Brasilien: Leben und Sterben auf der größten Mülldeponie in Lateinamerika

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Am Wochenende herrscht das Chaos, mehr als 2.000 Menschen durchwühlen die stinkenden Müllberge (Foto: GoV)
Datum: 08. November 2015
Uhrzeit: 15:42 Uhr
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In Brasilien gibt es über 2.000 aktive Mülldeponien und von den 200.000 Tonnen täglich produziertem Abfall werden nur 1,4 Prozent recycelt. Nur 15 Kilometer von der Hauptstadt Brasília entfernt liegt die größte Mülldeponie Lateinamerikas. Vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage die Woche wird die Deponie „Lixão do Jóquei“ gefüttert, auf einer Fläche von über 200 Hektar erreichen die Müllberge eine Höhe von mehr als 50 Metern und sind von den höchsten Gebäuden der Kernstadt (Verwaltungsregion Brasília) aus zu sehen. Per Gesetz wurde bereits im Jahr 2014 die Abschaffung von Mülldeponien festgeschrieben, der Bau von Recyclinghöfen angeordnet. Eine im Juli gesetzte Frist hat der Senat verlängert, das endgültige Ende für „Lixão do Jóquei“ soll der 31. Juli 2018 sein.

Dies führt zu Protesten bei der Bevölkerung rund um die Deponie. Rund 70 Prozent von ihnen hat einen direkten oder indirekten Bezug mit der Ablagerungsstätte, auf der täglich über 8.000 Tonnen Müll angeliefert werden. 600 Kommissionierer und Kommissioniererinnen arbeiten täglich vor Ort und sind unter den wachsamen Augen von Tausenden Geiern (Urubu) auf der Suche nach Karton, Metall und Kunststoff. Am Wochenende herrscht das Chaos, mehr als 2.000 Menschen durchwühlen die stinkenden Müllberge. Niemand ist privilegiert, alle folgen einem stillen Verhaltenskodex und versuchen sich in die beste Position zu bringen. Diese befindet sich direkt neben den ankommenden Müllfahrzeugen oder Müllverdichtern und Kompaktoren.

Diese Nähe von Mensch und Maschine hat ihren Preis. Es gibt unzählige Berichte von Verstümmelungen, Menschen werden unter Tonnen von Müll begraben oder von den Stampffüßen der riesigen Radlager regelrecht „untergepflügt“. Deshalb spielen Kinder eine strategische Rolle. Sie sind kleiner und leichter und können die Müllberge erklimmen, unter denen ihre Eltern begraben würden. „Kein Geier oder Hund würde seine Jungen in diese Kloake bringen – der Mensch ist zu allem fähig“, so Jelington Henrique de Azevedo, Beamter der Stadtreinigung.

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