Brasilien: Sklavenarbeit für Chicken Nuggets von Discounter Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

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Edeka, Rewe, Lidl und Aldi verkaufen Chicken Nuggets aus Fleisch, das in Brasilien unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen produziert wird (Foto: Latinapress)
Datum: 14. Oktober 2016
Uhrzeit: 11:58 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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Edeka, Rewe, Lidl und Aldi verkaufen Chicken Nuggets aus Fleisch, das in Brasilien unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen produziert wird. Das zeigen aktuelle Recherchen der Christlichen Initiative Romero (CIR). Von dem Skandal sind vor allem als Eigenmarken vertriebene Produkte der Supermärkte und Discounter betroffen. Grundlage der Recherchen ist eine Studie des brasilianischen Journalistennetzwerks Repórter do Brasil, die im Rahmen der internationalen Kampagne „SUPPLY CHA!NGE“ entstand.

Für die günstigen Chicken Nuggets von EDEKA und Co. ist selbst das Geflügelfleisch aus europäischer Massentierhaltung zu teuer. Um die Preiserwartungen der Supermärkte und Discounter erfüllen zu können, kaufen die produzierenden Betriebe PHW Gruppe und Gebr. Stolle GmbH Ware aus Brasilien hinzu. In der Geflügelmast und in den Schlachtfabriken Brasiliens ist ein Akkordmarathon von täglich bis zu 17 Stunden zu Löhnen weit unter der Existenzsicherung Alltag. Die Wanderarbeiter, die in Fängerkolonnen in den Zuchtbetrieben arbeiten, werden in Schuldknechtschaft getrieben.

„Dieser Skandal hat System: Auf der Suche nach dem billigsten Lieferanten, scheuen Supermärkte und Discounter nicht davor zurück, Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion in Kauf zu nehmen“, erklärt Sandra Dusch Silva von der CIR. Am höchsten sei der Preisdruck bei Eigenmarken. Nach den Discountern setzen auch Supermärkte verstärkt auf Produkte aus eigenem Haus. Durch ihre Größe und Marktmacht können die Ketten den produzierenden Unternehmen die Lieferbedingungen bis hin zu den Preisen diktieren.

Im größten Land Lateinamerikas werden jährlich 6 Milliarden Hühnchen geschlachtet, Tendenz steigend. Damit ist das Land zum größten Geflügelexporteur der Welt aufgestiegen und hat die USA und China überholt. Für Deutschland ist Brasilien der wichtigste außereuropäische Handelspartner in puncto Geflügelfleisch, vor allem bei verarbeiteten Produkten.

Die Christliche Initiative Romero (CIR) setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte ein. Die CIR koordiniert die internationale Kampagne SUPPLY CHA!NGE, die hinter die Kulissen der Eigenmarken von Supermärkten und Discountern blickt.

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  1. 1
    Peter

    Brasilien hat Gesetze, gegen die in diesem Fall anscheinend verstoßen wird. Was genau haben nun deutsche Firmen damit zu tun? Sollte man diese Gesetzesverstöße nich erst man in Brasilien zur Anzeige bringen?

    • 1.1
      Martin Bauer

      Früher war allen voran die United Fruit Company dafür berüchtigt, mit ihren „Einkaufspraktiken“ in Lateinamerika ganze Länder in Armut und Abhängigkeit getrieben zu haben. Das hysterische Gekreisch von ARD Reporter „Besserwisser“, über den „kritischen Bürger“, bis zum linksradikalen „Revoluzzer“ war unüberhörbar. Waren die nicht toll?

      United Fruit hat reagiert und praktiziert längst „Fair Trade“, sicher nicht aus Nächstenliebe, eher weil man sich seine Lieferanten langfristig erhalten will, worüber ihre früheren Kritiker aber kein einziges Wort verlieren. Als Konsequenz ist ihre Marke Chiquita heute eher hochpreisig. Längst aber ist in ganz Lateinamerika das Kartell Aldi, Lidl, Edeka, REWE berüchtigt, und man spricht mit Angst und Entsetzen vom Terror des „Aldi-Preises“. Zwar kaufen diese Firmen keine Regierungen und schüren auch keine Revolutionen, doch ansonsten steht ihre schamlos diktierte Ausbeutung dem, was die United Fruit sich früher traute, in nichts nach.
      Wo bleiben denn nun die „kritischen Bürger“ mit ihrem mahnend erhobenen Zeigefinger, all die Pseudo-Sozis mit ihrer in rasender Wut erhobenen Faust? Es muss wohl immer und ausschliesslich gegen die USA gehen, um die zu elektrisieren? Geht es aber um deren eigene Versorgung mit billigstem Frass, wie Chicken Nuggets, würden sie sich mit Kritik am Lieferanten ja ins eigene Fleisch schneiden. Wie soll man den niemals erzogenen Kids erklären, dass ihr heiss geliebter Fettkram sozial und ethisch unverträglich sei, eine vertretbare Alternative der Mutti vielleicht Arbeit macht oder für HarzIV zu teuer ist? Das führt doch nur zum einem hysterischen Kreischanfall, der erst endet, wenn der überrote Kopf platzt oder eine Tüte mit Chicken Nuggets erscheint.

      Wir sehen also mal wieder, der „besorgte Bürger“ sorgt sich zuerst um seine eigenen Bedürfnisse, auch in Deutschland. Und der Milliarden schwere Unternehmer unternimmt, was ihn reich macht, ganz gewiss nicht nur in den USA. Was dies Völker anderer Kontinente kostet…, wen juckt’s?

  2. 2
    Regina Ulbrich

    @Peter, Gesetze bestehen auf Papier und das ist geduldig, ganz besonders in Südamerika.
    Ich finde es ok, dass deutsche Verbraucher darauf hingewiesen werden, wie, wo und unter welchen miesen Bedingungen, ihr Konsumwahn und „Geiz ist geil“ hergestellt bzw. produziert wird.

  3. 3
    gringo

    Kein Mensch braucht chicken nuggets

  4. 4
    Caratinga

    Wenn hier richtig nachforscht bzw. analysiert wird, kommt bestimmt heraus, einige Politiker in Brasilien haben sich die Taschen gefüllt, und entsprechende Unterschriften geleistet.
    In Brasilien gibt es den Mindestlohn.

  5. 5
    Erwin Vahle

    Warum werden solche Waren nicht mit so hohen Zoll belegt, das sich die Ein für nicht lohnt ? Eventuell weil einige Leute aus unserer Regierung gut mit verdienen?

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