Kolumbien: Kein Frieden ohne Rechtsstaatlichkeit, Bildungsangebote und Arbeitsplätze

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Nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die FARC-Rebellen am Montag 26.) den Friedensvertrag (Foto: presidencia)
Datum: 28. Dezember 2016
Uhrzeit: 12:16 Uhr
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Autor: Redaktion
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„Kolumbien braucht internationale Unterstützer und Beobachter, die immer wieder den Finger in die Wunde legen und die Straflosigkeit ohne Angst anprangern – wie Adveniat.“ Das hat Ulrike Purrer am 27. Dezember im kolumbianischen Tumaco betont. Ohne einen funktionierenden Rechtsstaat und die Überwindung der Straflosigkeit würden die vielen Opfer des Bürgerkrieges keinen Frieden finden, ist die Theologin überzeugt. Seit vier Jahren koordiniert die gebürtige Rostockerin die katholische Jugendarbeit in Tumaco. Kein einfacher Job, denn die meisten der 80.000 Einwohner sind Bürgerkriegsflüchtlinge, die in der Hafenstadt an der südwest-kolumbianischen Pazifikküste Schutz und einen Neuanfang suchen – aber Armut und Gewalt vorfinden. Die Arbeitslosigkeit in Tumaco liegt bei über 70 Prozent – eine Universität haben nur drei Prozent der Menschen besucht.

„Hier in Tumaco fehlt noch ganz viel für den Frieden: Einerseits ein real vor Ort funktionierender Rechtsstaat, der die Macht von den illegalen Gruppen übernimmt, und andererseits staatliche Investitionen in Arbeitsplätze, Infrastruktur, Bildungsmöglichkeiten“, sagte Purrer. Solange junge Menschen nach dem Schulabschluss kaum berufliche oder akademische Chancen hätten, würden sie sich weiterhin für das lukrative Coca-Geschäft entscheiden und die Region nicht zur Ruhe kommen lassen.

Die Unterzeichnung des Friedensvertrags hält Purrer für „unerlässlich und sehr erfreulich“. Dennoch bedeute dies natürlich noch keineswegs Frieden für das Nachbarland von Venezuela: „Die relative Ruhe, die der Waffenstillstand zwischen der linken Guerillaorganisation FARC und Streitkräften bereits seit letztem Jahr in Tumaco erzeugt hatte, hat uns hoffnungsvoll gestimmt“, sagte Purrer. Gleichzeitig seien jedoch neue bewaffnete, unabhängige Gruppen nachgerückt, die versuchten, das entstehende Machtvakuum zu füllen. „Das hat in den letzten Wochen zu einem enormen Anstieg der Gewalt geführt.“ Es habe viele gezielte Morde und in der vergangenen Woche auch einen Granatenanschlag mit zwei Toten und über 20 Verletzten gegeben. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat forderte Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos und die zuständigen Behörden daher in einem Schreiben vom 14. Dezember nachdrücklich auf, umgehend wirksame Maßnahmen gegen das Phänomen der weit verbreiteten Gewalt in der Region Tumaco zu unternehmen und den physischen und psychischen Schutz sowie den Schutz des Eigentums der Bewohner nach internationalen Standards zu gewährleisten.

Purrer betonte, dass es um ganze Generationen gehe, die die Verletzungen des Kriegs hinter sich lassen und neue Chancen erhalten müssten. Sie gehe von mindestens 25 Jahren Friedenskonstruktion aus – aber auch das nur, „wenn die Regierung nicht weiterhin auf den wirtschaftlichen Status-Quo-Erhalt der Eliten setzt, sondern auf eine nachhaltige gesellschaftliche Transformation unter Einbezug aller Regionen, auch der afrokolumbianischen Pazifikküste“. Vom kolumbianischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Santos erwarte Purrer, „Mut im wirtschaftlichen Bereich hin zu ehrlichen Versuchen einer Transformation“.

Unter dem Motto „Frieden jetzt!“ unterstützt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Friedensarbeit der katholischen Kirche in Kolumbien. Dazu gehört auch Ulrike Purrers Arbeit: „Die Finanzierung einer jungen Tumaqueña als hauptamtliche Jugendleiterin und permanente Fortbildungsangebote für Jugendleiter im Bereich gewaltfreier Konfliktlösung, Verteidigung der Menschenrechte und Friedenskonstruktion sind vielleicht nicht immer medienwirksam, aber unendlich wertvoll und konkret für die jungen Menschen hier vor Ort, wo sie wirklich Biographien positiv beeinflussen und die Logik der Angst und des Kriegs durchbrechen helfen“, sagte Purrer.

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