Venezuela – Bolivien: Die unendliche Geschichte des Nicolás Maduro

madurito

Präsident Maduro lebt in seiner eigenen Welt (Foto: Archiv)
Datum: 24. Februar 2016
Uhrzeit: 16:44 Uhr
Ressorts: Bolivien, Venezuela
Leserecho: 7 Kommentare
Autor: Redaktion
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Boliviens Präsident Morales hat das Referendum über eine vierte Amtszeit verloren und darf zur Wahl 2020 nicht mehr antreten. Seine Niederlage hat das erste indigene Staatsoberhaupt des südamerikanischen Binnenstaates allerdings noch nicht eingeräumt, dafür meldete sich Venezuelas regierender Ex-Busfahrer zu Wort. Präsident Maduro ist bekannt dafür, eigenes Unvermögen und den sich drohenden Staatsbankrott stets auf externe Faktoren zurückzuführen. Nach seinen Phantasien steht Venezuela im Krieg mit der Weltmacht USA. Diese versuche, den „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“ mit möglichst niedrigen Ölpreisen in den Ruin zu treiben.

Maduro lebt in seiner eigenen Welt und hat deshalb noch immer nicht erkannt, dass sich die Schuldsuche im Ausland innenpolitisch nicht mehr gut verkaufen lässt. Bei den Kongresswahlen am 6. Dezember 2015 hat das linkspopulistische Regime nach 16 Jahren einen kräftigen Dämpfer erlitten, das Volk ließ sich nicht länger für dumm verkaufen und hat die falsche Wirtschafts-, Geld- und Finanzpolitik abgestraft. Am Dienstagabend (22.) Ortszeit sprach Maduro von einer Verleumdungskampagne gegen Evo Morales, die dessen Ruf beschädigte und die Volksabstimmung beeinträchtigte. „Evo Morales ist der ehrlichste Führer den ich je getroffen habe. Das Imperium will alle unabhängigen und fortschrittlichen Prozesse in Lateinamerika zerstören. Sie wollen Evo und das Projekt der indigenen Völker von Bolivien zerstören“, so Maduro im staatlichen Fernsehen.

Die „Ehrlichkeit“ von Morales hatte der Journalist Carlos Valverde aufgedeckt und darüber berichtet, dass in der Führungsetage des chinesischen Unternehmens CAMC die 28-jährige Ex-Freundin von Morales sitzt. Mit dem Unternehmen soll die bolivianische Regierung Verträge in einem Wert von umgerechnet mehr als einer halben Milliarde Euro abgeschlossen haben – zumeist ohne Ausschreibung. Morales hatte mit Gabriela Zapata Montaño einen gemeinsamen Sohn, der im Jahr 2007 starb. Mehrfach beteuerte Morales, Zapata in den letzten Jahren nicht mehr gesehen zu haben und wollte damit einen möglichen Korruptionsverdacht ausräumen. Im Internet tauchte allerdings ein Foto auf, das Morales mit ihr zusammen auf dem Karneval von Oruro zeigte. Die Jungunternehmerin ohne Berufsabschluss lebt in einer Villa in einem der reichsten Viertel von La Paz und ist das sichtbarste Beispiel dafür, dass sich im Umfeld der Regierungspartei schon längt eine neue Bourgeoisie etabliert hat.

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  1. 1
    Caramba

    Das ist Südamerika, Leute.
    Egal welches politische Lager, das Spiel bleibt dasselbe.
    Und leider ist die Deutschland AG mit Fr. Vorstandsvorsitzender Merkel auch nicht mehr so 100% lupenrein demokratisch…..obwohl, das fing schon vor ihr an, wenn ich an die heutigen Posten ehemaliger Top-Politiker denke.

