Lateinamerika: Karibik: EU unterstützt Zika-Forschung mit 10 Millionen Euro

verzweifelt

Schädelfehlbildungen bei Babys (Mikrozephalie) werden mit dem Zika-Virus in Verbindung gebracht (Foto: Reprodução / TV Mirante)
Datum: 15. März 2016
Uhrzeit: 12:42 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (15.) zehn Millionen Euro für die Erforschung des Zika-Virus bereitgestellt. Der Virus sucht gegenwärtig weite Teile Lateinamerikas heim, am stärksten betroffen ist Brasilien, wo in letzter Zeit gehäuft Fälle von schwerer Mikrozephalie (Schädelfehlbildungen) bei Neugeborenen auftreten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht möglicherweise ein Zusammenhang mit dem Zika-Virus. Zwar ist das Risiko der Übertragung des Virus in der EU gering, aber es gibt derzeit keine Behandlung oder Impfung gegen das Virus und Diagnosetests stehen oft nicht zur Verfügung.

Die Mittel aus dem Förderprogramm der EU für Forschung und Innovation „Horizont 2020“werden in Projekte fließen, die zunächst den Zusammenhang zwischen dem Virus und den beobachteten schweren Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen nachweisen sollen. Bestätigt sich dieser Zusammenhang, können die Forscher die Bekämpfung des Zika-Virus in Angriff nehmen, unter anderem indem sie Diagnosemethoden entwickeln und mögliche Behandlungen und Impfstoffe erproben.

Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, erklärte dazu: „Diese Mittel ermöglichen dringend benötigte Forschungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Zika-Virus, der eine neue globale Gesundheitsgefahr darstellt. Damit zeigen wir einmal mehr, dass wir darauf vorbereitet sind, neuen Epidemien wie dem Zika-Fieber durch rasche und effektive Forschung zu begegnen.“ Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, fügte hinzu: „Einige EU-Bürger sind aus den betroffenen Gebieten mit einer Zika-Infektion zurückgekehrt. Die Kommission beobachtet die Situation aufmerksam und arbeitet angesichts des herannahenden Sommers eng mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, der WHO und den Mitgliedstaaten zusammen. Sie tut alles Notwendige, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Viruserkrankung aufeinander abgestimmt sind und gut koordiniert werden.“

Celso Pansera, der brasilianische Minister für Wissenschaft, Technologie und Innovation, stellte fest: „Die Partnerschaft mit der Europäischen Union bei der Erforschung des Zika-Virus leistet einen entscheidenden Beitrag zur Unterstützung der brasilianischen Forscher bei der Bekämpfung der Epidemien, die unser Land heimsuchen. Außerdem schafft die Initiative Anreize für Forschung und Technologie zum Nutzen der Bevölkerung in der ganzen Welt.“

Gleichzeitig werden verschiedene andere Forschungsinitiativen ergänzt, die derzeit im Rahmen von Horizont 2020 finanziert werden und zur Zika-Bekämpfung beitragen können. Eine dieser Initiativen ist eine Aufforderung zur Einreichung von Forschungsvorschlägen (40 Mio. EUR) für die Entwicklung von Impfstoffen zur Bekämpfung von Malaria und wenig beachteten Infektionskrankheiten, zu denen auch das Zika-Fieber gehört. Weitere 10 Mio. EUR, die für Forschungsinfrastrukturen für die Kontrolle von vektorübertragenen Krankheiten vorgesehen sind, könnten viel zur Bekämpfung der Stechmücken beitragen, die den Zika-Virus und einige andere häufige Krankheiten übertragen. Darüber hinaus beteiligt sich die EU an der Finanzierung von Forschungsvorhaben im Bereich der Prävention von Infektionskrankheiten in Lateinamerika und der Karibik im Rahmen des Programms ERANET.

Hintergrund
Das Zika-Fieber wird – wie das Dengue-Fieber, das Gelbfieber und das West-Nil-Fieber – durch Stechmücken übertragen. Bis vor kurzem ging man nicht davon aus, dass die Infektion mit schweren Symptomen einhergeht. Wegen der raschen Ausbreitung des Virus in der letzten Zeit wird nun jedoch ein Zusammenhang mit der plötzlichen Zunahme von Mikrozephalie bei Neugeborenen vermutet. Zudem wurden in letzter Zeit Fälle gemeldet, in denen bei Erwachsenen das Guillain-Barré-Syndrom – eine Art Lähmung – aufgetreten ist, und es besteht der Verdacht auf einen möglichen Zusammenhang mit dem Virus.

Diese von der EU geförderte Forschung dient der Untersuchung eines potenziellen Zusammenhangs zwischen dem Zika-Virus und der Mikrozephalie bei Neugeborenen sowie anderen neurologischen Komplikationen, die in Lateinamerika und Französisch-Polynesien beobachtet werden. Finanziert werden die Entwicklung von Diagnosemethoden und die Erprobung möglicher Behandlungen und Impfstoffe. Diese Forschungsmaßnahmen sollen dazu beitragen, die Gesundheitsbehörden bei der Eindämmung der Krankheit und bei der Verringerung der Risiken für Schwangere zu unterstützen. Insgesamt 41 Länder haben in den letzten neun Monaten Fälle von Zika-Infektionen gemeldet. Die fraglichen Länder befinden sich zum Großteil in Lateinamerika, wo zuvor noch nie Erkrankungen mit dem Erreger beobachtet wurden. Brasilien ist bisher am stärksten betroffen.

In den letzten Wochen wurde das Zika-Fieber in einigen Fällen nach Europa eingeschleppt und es wurde von Fällen sexueller Übertragung des Virus berichtet. Die Kommission arbeitet seit dem Ausbruch der Epidemie gemeinsam mit den Mitgliedstaaten an Vorsorgemaßnahmen und der Koordinierung des Risikomanagements. Dabei wird sie vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) unterstützt. Der Gesundheitssicherheitsausschuss der EU, der auf der Grundlage des Beschlusses des Europäischen Parlaments und des Rates zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren eingerichtet wurde, koordiniert den Informationsaustausch und die Vorsorgemaßnahmen. Das ECDC hat empfohlen, dass sich Schwangere und Frauen, die schwanger werden wollen, von ihrem Arzt beraten lassen sollten, wenn sie eine Reise in die betroffenen Gebiete planen, um das damit verbundene Risiko abzuwägen. Gegebenenfalls sollte eine Verschiebung der Reise in Erwägung gezogen werden. In der EU ist einer aktuellen Lagebewertung des ECDC zufolge das Risiko der Übertragung des Zika-Virus derzeit jedoch äußerst gering.

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