„Holocaust der Gesundheit“ in Venezuela: Tod des kleinen Oliver erschüttert Lateinamerika

FOTO

Im Februar dieses Jahres hatte der acht Jahre alte Oliver Sánchez um Hilfe gebeten, sein Bild ging um die Welt (Foto: Screenshot YouTube)
Datum: 27. Mai 2016
Uhrzeit: 14:57 Uhr
Leserecho: 9 Kommentare
Autor: Redaktion
Autor folgen:
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Venezuela nähert sich dem wirtschaftlichen Kollaps und einem Volksaufstand gegen das Regime, welches die Verfassung missachtet und sich dem Willen der Mehrheit nicht beugen will. In den Sozialen Netzwerken wie „Facebook“ oder „Twitter“ ist jede zweite Nachricht eine Bitte. Unzählige Menschen fragen nach allem, von Antibiotika für die Kinder bis zu Spezialkathetern für die Dialyse, über Schutzmasken und Medizin für die Chemotherapie. Im Februar dieses Jahres hatte der acht Jahre alte Oliver Sánchez um Hilfe gebeten, sein Bild ging um die Welt. Der kleine Junge litt am Hodgkin-Lymphom, einen bösartigen Tumor des Lymphsystems. In seinem Heimatland gibt es nach Berichten lokaler Medien keine Medikamente, Oliver ist nun gestorben.

„Normalerweise“ erfolgt die Behandlung mit standardisierten Therapieschemata durch eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. Die Heilungsaussichten werden vor allem bei Kindern als „gut bis sehr gut“ bezeichnet. Mehrere Krankenhäuser sollen die Aufnahme von Oliver aus Platzmangel und wegen fehlender/geeigneter Arzneimittel abgelehnt haben. Nach Angaben seiner Mutter Mitzaida Berrotarán war es unmöglich, Medikamente wie Epamin (Behandlung von Anfällen) oder Antibiotika zu bekommen. Nach zehn Tagen auf der Intensivstation ist der Junge nun im Krankenhaus „Clínica Loira“ gestorben. In einem Interview mit den Medien bedankte sich Mitzaida bei den Nutzern sozialer Netzwerke. Diese hätten starken Druck auf das Gesundheitsministerium ausgeübt und dank privater Spenden konnten sechs Zyklen/Dosen Chemotherapie gekauft werden – die Krankheit war allerdings schon zu weit fortgeschritten.

Der Präsident der venezolanischen Vereinigung für Mediziner, Douglas León Natera, beschrieb die Notlage in Venezuela als „Holocaust der Gesundheit und ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Nach seinen Worten hat das Regime eine „tiefe Verachtung für die Bedürftigsten“. Oliver Sánchez ist nicht das einzige Kind, das unter der humanitären Krise leidet. Im erdölreichsten Land der Welt sind acht von zehn Medikamenten fast nicht erhältlich (Antikonvulsiva, Erkältungsmittel, Schmerzmittel, Diabetes, Bluthochdruck und Krebs), der venezolanische Pharmaverband warnt seit Monaten vor dem Mangel.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.
  1. 1
    Martin Bauer

    Unzählige Menschen in Venezuela teilen das Schicksal diese Jungen. Und jeder einzelne Fall könnte in Den Haag als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Anzeige gebracht werden. Warum geht niemand diesen Schritt? Das gesamte Verbrecherpack der PSUV-Spitze könnte längst per internationalem Haftbefehl zur Verhaftung ausgeschrieben sein, denn sie sind es, die aus niedrigsten Motiven, nämlich wegen persönlicher Bereicherung weit über das Mass des Multimillionärs hinaus, Tod und Leid von Tausenden nicht nur billigend in Kauf nehmen, sondern mutwillig provozieren. Allein dieser einzelne Fall könnte ausreichen, das Regime zu stürzen und hinter Gitter zu bringen. Und kein noch so teurer Anwalt könnte die Halunken vor Gericht raushauen.

  2. 2
    Der Reisende

    Warum geht niemand diesen Schritt? Herr Bauer wie sollte den dieser Schritt aussehen ?
    Vielleicht haben Sie einen brauchbaren Vorschlag !!
    Vielleicht kann man was organisieren !!

    • 2.1
      Martin Bauer

      Daran habe ich auch schon gedacht. Eigentlich wäre dies ein Fall für das Foro Penal. Ich weiss allerdings nicht, ob die sich auch für arme Leute engagieren, denn nur die sind durch den Medikamentenmangel wirklich gefährdet.

      Man müsste in jedem Fall zuerst ein Anwaltsbüro konsultieren, das für solche Fälle qualifiziert ist. Ich weiss z.B. nicht mit Sicherheit, wer klageberechtigt ist. Ob nur die Angehörigen eines Opfers, oder jeder Bürger. Kann sein, dass eine Strafanzeige reicht, die bei einem Strafdelikt jeder stellen kann. Ich bin halt kein Jurist. – Falls anwaltliche Vertretung notwendig sein sollte, stellt sich die Frage der Finanzierung. Aber all dass sollte in einer üblicherweise kostenlosen Anfrage bei einem Anwaltsbüro zu klären sein.

