Zika-Virus und Abtreibungen in Brasilien: „Mikrozephalie ist keine Krankheit“

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Ana Carolina Caceres hat gerade ihr Journalismus-Studium abgeschlossen (Fotos: Facebook)
Datum: 02. Februar 2016
Uhrzeit: 14:35 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
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Das sich in Lateinamerika und der Karibik ausbreitende Zika-Virus steht im Verdacht, Fehlbildungen im Mutterleib auszulösen. Zika gilt als Verwandter des weit verbreiteten Dengue-Fiebers, einen Impfstoff gibt es nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag (1.) die Ausbreitung des Erregers als globalen Gesundheitsnotstand eingestuft. In Brasilien, dem bisher am stärksten betroffenen Land, gehen die Behörden von bis zu 1,5 Millionen Verdachtsfällen aus. Erst in sechs Fällen von Mikrozephalie konnte definitiv nachgewiesen werden, dass sich die Frauen zuvor mit Zika infiziert hatten. Diese Tatsache ändert allerdings nicht daran, dass immer mehr Frauen, die sich mit Zika infiziert haben, eine anonyme Abtreibung erwägen. Abtreibungen sind im südamerikanischen Land illegal. Ausnahmen sind nur möglich, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, das Kind keine Überlebenschance hat oder die Mutter Opfer einer Vergewaltigung war und die Schwangerschaft noch nicht die 20. Woche überschritten hat. Letzte Woche hat die Nachricht über eine Aktion, die für die Freigabe der Abtreibung in Fällen von Mikrozephalie vor dem Obersten Gerichtshof (STF) wirbt, für viel Widerhall bei den Eltern von mit Mikrozephalie geborenen Kindern gesorgt. Die in Campo Grande (MS) geborene Ana Carolina Caceres zeigte sich empört: die 24-jährige wurde mit der Entwicklungsbesonderheit geboren und hat gerade ihr Journalismus-Studium abgeschlossen.

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„Als ich den Bericht über die Aktion für eine Legalisierung der Abtreibung im Falle von Mikrozephalie vor dem Obersten Gerichtshof (STF) gelesen habe, nahm ich dies persönlich. Ich fühlte mich beleidigt und angegriffen. An dem Tag, als ich geboren wurde, gaben mir die Mediziner keine Chance zu überleben. Ich habe Mikrozephalie, die Größe meines Schädels liegt unter dem Durchschnitt. Alle Ärzte gingen davon aus, dass ich im Laufe der Zeit in einen vegetativen Zustand falle und sterbe. Wie viele andere Menschen auch haben sie sich geirrt. Ich wuchs auf, ging zur Schule und schrieb mich an einer Universität ein. Heute bin ich Journalistin und betreibe einen Blog. Ich gebe den an Mikrozephalie leidenden Personen eine Stimme und werde in Kürze ein Buch schreiben. Mikrozephalie ist keine Krankheit, oder? Es ist ein Syndrom! Mit der Explosion der Fälle in Brasilien steigt der Informationsbedarf und eine Menge Leute müssen ihre Vorurteile überwinden – der Minister für Gesundheit zum Beispiel. Er spricht bereits von einer Generation von Folgeerkrankungen wegen Mikrozephalie. In Wahrheit gibt es viele Menschen mit Mikrozephalie die arbeiten, studieren und ganz normale Dinge tun. Ich beginne in Kürze Englisch, Französisch und Japanisch zu studieren. Danach Mandarin, Russisch und Deutsch“, erklärt Ana Carolina in einem Interview mit „BBC Brasil“.

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  1. 1
    Caramba

    Uuuund ausserdem ist der Verdacht noch nicht bewiesen.
    Sollte die vermehrte Mikrozephalie doch andere Ursachen haben, ist Zika an sich relativ harmlos, deutlich harmloser als Dengue.
    Stand 30. Januar gibt es nur „deutliche Zusammenhänge“ aber keinen Beweis, und obwohl das Virus seit den 1940ern bekannt ist, ist der Zusammenhang erstmals in Brasilien 2015 aufgefallen.
    Also, Schwangere, nicht gleich durchdrehen, erst mal abwarten oder wenigstens ein eindeutiges Ultraschall machen, bevor ihr euer Kind wg Panik abtreibt……

  2. Abwarten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, war noch nie empfehlenswert. Es aber vorsorglich hineinzuwerfen ist absurd und kriminell.

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