Peru: Berüchtigte „Todesstraße“ spaltet Land unkontaktierter Völker

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Ein Mastanahua-Mann kurz nach dem ersten Kontakt mit Außenstehenden (Foto: David Hill/Survival)
Datum: 20. Dezember 2016
Uhrzeit: 13:31 Uhr
Ressorts: Natur & Umwelt, Peru
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Autor: Redaktion
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Eine neue „Todesstraße“, die von einem kontroversen italienischen Priester unterstützt wird, könnte laut einem Bericht von „Survival International“ das Land mehrerer unkontaktierter Völker im Herzen des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes durchtrennen. Die Straße soll demnächst von Perus Kongress genehmigt werden. Sie würde durch 270 km der artenreichsten und sensibelsten Schutzgebiete Amazonies verlaufen.

Das Projekt wird seit Jahren von Vater Miguel Piovesan unterstützt, einem katholischen Priester, der die angestammten Völker als „prähistorisch“ bezeichnet und internationale NGOs angreift, weil sie Bedenken gegenüber dem Plan geäußert haben. Die Straße wurde 2012 vom peruanischen Kongress abgelehnt. Trotzdem wurde die Arbeit daran viele Jahre lang illegal weitergeführt. Jetzt wurde das Projekt erneut vom Kongressabgeordneten Carlos Tubino vorgeschlagen.

Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften des Planeten. Es gibt geschätzt etwa 15 unkontaktierte Völker in Peru, viele davon in der Region, in der die Straße gebaut wird. „Survival International“ hat Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingelegt, in der die katastrophalen Auswirkungen für die unkontaktierten Indigenen dargelegt werden. Survival fordert von der peruanischen Regierung, gegen den Plan Einspruch zu erheben. Von den 3-4.000 Menschen in dem Gebiet sind ca. 80% indigen. Die meisten davon sind gegen den Bau der Straße.

Hintergrundinformationen

Die Straße soll Puerto Esperanza mit der Transoceánica verbinden, die durch Peru und Brasilien geht. Das Gebiet ist Teil des unkontaktierten Amazonas-Grenzlandes, der Region entlang der peruanisch-brasilianischen Grenze mit der weltweit höchsten Konzentration an unkontaktierten Völkern. Unkontaktierte Völker, die ausgelöscht werden könnten, wenn die Straße gebaut wird, sind u.a. die Mashco Piro, Chitonahua, Mastanahua und Sapanawa, die alle seit Generationen nomadisch in der Region leben. Außenstehende wie Missionare und Holzfäller haben einige Gruppen in den letzten Jahren gezwungen, Kontakt aufzunehmen.

An anderen Orten am Amazonasgebiet haben Straßen-Projekte den Zuzug von Siedlern in abgelegene Gebiete ermöglicht. Dies bedroht das Leben und das Land von unkontaktierten Völkern. Mehrere indigene Organisationen in Peru haben sich gegen die Straße ausgesprochen. Vater Piovesan hat wiederholt die Existenz unkontaktierten Völkern abgestritten. In seinem Gemeindeblatt steht: „Isolation ist kein natürlicher Wunsch. Wir können nicht beweisen, dass es unkontaktierte Völker gibt. Sie sind ausgedacht, von denjenigen, die sich kaum mit Indigenen auskennen oder ihre Untersuchungen auf unbewiesene Theorien stützen.“ Unkontaktierte Völker haben ihren Wunsch weiterhin unkontaktiert bleiben zu wollen klar ausgedrückt. Das Projekt kann nicht mit ihrer Zustimmung durchgeführt werden und verletzt ihr Recht auf Selbstbestimmung ihrer Zukunft.

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