Zika-Virus in Lateinamerika: Brasilien im Krieg gegen Aedes aegypti

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Rund 41% der Abfälle wie Spielzeug, Flaschen, Teller, Gläser, Glasscherben, Plastiktüten - ideale Brutstätten des Aedes aegypti - werden auf unkontrollierte Müll-Deponien gekippt (Foto: Ministerio de Saude)
Datum: 27. Januar 2016
Uhrzeit: 14:17 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Verbreitung der Denguemücke Aedes aegypti scheint unvermeidlich. Die Stechmücke ist der hauptsächliche Überträger von Gelbfieber, Dengue-Fieber und einigen anderen Viruserkrankungen. Knapp ein Jahr nach dem Auftauchen in Brasilien bekämpfen fast alle Länder Lateinamerikas und der Karibik das Zika-Virus. Es steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen auszulösen, aber auch mit anderen Erkrankungen wird es in Zusammenhang gebracht. Das Versagen der Behörden wird besonders im südamerikanischen Land Brasilien deutlich. „Seit 30 Jahren gibt es diese Moskitos im Land und wir haben es nicht geschafft, sie zu eliminieren“, betont Gesundheitsminister Marcelo Castro und weist darauf hin, „dass wir diesen Krieg verlieren könnten“.

Die Zahl der mit dem Dengue-Virus infizierten Personen ist innerhalb Brasiliens in einem Jahr um 180% auf 1.600.000 im Jahr 2015 gewachsen. Noch weitaus schlimmer ist das Zika-Virus – verantwortlich für Mikrozephalie bei Neugeborenen. Wurden im Jahr 2014 „nur“ 147 Fälle registriert, liegt die Zahl Anfang 2016 bei 3.893 Fällen und spiegelt das Ausmaß der Tragödie im größten Land Lateinamerikas. Korruption und Unvermögen sind hausgemachte Probleme, ebenfalls die Gleichgültigkeit und Vernachlässigung bei der Bekämpfung der Ursachen für die Verbreitung der Denguemücke.

Brasilien hat eine der am schnellsten wachsenden Urbanisierungsprozesse weltweit. In den letzten 60 Jahren zog zwei Drittel der Landbevölkerung in die Stadt. Im Jahr 1940 lebten 69% der Brasilianer in ländlichen Gebieten, im Jahr 2010 nur noch 16% (im Hauptstadtdistrikt leben sogar 95% der Einwohner in Städten) Der demografische Wandel erfordert eine Änderung der öffentlichen Ordnung, was allerdings nur unzureichend passiert ist. Das moderne Leben produziert Abfälle, die Bedeutung der Abwasserentsorgung – regelmäßige Wasserversorgung und regelmäßige Sammlung von Abfällen – ist grundlegend.

Regelmäßige Umfragen verschiedener Umwelt-Institute belegen die Gleichgültigkeit und Vernachlässigung dieses Problems sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den lokalen Regierungen. Nicht weniger als 38% der Bevölkerung sind der Möglichkeit zur Behandlung der Abwässer und Entsorgung von festen Abfällen beraubt. Rund 41% der Abfälle wie Spielzeug, Flaschen, Teller, Gläser, Glasscherben, Plastiktüten – ideale Brutstätten des Aedes aegypti – werden auf unkontrollierte Müll-Deponien gekippt, die oftmals in Sichtweite liegen (die Menschen in der Hauptstadt Brasília leben nur wenige Kilometer von einer gigantischen Müll-Kippe entfernt).

Die Zahl der Dengue-Fälle erreicht in Brasilien Jahr für Jahr epidemische Zahlen. Sie sind das Ergebnis der Regenzeit und so sicher, wie zwei mal zwei vier ist. Wasser, das sich in den Pfützen, Schrott, Abfall oder Haushaltsbehältern sammelt, bietet die Voraussetzungen für die Verbreitung der Mücke. Zahlreiche Organisationen rufen die Regierung zu mehr Effektivität auf, eine „Zusammenarbeit mit der Bevölkerung im Krieg gegen Aedes aegypti“ wird gefordert. Es muss unbedingt vermieden werden, dass „noch mehr Babys mit eingeschränkter Zukunft geboren werden“.

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