      Wir sind z.Zt. das erste Mal seit 2001 in Urlaub, also weder in Venezuela noch in Deutschland. Von daher könnte ich selber erst aktiv werden, wenn wir zurück sind.

      • 2.1.1
        Miguel-Ito

        Moin Herr Bauer und „Der Reisende!
        Grundsätzlich ist m.E. kein Anwaltsbüro notwendig, um sich an den IGH in Den Haag wenden! Ich bin zwar auch kein Jurist, weiß aber, dass sich jeder einzelne Mensch an den Gerichtshof wenden kann! Förderlich für eine Anfrage / Anklage /Prüfung wäre natürlich eine Petition /Liste möglichst vieler Betroffener! Hier wären m.E. der MUD und zudem soziale Verbände, auch die Kirche gefragt! Eine weitere Möglichkeit wäre der Weg, sich direkt an die WHO zu wenden! Ich persönlich kann die Vorkommnisse seit 2014 mittlerweile nur aus „D“ und über internet / soziale Netzwerke beurteilen, stecke daher nicht unbedingt in Details! Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben! Hasta un nuevo Venezuela!

      • 2.1.2
        Martin Bauer

        @Miguel-Ito
        Danke für diese wirklich hilfreiche Antwort. Der Gang zum Anwalt sollte dadurch überflüssig geworden sein.

        Dass man besser nicht als Einzelperson klagt, empfiehlt sich schon aus Sicherheitsgründen. Mal sehen was meine Frau dazu meint! Die hat in Venezuela mehr und bessere Kontakte als ich.

        Weitere Vorschläge, Informationen, Anregungen… von wem auch immer, könnten sehr nützlich sein.

      • 2.1.3
        Miguel-Ito

        Moin Herr Bauer! Ich hatte geschrieben: u.a. die Kirche! Gerade die ist m. E. gefordert! Ich denke, „DER“, ich spreche von Papst „Franzikus“, der selbst Lateinamerikaner ist, sollte „Front“ zeigen! Ergo: Schreibt an den Vatikan!!!!

      • 2.1.4
        Martin Bauer

        Das mit dem Vatikan ist vielleicht kein schlechter Vorschlag. Nurbin ich da aussen vor. Da wäre eher ein gläubiger Katholik gefragt. Ich selber empfinde für den Katholizismus kaum mehr Sympathie als für die PSUV und würde mich eher mit dem Satan verbünden, als mit einem von beiden.

  3. 3
    Randgänger

    Ich kann mir nicht vorstellen das Den Haag hier etwas bringt. Erstmal muss man Beweisen das hier Völkerrechswidrige Handlungen erfolgt sind, das war selbst bei den Völkermorden im Jugoslawien Krieg sehr schwer. Nicht vergessen das etwas zu wissen und etwas vor einem kritischen Gericht zu beweisen ein großer Unterschied ist.
    Dann wird jedes Urteil von wenigstens Russland und China ignoriert werden. Ich gehe davon aus das die Regierung nicht so dumm war ihr Geld auf Konten zu lagern die von den USA oder Europa gespert werden können. Damit wäre selbt bei einer Verurteilung erstmal nichts gewonnen.
    Auch würde ein Gerichtsverfahren sich Jahre hin ziehen, bis dahin wird sich in Venezuela etwas ändern. Entweder gibt es bis dahin einen Bürgerkrieg, das Land rutscht endgültig in die Diktatur ab oder Maduro und co werden aus dem Amt getrieben (leider das unwarscheinlichste Szenario)

    • 3.1
      Martin Bauer

      Völkermord soll nicht der Anklagepunkt sein, denn dieses Delikt liegt definitiv nicht vor. Verbrechen gegen die Menschlichkeit dagegen schon, soweit ich das sehe. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Und das zu beweisen ist ungleich einfacher als Völkermord, dessen Definition zumindest bei der UN aus lauwarmem Kaugummie besteht.

      Ein möglicher Erfolg hängt zunächst von der Qualität und Quantität der Beweise ab, dann von der „Prominenz“ dessen der klagt, und last but not least vom politischen Willen der Nationen, die den Internationalen Gerichtshof von Den Haag tragen. Und da stehen die Zeichen der Zeit eindeutig günstig. Der Linksextremismus in ganz Lateinamerika soll ein für alle mal entfernt werden. Das ist wohl inzwischen unübersehbar, und auf eine Gelegenheit, der Verbrecherbande in Caracas an den Kragen zu gehen, warten die Mächtigen der freien Welt seit Jahren. Schliesslich müssen die „trägen Massen vor den Fernsehschirmen“ erst auf ein solches Vorhaben eingestimmt werden. Das geht nicht über Nacht. Die im obigen Artikel geschilderte Geschichte des verstorbenen Jungen und seiner zahlreichen Leidensgenossen, medienwirksam in Den Haag angeprangert, könnte diesen Prozess enorm beschleunigen.

      Wie lange sich so was hinzieht, ist schwer abzuschätzen. Aber allein eine Klageerhebung würde schon viel ändern und das Regime völlig isolieren. Gar nichts oder Unwirksames tun ist genau das, was die Verbrecher seit 17 Jahren an der Macht hält.

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!