    • 1.1
      Martin Bauer

      Das Thema illegale Geschäfte von Regierungsmitgliederndern der BRD gleich welcher Partei, angefangen mit den „Ostgeschäften“ über Protektion der Energie-Mafia bis zu illegalen Waffenexporten, würde ich nicht öffentlich diskutieren wollen. Dazu hänge ich zu sehr am Leben. Eher lege ich mit mit Halunken in Lateinamerika an.

  2. 2
    kefchen

    mich wuerde mal interessieren, wie Venezuela nach maduro wieder auf die beine kommen soll?
    die ehemalige DDR hat bis heute 2,5 Billionen Steuergelder für den wiederaufbau bekommen.
    wer gibt Venezuela Kredite und wie lange soll der wiederaufbau dauern, in diesen korrupten land?

    • 2.1
      Martin Bauer

      In Anbetracht der natürlichen Ressourcen des Landes könnte dies in Venezuela ganz schnell gehen. Und damit meine ich nicht, dass man zu dem in Lateinamerika üblichen Standard zurück kehrt, mit seinen mittelalterlichen Strukturen und Werten, der manifestierten Abhängigkeit von U.S. Firmen, zu totaler Korruption und Vetternwirtschaft innerhalb kleiner, elitärer Kreise, bei systematischer dumm Haltung der Masse der Bevölkerung. Ich meine andere, radikalere Wege, wie sie z.T. arabische Staaten gehen.

      Als Erstes Entzug aller Konzessionen und Anulierung schädlicher Verträge, welche unter Chávez und Maduro „Freunden der Revolution“ und Kreditgebern aus dem Ausland zugestanden wurden. Insbesondere denke ich hier an Chinesen, Russen und Iraner. Venezuelas Schätze müssen wieder den Venezolanern gehören!

      Dann Errichtung einer Kette von Freihandelszonen im dichtbesiedelten Norden, die mit exzellenter Infrastruktur ausgestattet und miteinander verbunden sind. Dies schafft kurzfristig Arbeitsplätze beim Bau und nachhaltig durch die notwendige Instandhaltung und vor allem die hier angesiedelten Firmen. – Innerhalb der Freihandelszone erzielte Gewinne sind steuerfrei, müssen aber zu 30-40% im Land, ausserhalb der Freihandelszonen, re-investiert werden. Der Rest ist frei von Auflagen. Dies fördert mittel- und langfristig den Aufbau einer breiten und gesunden Wirtschaft in allen Landesteilen, schafft hohe Steuereinnahmen, als finanzielle Basis für Ausbau von Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitswesen und mehr.

      Parallel dazu Aufbau von, nach Weltstandard, vorbildlicher Schulen und Universitäten. Letztere sollten so attraktiv sein, dass Studenten und Professoren aus der ganzen Welt sich darum reissen, hier forschen, lehren und lernen zu dürfen. Warum sollte nicht in den schönsten Gegenden des Landes, wie Puerto de la Cruz, Margarita und andere Karibikinseln, hypermoderne Zentren für Forschung, Lehre und HighTech Firmen entstehen? Selbst Bayern hat Ähnliches in nur wenigen Jahren geschafft!

      Viele andere Probleme würden sich mit wachsendem Wohlstand und besserer Bildung von alleine erledigen. Allerdings sehe ich einen unüberwindlichen, mächtigen Feind für die Verwirklichung solcher Pläne: Der grenzenlose, kurzsichtige Egoismus vieler Lateinamerikaner! Politiker der Opposition, mit denen ich über solche Vorstellungen sprach, zeigten sich begeistert. Dann aber fragte mich einer unter vier Augen, ob man das Ganze nicht abwandeln könne, nur auf kommunaler Ebene. Er dachte natürlich an SEINE Kommune, so dass ER und seine Familie zum Zuge kämen. Ein anderer wollte sich gleich den Kontrakt zum Bau einer Autobahn sichern und für deren Instandhaltung, obwohl den niemand zu vergeben hatte! Keiner verstand, dass alles nur als Gesamtkonzept auf nationaler Ebene funktionieren kann und dann jedem von ihnen und ihren Sippen mehr Vorteile bescheren würde, als die Krümel aus mickriger Vetternwirtschaft. Mit solchen Leuten gewinnt man nichts! Sie sind der wahre Fluch Lateinamerikas. Ob da jemals eine neue Generation mit mehr Weitsicht zum Zuge kommt?

