Ecuador: Botschafter Jorge Jurado im Gespräch mit Agência latinapress

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Seit 14. März 2011 ist Jorge Enrique Jurado Mosquera Botschafter seines Landes in Berlin (Foto: EmbajadaEcuDEU)
Datum: 16. Februar 2016
Uhrzeit: 17:33 Uhr
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Am Montag (15.) hat in der ecuadorianischen Botschaft in Berlin die Präsentation “Ecuador – Reiseziel 2016“ stattgefunden. Handelsattaché Francisco Salgado stellte die neuesten, spannungsvollen und renommiertesten Reiseziele im südamerikanischen Land sowie die modernisierte touristische Infrastruktur vor. Mit einer interessanten Präsentation informierte er über Bilanzen und Perspektiven und lobte das Interesse der Deutschen für sein Land. Ecuadors Botschafter in Deutschland, Jorge Jurado, konnte an diesem Abend seine Gäste nicht persönlich begrüßen. Agência latinapress hatte die Gelegenheit, telefonisch mit Jurado zu sprechen und stellt ihn in einem Kurzporträt vor:

Ecuadors Botschafter Jorge Jurado ist ein sehr beschäftigter Mann. Denn nicht nur Deutschland ist sein Wirkungsbereich, sondern auch Belgien, Luxemburg, die Tschechische Republik, und gerade ist Polen dazugekommen. ‚Nebenakkreditierungen’ nennt man das in der Diplomatensprache. Auf dem Weg nach Warschau sieht der Botschafter neuen, interessanten Herausforderungen entgegen. Sein Besuch ist eine Premiere und er sei sehr gespannt auf die erste Zusammenkunft mit Präsident Andrzej Duda. Angesprochen auf den Rechtsruck der polnischen Politik, ist Jorge Jurado ganz Diplomat: er werde sich selbst ein Bild machen und eine Meinung bilden, wie das Land die vor ihm stehenden Aufgaben in Angriff nähme. Ecuador habe immer gute Beziehungen zu Polen gehabt, und diese weiter zu pflegen und zu entwickeln, darin sehe er seinen Beitrag. Ecuador, das Polens Technologien schätzt, sei sehr interessiert an einer Kooperation im Bildungsbereich und hoffe, in Zukunft Stipendiaten nach Polen schicken zu können. Natürlich, so der Botschafter, werde zu seinen ersten Aufgaben der Kontakt zu den im Lande lebenden Ecuadorianern gehören. Die genaue Zahl sei nicht bekannt; Jorge Jurado schätzt sie auf 250 bis 500, abgesehen von den polnisch-ecuadorianischen Familien, die seit langem in Polen ansässig sind. Auf jeden Fall sei er sehr neugierig. Er habe immer ein großes Interesse an Geschichte und Kultur Mittel- und Zentraleuropas gehabt.

Jurado ist nicht nur ein sehr beschäftigter, sondern auch ein vielseitig interessierter Mann – an Umwelt, Kunst, Politik und Ökonomie, Philosophie und Tourismus, als Profi und als Liebhaber. Er folgt Einladungen zu Foren, Konferenzen und Diskussionsrunden. Auf die Frage, wie er das denn alles schaffe, weicht er freundlich lachend aus: also in acht Stunden Arbeitszeit ganz sicher nicht… Die Biografie des Diplomaten liest sich fast wie die eines Umweltaktivisten – im umfassenden Sinne: ausgestattet mit einem Ingenieur-Diplom in Energie- und Verfahrenstechnik der FU Berlin, spezialisiert auf die energetische Umwandlung von Biomasse und im Besitz zusätzlicher Kenntnisse der Mineralogie, wurde er 1988 Abteilungsleiter und 1995 Direktor des Umwelt-Ressorts der Stadtverwaltung der Hauptstadt Quito. In dieser Funktion leitete er nicht nur wichtige umweltpolitische Maßnahmen für seine Stadt ein, sondern wurde zum Vorreiter für die Planung und Durchsetzung einer Politik der Nachhaltigkeit im Lande.

