Kinderheirat in Lateinamerika: Brasilien belegt weltweit den vierten Platz

vida

Für ein minderjähriges Mädchen ist eine Hochzeit sicherlich nicht der schönste Tag des Lebens (Foto: Screenshot TV)
Datum: 02. Mai 2016
Uhrzeit: 15:19 Uhr
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Kinderehen stellen eine schwere Verletzung der Rechte von Minderjährigen dar – mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihr gesamtes zukünftiges Leben. Im südamerikanischen Staat Brasilien ist Kinderheirat eine weit verbreitete Praxis, die Problematik wird von der Regierung stiefmütterlich behandelt. Laut einer aktuellen Studie des Instituts „Instituto Pro Mundo“ werden innerhalb des Landes die meisten Kinderehen im Bundesstaat Maranhão (Nordosten) geschlossen, weltweit belegt Brasilien hinter Südasien, Westafrika und Afrika südlich der Sahara den vierten Platz.

Um in der Statistik „Casamentos Infantis“ zu erscheinen, muss einer der beiden Ehepartner jünger als 18 Jahre sein. In Lateinamerika als Ganzes belegen Studien, dass der Großteil der Männer bei informellen und einvernehmlichen Kinder-Hochzeiten 24-60 Jahre alt ist – die weiblichen Ehepartner zwischen 13 und 18 Jahre. Drogenmissbrauch oder sexuelle und häusliche Gewalt im familiären Umwelt sind in Brasilien weit vorbereitet und oft sind Mädchen und Frauen die ersten Opfer dieser Gewaltspirale. Angesichts dieser Tatsache ist es nicht verwunderlich, dass mehr als 30 Prozent der Frauen vor dem 18. Lebensjahr eine Ehe eingehen und damit dem vermeintlichen Übel entkommen wollen.

Rechtlich kann eine Brasilianerin im Alter von 16 Jahren heiraten, wenn sie die Zustimmung der Eltern hat. Das Mindestalter kann unter bestimmten Umständen reduziert werden – wenn zum Beispiel eine Schwangerschaft vorliegt. Das Strafgesetzbuch verbietet allerdings jede Art von sexuellen Aktivitäten, auch wenn sie einvernehmlich stattfinden, mit Kindern unter 14 Jahren. Die meisten der Männer gaben für ihre Gründe hinsichtlich einer Hochzeit mit einer jungen Frau/Mädchen an, dass diese attraktiver und leichter zu kontrollieren sind.

Ein großes Problem in Brasilien ist der Mangel an konkreten Daten über Familien und Orte, an denen die Kinderehen geschlossen werden. Nach Schätzungen verschiedener Nationaler und Internationaler Organisationen haben über 877.000 junge Frauen zwischen 20 und 24 Jahren bereits im Alter von 15 Jahren ihre Ehe geschlossen (11%). Etwa 3 Millionen Frauen im Alter von 20 und 24 haben vor ihrem 18 Lebensjahr geheiratet (36% der verheirateten Frauen in der gleichen Altersgruppe). Trotz des gesetzlichen Verbotes sind rund 88.000 Mädchen und Jungen im Alter von 10 und 14 eine Ehe eingegangen (Zwangsverheiratung).

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