Lateinamerika: Medienkonzentration hemmt Meinungsvielfalt in Kolumbien

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In vielen Ländern dienen Massenmedien nicht nur als Instrumente zur Meinungsbildung, sondern auch als Waffen, um die politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrer Besitzer durchzusetzen (Foto: ROG)
Datum: 16. Oktober 2015
Uhrzeit: 12:03 Uhr
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Autor: Redaktion
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Ein großer Teil der Massenmedien in Kolumbien ist in den Händen weniger Eigentümer konzentriert. Damit begünstigen die Besitzverhältnisse Interessenkonflikte und Selbstzensur. Dies zeigen die Ergebnisse dreimonatiger Recherchen im Rahmen des Projekts Media Ownership Monitor (MOM), die Reporter ohne Grenzen zusammen mit dem Kolumbianischen Journalistenverband (FECOLPER) am Donnerstag in Bogotá vorgestellt hat. Die gemeinsame Untersuchung bildete den Auftakt eines internationalen ROG-Projekts zur Förderung von Medienpluralismus. Dieses soll nach einer standardisierten Methodik künftig auch die Medienbesitzstrukturen in anderen Ländern untersuchen und für die Öffentlichkeit transparent machen. Die aktuelle Untersuchung im Nachbarland von Venezuela zeigte unter anderem, dass unter den überregionalen Medien zwei Drittel der Leser auf nur vier Zeitungen (Q´hubo, ADN, El Tiempo und Al Día) entfallen. Die beiden größten Fernsehsender machen mehr als zwei Drittel des TV-Markts unter sich aus und erwirtschaften rund 78 Prozent der gesamten TV-Werbeeinnahmen.

Ebenso zeigte die Recherche, dass nur drei Konzerne – Ardila Lülle, Santo Domingo (Valorem) und Sarmiento Angulo – durch eine Vielzahl von Publikationen und Sendern 57 Prozent des Markts für alle herkömmlichen Mediengattungen (Print, Fernsehen und Radio) kontrollieren: Zu Ardila Lülle gehören allein 18 verschiedene Medien, zu Santo Domingo sechs und zu Sarmiento Angulo 17. Auf dem Regionalzeitungsmarkt ist die Verlagsgruppe El Periódico des Geschäftsmanns Eduardo Suárez Burgos ein besonders interessanter Fall. Neben ihren elf bereits etablierten Zeitungen weitet die Gruppe nun durch die Tageszeitung Extra mit derzeit 18 Lokalausgaben ihre Aktivitäten auf weitere Regionen aus.

Die Ergebnisse enthalten auch Indizien für die dominierende Rolle von Gratis- und Boulevardzeitungen, die überwiegend im Besitz derselben traditionellen Verlagsgruppen sind. Ferner zeigte sich ein Trend zum Bezahlfernsehen, das mehr als 50 Prozent des gesamten Fernsehkonsums ausmacht.

Der Media Ownership Monitor (MOM) Kolumbien untersuchte alle Arten von Massenmedien (Fernsehen, Radio, Print- und Internetmedien), die vom Estudio General de Medios 2014 erfasst wurden, der wichtigsten Publikumserhebung in dem südamerikanischen Land. Dabei konzentrierte sich der MOM auf die jeweils zehn größten Medien jeder Gattung. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag im Rahmen einer internationalen Konferenz in der Hauptstadt Bogotá vorgestellt und sind ab sofort auf der Webseite abrufbar.

„Medienvielfalt ist ein Grundpfeiler jeder pluralistischen und offenen Gesellschaft“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Deshalb ist eine starke Konzentration von Medienbesitz wie hier in Kolumbien eine Gefahr für Demokratie und Meinungsfreiheit.“ Dabei wies Mihr auch auf die schlechte Platzierung Kolumbiens auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen hin, auf der das Land Platz 128 von 180 Staaten einnimmt.

„Medienbesitz ist gleichbedeutend mit Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen“, sagte FECOLPER-Präsidentin Adriana Hurtado. „Jeder Bürger, der die Medien nutzt, sollte sich Gedanken darüber machen, wer welche Publikationen kontrolliert. Die Medien sind kein Markt wie jeder andere!“

VIELE MARKTDATEN WERDEN UNTER VERSCHLUSS GEHALTEN

„Unser Problem war der Mangel an öffentlich zugänglichen Marktdaten“, sagte ROG-Projektmanagerin Nina Ludewig. „In vielen Ländern sind solche Daten öffentlich, doch hier in Kolumbien scheinen sie wie ein Staatsgeheimnis gehütet zu werden.“ Mangelnde Transparenz erschwerte dem MOM-Team die Arbeit auch in anderen Bereichen wie den staatlichen Werbeausgaben. „Wir glauben, dass die Regierung jährlich mehr als 500 Milliarden Pesos (rund 150 Millionen Euro) ausgibt, um Sendezeit oder Platz in Zeitungen zu kaufen“, sagte FECOLPER-Präsidentin Hurtado. „Das sind riesige Subventionen, doch es bleibt überwiegend unklar, wohin das Geld fließt und welche Vereinbarungen dahinterstecken.“

„Angesichts der starken Medienkonzentration, aber auch der wirtschaftlichen und politischen Interessen der Medienbesitzer überrascht es nicht, dass der Journalismus in Kolumbien von verbreiteter Selbstzensur geprägt ist“, betonte ROG-Geschäftsführer Mihr. „Regierung und Gesetzgeber in Kolumbien sollten strenge und wirksame Regulierungsmaßnahmen ergreifen, um die Oligopole im Mediensektor aufzubrechen“.

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