Lateinamerika: Vergessen? Verschwiegen? Verdrängt? – Puzzlearbeit in Brasilien

geld

Gigantischer Korruptionsskandal erschüttert Brasilien in seinen Grundfesten (Foto: PoliciaFederal)
Datum: 07. April 2016
Uhrzeit: 16:03 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
Autor folgen:
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Das brasilianische Chaos hat bereits im Oktober 2014 mit einer dreisten Lüge begonnen. Investigative Journalisten des Nachrichtenmagazins „Veja“ konfrontierten Präsidentin Dilma Rousseff mitten im Wahlkampf mit zu dieser Zeit schier unglaublichen Vorwürfen. Sie berichteten darüber, dass die regierende linke Arbeiterpartei „Partido dos Trabalhadores“ (PT) bis zum Hals in einen gigantischen Korruptionsskandal verstrickt sei und Millionen von US-Dollar illegaler Provisionszahlungen in die Parteikasse flossen. Rousseff warf den Enthüllungsjournalisten Wahl-Terrorismus vor und bezeichnete das Magazin als verleumderisch. Die damaligen Dementis Rousseffs bilden den Ausgangspunkt der heutigen Staatskrise, inzwischen geht es allerdings um einen wissentlich manipulierten Haushalt und um Bestechungsgelder von fast über drei Milliarden US-Dollar. Die aktuelle Auswertung der Panama Papers und neue Zeugenaussagen fügen Mosaiksteinchen auf Mosaiksteinchen zusammen, Rousseff hat den Zeitpunkt für einen gesichtswahrenden Rücktritt schon längst verpasst.

Die brasilianische Bundespolizei „Polícia Federal“ hat ihre Ermittlungen im Bestechungsskandal rund um den Baukonzern „Andrade Gutierrez“ beendet, der Präsident des Unternehmens Otávio Marques de Azevedo und acht weiteren Führungskräften sitzen in Haft. „Andrade Gutierrez“ ist eines der größten Bauunternehmen in Brasilien und in rund 40 Ländern (Kuba, Peru, Venezuela) tätig. Bereits vor Wochen erklärte sich Marques zu Aussagen bereit, die ihm eine Haftminderung ermöglichen sollen. Am Donnerstagmorgen (7.) Ortszeit wurde im brasilianischen Frühstücksfernsehen „Bom Dia Brasil“ darüber berichtet, dass die Zeugenaussage getätigt wurde und ergeben hat, dass die Wahlkampfkampagnen von Rousseff 2010 und 2014 in Form von „Schenkungen“ bezahlt wurden. Laut dem Bericht, der wenige Minuten später von der Tageszeitung „Folha de S.Paulo“ bestätigt wurde, stammten die Gelder von fingierten/überteuerten Aufträgen von Petrobras und von staatlichen Stromerzeugern. Eine detaillierte Liste der „Spendengelder“ soll der Justiz vorliegen, eine Pressekonferenz wird für die nächsten Stunden erwartet.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!