Venezuela – Brasilien: Neue Fotos von unkontaktiertem Amazonas-Volk

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Ein Yano (Gemeinschaftshaus) unkontaktierter Yanomami im brasilianischen Amazonasgebiet, Luftaufnahme von 2016 (Fotos: Guilherme Gnipper Trevisan/Hutukara)
Datum: 17. November 2016
Uhrzeit: 12:39 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Außergewöhnliche neue Luftaufnahmen zeigen eine zeitgenössische unkontaktierte indigene Gemeinde im Amazonasgebiet, in der Schätzungen zufolge 100 Personen leben. Das Dorf liegt im indigenen Territorium der Yanomami im Norden Brasiliens, unweit der Grenze zu Venezuela. Von den schätzungsweise 22.000 Yanomami in Brasilien leben mindestens drei Gruppen ohne Kontakt zu Außenstehenden. Sie sind extrem verwundbar durch Gewalt und eingeschleppte Krankheiten. Wenn ihr Land geschützt ist, können unkontaktierte Völker gut und erfolgreich leben. Gegenwärtig operieren jedoch über 1.000 illegale Goldgräber in dem Gebiet. Experten befürchten, dass dies einige der bedrohtesten Menschen des Planeten auslöschen könnte. Bergarbeiter bringen Krankheiten wie Malaria in die Region und verschmutzen Nahrung und Wasserquellen der Yanomami mit Quecksilber, was zu einer ernsten Gesundheitskrise geführt hat.

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Davi Kopenawa Yanomami, Schamane und Aktivist der Yanomami, sagte: „Der Ort, an dem die unkontaktierten Indianer leben, fischen, jagen und pflanzen, muss geschützt werden. Die ganze Welt muss wissen, dass sie dort im Wald sind und dass die Behörden ihr Recht dort zu leben respektieren müssen.“ Davi Kopenawa, Präsident der Yanomami-Organisation Hutukara , ist bekannt als der Dalai Lama des Regenwaldes. Einer der Goldgräber erklärte: „Sie sind wie Termiten – sie kommen immer wieder und sie lassen uns nicht in Frieden.“

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Die brasilianische Regierung ist verantwortlich für den Schutz des Yanomami-Territoriums. Doch den zuständigen Behörden drohen einschneidende Budgetkürzungen. Zudem befürworten Politiker dramatische Einschnitte in die Land- und Menschenrechte indigener Völker. Ohne weitere Unterstützung wird das Team, das für die Yanomami-Region zuständig ist, nicht mehr in der Lage sein, das Gebiet vor Eindringlingen zu schützen. Möglicherweise müsste es seine Arbeit komplett einstellen. Dies könnte für die unkontaktierten Yanomami die Auslöschung bedeuten.

Hintergrund

Das indigene Territorium der Yanomami wurde 1992 geschaffen, nach einer jahrelangen Kampagne von Davi Kopenawa Yanomami, Survival International und der Pro-Yanomami Commission (CCPY). Vor der Schaffung des Reservates starben zahlreiche Yanomami durch die Gewalt Außenstehender und eingeschleppte Krankheiten wie Grippe und Masern, gegen die sie kaum Abwehrkräfte gebildet hatten. Die Anerkennung ihres Territoriums hat den Yanomami die Möglichkeit gegeben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen. Das Volk hat sich nach Jahrzehnten des Chaos weitestgehend erholt.

Doch FUNAI, der brasilianischen Indigenen-Behörde, drohen einschneidende Budgetkürzungen. 6 von 12 Teams für den Schutz unkontaktierter Völker sind von der Schließung bedroht – darunter auch eines für die Yanomami. Unkontaktierte Yanomami haben ihren Wunsch, allein gelassen zu werden, deutlich gemacht: Sie fliehen vor Außenstehenden und meiden bereits kontaktierte Yanomami. Diese Fotos zeigen ein typisches Yanomami-Yano, ein großes Gemeinschaftshaus für mehrere Familien. Jede der Sektionen des Yano ist einer anderen Familie zugeteilt, wo diese ihre Hängematten aufspannt, eine Feuerstelle betreibt und Essensvorräte lagert.

Die Yanomami verfügen über umfangreiches botanisches Wissen und nutzen circa 500 Pflanzen für ihre Ernährung, Medikamente und den Bau ihrer Häuser. Sie versorgen sich zum Teil durch jagen, sammeln und fischen – bauen aber auch Maniok und Bananen in großen Gärten an. Yanomami-Schamanen sind die spirituellen Anführer ihrer Gemeinde. Sie inhalieren einen halluzinogenen Tabak (Yakoana), von dem sie glauben, dass er ihnen erlaubt mit der spirituellen Welt zu kommunizieren.

Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben. Ihr Wissen ist unersetzlich und hat sich über Jahrtausende entwickelt. Sie sind die besten Wächter der Natur. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen. Survival International lehnt Versuche von Außenstehenden ab, sie zu kontaktieren. Dies ist immer fatal und eine Kontaktaufnahme muss ihre alleinige Entscheidung sein. Diejenigen, die in die Gebiete unkontaktierter Völker eindringen, verwehren ihnen die Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Pressemitteilung

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  1. 1
    Gert W. Knop

    Es ist eine Schande, das so alte Völker vom Aussterben bedroht sind! Sie sollten sich kämpferisch gegen Eindringlinge von außen schützen können,
    die ohne ihre Erlaubnis in ihr Gebiet vordringen, Krankheiten einschleppen und die Umwelt vergiften, wenn der Brasiliansche Staat dies nicht kann.
    Vielleicht ist es dann hilfreich wenn sie sich mit Blasrohr und Giftpfeilen wehren – oder mit Pfeil und Bogen.
    Wenn FUNAI keinen Schutz bieten kann, weil die notwendigen Gelder fehlen, sollte die internationale Völkergemeinschaft Sorge tragen, dass
    Goldsucher und andere Eindringlinge keine Möglichkeit mehr haben in diese Gebiete vorzudringen.

    • 1.1
      Martin Bauer

      Die benutzen ihre Waffen in erster Linie für die Jagd, erst in zweiter Linie gegen Eindringlinge. Und diese kommen z.T. mit modernen Schnellfeuerwaffen daher, mit dem Vorsatz, sie gegen jeden zu benutzen, der ihnen im Weg steht. Diese Typen wissen auch, wie man sich im Dschungel bewegt.
      Zum Schutz solcher Völker fehlt es in weiten Kreisen der Menschheit am Willen und der Bereitschaft zum Verzicht auf die wirtschaftliche Ausbeutung eines jeden Lebensraumes. Es gibt Leute, für die klebt an jedem Baum ein Dollar-Zeichen, und jeder Quadratmeter nicht bewirtschaftetes Land ist in ihrem Augen Verschwendung von Ressourcen. Mächtige Konzerne und korrupte Politiker stärken ihnen den Rücken, wohl nirgendwo in solchem Umfang wie in Brasilien. Die „Nach-mir-die-Sintflut“ Mentalität wird wohl erst mit der Menschheit aussterben.

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