      • 2.1.1
        Caramba

        Bin vollkommen einverstanden, aber das „selbst Bayern…..“ muss ich jetzt schon kommentieren. Was soll das denn heissen? Ich bin Bayer……;)
        „Der grenzenlose, kurzsichtige Egoismus vieler Lateinamerikaner“ ist ein Erbe der Spanier, und in Spanien ein fast ebenso grosses Problem wie in Südamerika. So funktionierte das feudale System…..man „kaufte“ für sich einen „lukrativen“ Posten als Alcalde oder Commandante und musste dann natürlich alles rausquetschen, um den erforderlichen Tribut zu entrichten. Dann besetzte man alle verfügbaren Posten mit Verwandten – einerseits aufgrund der Verpflichtung gegenüber der Familie, die gleich nach Gott und noch vor dem König kam/kommt und andererseits als Absicherung, denn nicht selten endete das „Ausquetschen“ des anvertrauten Postens im Gefägnis – wenn sich der König vom Co-Betrüger betrogen fühlte, zum Beispiel. Dann brauchte man den Einfluss der Familienmitglieder auf ihren Posten……
        Das haben die Spanier ein paar hundert Jahre so praktiziert, kein Wunder, dass es in Südamerika heute noch so läuft. Der Unterschied zwischen ehemals englischen und ehemals spanischen Ländern ist eklatant genug……
        Ich habe trotzdem noch Hoffnung für die neue Generation, ich habe in Venezuela etliche viel versprechende, offene, gut ausgebildete junge Studenten getroffen – aber leicht wird das nicht.
        Als erstes müssen die Venezolaner immer noch die Chavistas zum Teufel jagen…….

      • 2.1.2
        Martin Bauer

        Hihihi! Diese kleine Spitze (Selbst Bayern…) konnte ich mir als Frankfurter nicht verkneifen. War mir klar, dass dies nicht ungehört verhallt, ist aber nicht bös gemeint. – Bayern war Jahrzehnte lang eines der armen Nehmerländer, von Hessen und Baden-Würtemberg subventioniert. Die Investition hat sich für die Föderation gelohnt. Bayern ist wirtschaftlich aufgestiegen, dank geschickter Politik seiner Landesregierung und zahlt längst selber kräftig Subventionen an andere.

        Mit den Spaniern hast du zu 100% Recht. Frag mal meine Frau als gebürtige Venezolanerin zu ihrer Meinung dazu! Sie sagt, mit jedem anderen Volk als ehemalige Kolonialherren ginge es Venezuela heute tausendmal besser und alles wäre sauberer. – Mit dem „sauberer“ hat sie ganz bestimmt Recht! Man brauch nur die Grenze von Portugal in Richtung Spanien zu überschreiten, und schon ist die Landschaft zugemüllt. Und das ewige „No hay!“ hört man selbst in spanischen Restaurants in Deutschland. Das liegt denen im Blut. Allerdings kann ich nicht erkennen, dass die Korruption in Brasilien weniger ausgeprägt wäre, als bei den spanischstämmigen Nachbarn..

  3. 3
    don ewaldo

    Martin Bauer,du hast es erkannt,in die Südamerikanische Denkweise kann man sich nur als Insider etwas !! , einklinken,aber,es ist machbar,getreu der Devise,Jedem das seine,mir das meiste ! oder :
    Jeder denkt an sich,nur ich denke an mich !!!
    Aber,besser als bei uns wirds allemal klappen,die Infrastruktur und der gewachsene Reichtum wirds richten.Plus die Mentalität…. der Latinos .

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