in den Medienmarkt auf den ersten Blick gesenkt hat, verschleiert es oft eher den Aufstieg neuer, noch mächtigerer Oligopole.

Die Bedeutung der Medien als Katalysatoren für gesellschaftliche Debatten, kritisches Gegengewicht zu Regierungen und unabdingbarer Mittler demokratischer Prozesse unterstreicht, welche Folgen fehlende Transparenz in den Medienbesitzverhältnissen hat: Wie können die Bürger die Verlässlichkeit von Informationen verurteilen ohne zu wissen, wer sie bereitstellt? Wie können Journalisten glaubwürdig ihre Arbeit tun, ohne zu wissen, wem ihr Unternehmen gehört? Und wie können Aufsichtsbehörden gegen übermäßige Medienkonzentration vorgehen, wenn sie nicht wissen, wer welche Medien kontrolliert?

Der Media Ownership Monitor ist ein internationales Projekt von Reporter ohne Grenzen (ROG), das von der deutschen ROG-Sektion initiiert wurde und mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung umgesetzt wird.

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