Teuerster Kaffee der Welt kommt aus Peru

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Der teuerste Kaffee der Welt wandert durch den Magen von Nasenbären (Foto: Capis Cafe/Facebook)
Datum: 26. Juni 2016
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Ressorts: Natur & Umwelt, Peru
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Autor: Redaktion
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Peru ist eigentlich weniger als Produzent erlesener Kaffeesorten bekannt. Doch in einer kleinen Kooperative im Zentralperu wird seit ein paar Jahren der wohl teuerste Kaffee des Planeten produziert – unter Mithilfe eines kleinen, frechen Säugetieres.

Gerade einmal 800 Kilogramm hat die Firma Capis in der Provinz Satipo im vergangenen Jahr produzieren können, eine Winzigkeit im Vergleich zur Produktion in Lateinamerika. Alleine in Brasilien wird in diesem Jahr mit einer Rekordproduktion von über 3 Millionen Tonnen gerechnet.

Die geringe Menge der peruanischen Edelbohnen treibt somit den Preis massiv in die Höhe. Für eine Tasse davon wird in Tokio und New York mittlerweile bis zu 75 Euro bezahlt. Und nur, weil die Kaffeebohnen ihren berühmten Geschmack durch einen eher unappetitlichen Herstellungsprozess erhalten. Sie müssen nämlich den Verdauungstrakt des Südamerikanischen Nasenbären durchlaufen. Die kleinen Kletterkünstler fressen die rohen Kaffeekirschen, der Kern mit der Kaffeebohne wird dabei nass fermentiert und am Ende ausgeschieden.

Die in Peru Mishasho oder Cuatí genannten possierlichen Tierchen wirken nur auf den ersten Blick zutraulich, können jeder arg hinterlistig und sogar aggressiv werden. Dementsprechend schwer ist es, sie zu halten. Sie leben auf den Farmen in Semi-Gefangenschaft, durchstreifen somit die Kaffeeplantagen, kommen jedoch nachts immer wieder in ihre Gehege zurück. Nicht immer können somit ihre Ausscheidungen gefunden und verwertet werden. Denn diese werden von Hand in einem aufwändigen Prozess ausgewaschen, die fermentierten Bohnen dann gereinigt, sortiert, getrocknet, geschält und letztendlich geröstet. Auch dieser Verlust an Rohstoffen treibt den Preis in die Höhe.

Die Kaffeebauer können sich bei den Nasenbären aber durchaus auf gute Pflücker verlassen. Schließlich ist die Kaffeekirsche natürlicher Teil ihrer Nahrung und so wandern nur die reifen und süßen Kirschen in die Mägen. Wobei dieser Produktionsschritt keineswegs eine peruanische Erfindung ist. Abgeschaut hat man sich dies in Indonesien. 2010, nach der Lektüre eines Buches über Kopi Luwak, kam man im entfernten Peru auf 1.800 Meter Höhe auf die Idee, dies auch in dem Andenstaat zu versuchen. Beim bekannten Kopi Luwak waren es allerdings Schleichkatzen, deren Verdauung der Bohne das unvergleichliche Aroma gibt. Da die Tiere jedoch in extrem engen Käfigen gehalten wurden, gab es große internationale Proteste von zahlreichen Tierschutzorganisationen. Deshalb entschied man sich, auch um wütenden Protesten vorzubeugen und den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, in den Bergen Perus für den „halboffenen Vollzug“.

Das Resultat ist nunmehr teuerste und für manchen auch der beste Kaffee der Welt. Selbst im englischen Königshaus soll man ihn von Zeit zu Zeit genießen. „Vor allem der Duft von Blüten und das Aroma von Früchten und Schokolade sollen ihn so einzigartig machen. 900 Euro kostet das Kilo derzeit im Ausland, in Peru bekommt man es bereits für um die 200 Dollar (ca. 180 Euro). Ob der Geschmack den Preis Wert ist, dürfte nicht nur unter Experten für Diskussionen sorgen. Eine feine Note und vollmundigen Geschmack erzielt man auch durch die Mischung verschiedener Kaffeebohnen und einer exzellenten Technik bei der Verarbeitung, wie deutsche Kaffeeröster mit zahlreichen leckeren Sorten immer wieder beweisen.

Um beim teuersten Kaffee der Welt übrigens eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, müssen die Mägen der Nasenbären vor dem Konsum der Kaffeekirschen speziell darauf vorbereitet sein. Die Produzenten schwören dabei auf ein perfektes Frühstück mit Banane, Mango, Papaya, Ananas, Pfirsich, Apfel und Stachelannone. Dies ist auch wichtig, da das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche die roten Blutkörperchen reduziert. Die Tiere würden bei einem Überkonsum anämisch und somit krank werden. Daher dürfen sie nur dreimal die Woche die Vorarbeit für den vermutlich außergewöhnlichsten Kaffee des Planeten leisten.

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