Keine Umweltkatastrophe in Brasilien: Rio Doce wird in fünf Monaten „wiederbelebt“

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Die in den nächsten Tagen einsetzenden heftigen Regenfälle werden den Rio Doce waschen (Foto: BombeirosMinasGerais)
Datum: 28. November 2015
Uhrzeit: 13:52 Uhr
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Nach dem Dammbruch eines Auffangbeckens des Bergbauunternehmens „Samarco“ in Mariana (MG) hat sich Schlamm in einer Größenordnung von mehr als 25.000 olympischen Schwimmbecken in der Rio Doce ergossen. Viele Biologen bezeichnen den Fluss als „momentan tot“, innerhalb der nächsten fünf Monate soll sich die Situation allerdings „bereinigen“. Diese Meinung vertritt Paulo Rosman, Professor für Küsteningenieurwesen am Institut „Instituto Alberto Luiz Coimbra de Pós-Graduação e Pesquisa de Engenharia“ (COPPE/UFRJ) der Universität von Rio de Janeiro. Rosman ist der Autor einer Studie, die das Umweltministerium zur Erforschung der Auswirkungen und zum Ausmaß des vermeintlichen Super-GAU in Auftrag gegeben hat.

Obwohl Experten „vernichtende“ Prognosen über die katastrophalen Schäden vor allem im Meeresschutzgebiet von Abrolhos, im Süden von Bahia, bekannt gaben, spricht Rosman von „vernachlässigbaren Auswirkungen“. Nach seinen Worten verteilt sich der Schlamm im Mündungsgebiet auf maximal neun Kilometer und wird in wenigen Tagen absorbiert sein und sich auflösen. Für ihn gibt es drei verschiedene Szenarien hinsichtlich der Schwere der Katastrophe und der „Wiederherstellungsgeschwindigkeit“. An der Spitze, wo der Damm brach, sollte es mehr als ein Jahr dauern, bis die „Normalität“ wieder hergestellt ist. Dies ist abhängig von der Geschwindigkeit der Aufräumarbeiten und einem Wiederaufforstungsprogramm.

Seine optimistische Prognose entlang des Flusslaufs des Rio Doce bezieht sich vor allem auf die bis Januar nächsten Jahres einsetzende Regenzeit. Dadurch würde der Fluss sehr schnell gereinigt und die bereits eingespülten Sedimente im Mündungsgebiet würden sich sehr schnell verdünnen. Rosman warnt davor, sich von emotionalen Visionen leiden zu lassen. Die aktuelle Situation müsse sachlich beurteilt werden. „Es ist richtig, dass die Indigenen unter dem ‚Tod des Flusses‘ leiden. Die Wahrheit ist aber auch, dass sich der Rio Doce sehr schnell wieder erholen wird und wir werden in der Lage sein, dies zu beweisen. Die in den nächsten Tagen einsetzenden heftigen Regenfälle werden den Rio Doce waschen – ein ganz natürlicher Prozess“, so Rosman.

Der Wissenschaftler geht auch auf die Meinung/Analysen von verschiedenen „Experten“ ein, die von einem „Umwelt-Tsunami“ und „Brasiliens Fukushima“ sprechen. Er weist darauf hin, dass dieser Personenkreis nicht aus der Gegend/Region kommt und trotzdem „verheerende Vorhersagen über die Toxizität dieses Materials“ von sich gibt. Geologen der Region würden wissen, dass die aus/eingeschwemmten Materialien eine niedrige Toxizität aufweisen. „Bei den Analysen einiger Menschen könnte man meinen, dass in der Region etwas radioaktives ausgetreten ist – ein Umweltgift, das alles töten wird und nie wieder aus dem Boden verschwinden wird. Dies ist definitiv nicht der Fall“.

Die brasilianische Regierung bekräftigte am Samstag (28.), dass es kein toxisches Material innerhalb des Beckens des Rio Doce gibt. Brasília verweist auf das Geologieinstitut „Serviço Geológico do Brasil“ (CPRM). Dies gab am Donnerstag (26.) bekannt, dass es keine Erhöhung der Schwermetalle im Fluss gibt. Demnach wurden nach dem Unfall (zwischen dem 14. und 18. November) 40 Wasser/Sediment-Proben aus dem Fluss entnommen. Im Vergleich zu Daten aus dem Jahr 2010 wurde keine Erhöhung der Schwermetalle festgestellt. Laut „CPRM“ gibt es „keinen Hinweis darauf, dass der Schlamm im Rio Doce toxische Schwermetalle enthält“. Die gesammelten Ergebnisse belegen allerdings, dass es eine „Zunahme an suspendierten Feststoffen“ (Trübung) gibt, die deutlich über den Werten von 2010 liegen. Ebenfalls konnte eine „signifikante Abnahme der Menge an gelöstem Sauerstoff im Wasser“ gemessen werden, worauf „das Fischsterben zurückzuführen ist“.

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