Naturhistorisches Museum Basel: Eröffnung einer der grössten Mumienausstellungen der Welt

mumie

Mumiengruppe mit Frau und zwei Kindern, andine Küstenregion in Südamerika, Präkolumbisch, 12.-14. Jahrhundert_Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (Foto: nmbs/ Gregor Brändli)
Datum: 15. September 2016
Uhrzeit: 13:12 Uhr
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Autor: Redaktion
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Mit der neuen Sonderausstellung (16.9.2016 bis 30.4.2017 ) haucht das Naturhistorische Museum Basel Mumien neues Leben ein. Die Ausstellung führt eindrücklich vor Augen, dass viele der gezeigten Mumien natürlich entstanden sind und längst nicht nur aus dem Reich der Pharaonen stammen. Die über 60 Tiermumien und zahlreichen menschlichen Mumien aus der Schweiz, Europa, Südamerika und Afrika erwecken in der Basler Ausstellung den Eindruck, als wären sie dem Leben näher als dem Tod.

Hinterlassenschaften aus längst vergangenen Epochen lassen uns die Rätsel und Geheimnisse entschlüsseln, woher wir kommen. Mumien gehören dazu. Sie sind individuelle Zeugen unserer Geschichte und daher kulturhistorisch unschätzbar wertvoll. Sie speichern Informationen über persönliche Schicksale und liefern Hinweise darüber, welche Bedeutung unterschiedliche Kulturen dem Leben und dem Tod beimassen und welchen Umgang sie damit pflegten.

Natürliche Prozesse im Zentrum

Die Basler Sonderausstellung «MUMIEN – Rätsel der Zeit» thematisiert die Phänomene, die zur Erhaltung toter Körper führen. Welche natürlichen Prozesse bewirken, dass ein toter Leib die Zeit überdauert und nicht, wie es normalerweise geschieht, verwest? Welche Bedingungen braucht es, damit Haut, Haare oder Weichteile nach dem Tod eines menschlichen oder tierischen Körpers jahrhundertelang schadlos bleiben? Welche individuellen Geschichten verbergen sich hinter einer Katzenmumie oder einer Gämse aus dem ewigen Eis? Der grösste Teil der präsentierten Exponate wurde auf natürliche Weise, ohne Manipulation des Menschen, mumifiziert. Tiermumien bezeugen die verschiedenen natürlichen Prozesse der Mumifizierung. Ob in einer Höhle ausgetrocknet, im Eis gefroren oder in einem Keller verendet: Mumien entstehen unter bestimmten Bedingungen überall auf der Welt.

Zeugen ihrer Zeit

Wer an Mumien denkt, hat sofort das Bild ägyptischer Mumien vor Augen. Doch ebenso wie die Tiermumien sind auch Mumien von Menschen längst nicht nur im Alten Ägypten zu verorten. Die Mumien aus dem Weerdinger Moor, diejenigen aus dem ungarischen Dominikanerkloster Vác oder die Mumie aus der Basler Barfüsserkirche veranschaulichen natürliche Prozesse, die zur Mumifizierung dieser Toten geführt haben. Hinter jedem dieser Prozesse steht eine individuelle, oft rätselhafte Geschichte, auf die in der Ausstellung eingegangen wird. Warum gelangten die Leichen ins Moor? Warum wurde die Gruft im Kloster lange Zeit vergessen und wer war die Dame aus der Barfüsserkirche? Auch die gezeigten Mumien aus Südamerika werfen viele Fragen auf, über die bis heute gerätselt wird.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

In die Sonderausstellung «MUMIEN – Rätsel der Zeit» fliessen auch aktuelle Ergebnisse der eigenen Forschung ein, die im Hinblick auf die Ausstellung getätigt wurden. So untersuchte ein Forscherteam mit modernen Methoden den Sarg und die Textilreste, die zusammen mit der Barfüssermumie entdeckt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass der Sarg und die Textilreste 200 Jahre jünger sind als die Mumie selber. Die Dame aus der Barfüsserkirche wurde offenbar umgebettet und neu eingekleidet. Von wem und warum bleibt vorderhand ungeklärt. Auf eine weitere Überraschung stiess man bei einer über 600 Jahre alten Inka-Mumie aus Peru: Die als Krieger aufgemachte Mumie enthält in ihrem Innern keine erwachsene Person, sondern einen achtjährigen Knaben.

Ausstellung mit Vorgeschichte

Die Sonderausstellung enthält eine Vielzahl von Mumien, die schon weit herumgekommen sind. Unter dem Titel «Mumien. Der Traum vom ewigen Leben» konzipierten die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim die Mumienausstellung, deren Schwerpunkt auf den kulturhistorischen Aspekten der Mumien und der Mumifizierung liegt. Anders in Basel: Hier gilt das Hauptaugenmerk der Frage, unter welchen Bedingungen – ob natürlich oder vom Menschen erwirkt – tote Körper die Zeit überdauern. Zur Veranschaulichung dieser Gewichtung sind zahlreiche Mumien zu sehen, die bislang noch nicht Teil der Ausstellung waren.

Besondere Veranstaltungen im Rahmenprogramm zur Ausstellung

Neben der Sonderausstellung bieten sich spannende Gelegenheiten, sich mit der Thematik der Ausstellung auseinanderzusetzen. Eine Vortragsreihe mit international bekannten Experten aus den Bereichen der Forensik, Naturwissenschaften und der Kulturgeschichte oder die Möglichkeit, an einer wissenschaftlichen Mumienuntersuchung dabei zu sein, lassen Interessierte in die Welt der Mumien eintauchen. Diverse Spezialführungen oder ein Workshop, an dem Kinder zu Mumienexperten ausgebildet werden und andere Kinder durch die Ausstellung führen, stehen ebenfalls auf dem Programm. Auch abends kann die Sonderausstellung besucht werden. Jeden ersten Donnerstag im Monat von Oktober 2016 bis April 2017 bleibt die Sonderausstellung bis 23.00 Uhr geöffnet und das Museum lädt zum Chillen an seine AFTER HOURS ein.

Naturhistorisches Museum Basel, Augustinergasse 2, 4051 Basel (Schweiz)

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