Revolutionierend war auch seine Tätigkeit als Leiter der Umweltkoordination in der Nationalen Finanzkörperschaft, in der er Finanz- und Umweltpolitik miteinander verband und Verfahren entwickelte, um Investitionsprojekte mit den Umweltanforderungen in Einklang zu bringen. Jorge Jurado war aktiv in vielen Kommissionen und Ausschüssen zur Entwicklung von Umweltstrategien in Landwirtschaft und Bergbau. Als Staatssekretär im Bergbauministerium (Januar bis Juli 2007) setzte er sich für eine dringende Reform des Bergbaugesetzes zum des paläontologischen Erbes sowie einen nachhaltigen Abbau von Bodenschätzen ein.

Bevor Jorge Jurado zum Botschafter berufen wurde, initiierte er als Minister tiefgreifende Veränderungen auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft. Ecuador ist damit weltweit führend in der Anerkennung und Nutzung des Wassers als fundamentales und konstitutionell verbrieftes Menschenrecht und präsentiert seine Erfahrungen in internationalen Gremien. Als Experte auf diesem Gebiet begrüße er das größte Wasserprojekt namens Dauvín (nach den beiden Flüssen Daule und Vinces benannt), das Landwirtschaft und Bevölkerung in den Küstenregionen Gayas und Los Ríos vor Überschwemmungen schützen und mit Trinkwasser versorgen soll. Etwa 180.000 Menschen profitierten direkt davon, weitere 200.000 durch die Bewässerung. Das Nachhaltige daran: ein System, das ohne Staudämme auskommt.

Dieser Bericht bezieht sich auf:

Jorge Jurados Interesse am Tourismus dürfte also als folgerichtig bezeichnet werden, denn auch auf diesem Gebiet setzt Ecuador auf Nachhaltigkeit – seit etwa sechs Jahren und weltweit führend. Sicherlich, so der Botschafter, biete Massentourismus viele Entwicklungsmöglichkeiten, gehe jedoch erfahrungsgemäß auch mit erheblichen negativen Auswirkungen einher. Daher habe sich Ecuador entschieden, mit seiner Biodiversität zu werben. Eine Strategie, die aufzugehen scheint. Auch dank der ambitionierten Kampagne „All you need is Ecuador“ konnte die Tourismusbranche einen Zuwachs von 20-25% melden. Ein viel versprechendes Fundament für einen nachhaltigen Erfolg. ‚Feel again’ – dieses Motto sei für die kommende ITB angedacht – soll zu weiteren Besuchen inspirieren.

Bei deutschen Touristen ist die ‚Avenida de los Vocanes’ – die ‚Vulkanallee’ auf den Spuren Alexander v. Humboldts sehr beliebt, aber Botschafter Jurado empfiehlt auch, den ‚vier Welten’ seines Landes – der Küsten- und der Andenregion, dem Amazonas-Gebiet und den Galapagos-Inseln – auf einer Route zu folgen. Ecuador sei ein kompaktes Land, das man in sehr kurzer Zeit bereisen könne. Aber Ecuador ist nicht nur ein kompaktes, sondern auch eines der sichersten Länder Südamerikas; nach Chile und Argentinien steht es an dritter Stelle (im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz verbessert) und an zweiter in der Region hinter Nicaragua. In Guayaquil, noch vor ein paar Jahren eine der gefährlichsten Hafenstädte, können sich heute nicht nur Touristen, sondern auch die Bewohner sicherer fühlen. Das Staatsbürger-Sicherheitsmodell, das Botschafter Jurado als eine der größten Investitionen bezeichnet, beinhalte Präventionsstrategien, von denen nicht nur Touristen profitierten und somit auch bei der Bevölkerung mehr Interesse und Verständnis für die Bedeutung des Tourismus weckten; nicht nur durch Aufstockung der Polizeikräfte, sondern vor allem durch bessere Infrastruktur, auch bei der Justiz, Verminderung der Korruption etc. Das Modell beschränke sich nicht auf die Bekämpfung von Kriminalität, sondern beinhalte alles, was zur Sicherheit gehöre, z. B. Maßnahmen zum Schutze bei Vulkanausbrüchen oder den Auswirkungen des El-Niño- Phänomens. So habe das Land auch seit Monaten Vorbereitungen getroffen, um der Ausbreitung der Zika-Infektionen entgegenzuwirken. Die registrierten Fälle seien im Vergleich zur Größe der gefährdeten Gebiete relativ gering. Sicher sei Vorsicht geboten, aber es bestehe kein Grund, deshalb auf eine Reise nach Ecuador zu verzichten.

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