Lateinamerika: Überlebenschancen von Kindern sind ungleich verteilt

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Der kleine Krebspatient Olson wird im Kinderkrankenhaus St. Damien (Tabarre/Haiti) behandelt (Foto: nph)
Datum: 04. April 2016
Uhrzeit: 13:07 Uhr
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Autor: Redaktion
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In den letzten 25 Jahren konnte die Sterblichkeitsrate von Kindern um mehr als die Hälfte gesenkt werden – von 12,7 Millionen auf 5,9 Millionen Kinder jährlich. Doch noch immer sterben täglich 16.000 Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Zu diesen Ergebnissen kommt der Bericht „Levels & Trends in Child Mortality“, der Ende 2015 unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den Vereinten Nationen (UN) veröffentlicht wurde. Dabei stünden die Überlebenschancen der Kinder gar nicht schlecht, wenn sauberes Wasser, genügend Nahrung, Impfungen und eine gute medizinische Betreuung vorhanden wären. „In den meisten Entwicklungsländern ist die medizinische Versorgung sehr schlecht. Es gibt zu wenige Ärzte und vor allem Spezialisten sind rar“, sagt Heiko Seeger, Vorstand nph deutschland zum Weltgesundheitstag am 7. April. Das Karlsruher Kinderhilfswerk setzt sich in Lateinamerika für Verbesserungen im Gesundheitswesen ein.

Viele Kinder sterben an gut behandelbaren Krankheiten

In den Ländern des Südens sterben viele Babys, weil sie zu früh geboren werden oder Komplikationen während der Geburt auftreten. Krankheiten wie Lungenentzündungen, Durchfall, Malaria oder Unterernährung verursachen den Tod von Millionen von Kindern. Dabei sind diese Krankheiten sehr gut behandelbar. Wesentlich für die Überlebenschancen eines Kindes sind seine Herkunft und sein Wohnort: Wird ein Kind in einem Entwicklungsland in eine arme Familie hineingeboren oder wächst im ländlichen Raum auf, hat es ein wesentlich höheres Sterberisiko als ein Kind aus einer wohlhabenderen Familie oder ein Stadtkind. „Wenn bei einem Mädchen oder Jungen eine schwere Krankheit wie HIV oder Krebs diagnostiziert wird, kommt das in vielen Ländern Lateinamerikas oft schon einem Todesurteil gleich“, sagt Seeger.

Der kleine Olson kämpft gegen den Krebs

Der vierjährige Olson (Name geändert) stammt aus Jacmel, einer Kleinstadt, die rund drei Stunden westlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince liegt. Im März 2015 klagte er öfter über Bauchschmerzen. Nachdem ein ortsansässiger Arzt dem Jungen nicht helfen konnte, überwies er ihn ans Kinderkrankenhaus St. Damien. Glück im Unglück für Olson: Diese medizinische Einrichtung von nuestros pequeños hermanos (nph) ist das einzige Kinderkrankenhaus in Haiti, das über eine Kinderonkologie verfügt. Die Ärzte dort diagnostizierten bei Olson Krebs und leiteten umgehend die Behandlung ein. Von der Chemotherapie bekam der kleine Haitianer einige Nebenwirkungen wie Fieber und Erbrechen zu spüren. Doch inzwischen geht es ihm besser. Wenn der Rhabdoidtumor sich verkleinert hat, wird Olson zur Strahlenbehandlung ins Robert Reid Cabral-Kinderkrankenhaus in die Dominikanische Republik reisen. Eine Strahlentherapie gibt es in Haiti bislang nicht. Olsons Familie und die Ärzte sind zuversichtlich, dass er den Krebs besiegen wird.

nph setzt in Lateinamerika und der Karibik medizinische Standards

Das Kinderkrankenhaus St. Damien ist das medizinische Leuchtturmprojekt von nph. Der Neubau des Kinderkrankenhauses wurde 2006 eröffnet. Die Einrichtung feiert in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Die medizinische Einrichtung zählt zu den modernsten des Landes. Das Krankenhaus hat 213 Betten und verfügt über eine Notaufnahme, Operationssäle, eine Ambulanz, Stationen für Infektionskrankheiten, eine Cholera-Station, die Kinderkrebsstation, Kreissäle, eine Neonatologie, ein Labor und eine Zahnklinik. Mehr als 400 Ärzte und Schwestern kümmern sich um die 60.000 bis 90.000 kleinen Patienten pro Jahr. Rund 1.000 der Kinder sind Krebspatienten. Neben der Patientenversorgung und Bekämpfung der Kinder- und Müttersterblichkeit, setzt das Team des Kinderkrankenhauses den Fokus auch auf die Aus- und Weiterbildung. In Kooperation mit der haitianischen Universität Notre Dame D’Haiti und dem Bernard Mevs-Kinderkrankenhaus in Haiti bildet St. Damien Fachärzte für Pädiatrie aus. Dadurch wird die medizinische Versorgung im Land nachhaltig verbessert. Im Februar 2015 wurde die Onkologie in St. Damien als Mitglied in die Central American Paediatric Haematology-Oncology Association aufgenommen – eine Allianz pädiatrischer Onkologie-Stationen in Mittelamerika.

Neben dem Kinderkrankenhaus betreibt nph in Haiti weitere medizinische Einrichtungen wie die Frauenklinik Manitane, das St. Marie-Krankenhaus im Armenviertel Cité Soleil oder eine Choleraklinik für Erwachsene. Zudem trägt nph auch in Bolivien, der Dominikanischen Republik, Guatemala, El Salvador, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Peru zur Verbesserung der Gesundheitssituation bei – durch die Behandlung kranker Menschen in den medizinischen Einrichtungen von nph, Gesundheits- und Hygieneschulungen und die Ausbildung von Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern. 2015 behandelten die nph-Ärzte und Schwestern knapp 100.000 Patienten. Viele der Patienten wurden kostenlos oder gegen einen symbolischen Beitrag behandelt. nph unterstützt das Menschenrecht auf Gesundheit und medizinische Versorgung, doch das kostet Geld. Deshalb ist die Organisation auf Spenden angewiesen.

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