Illegaler Streik der Militärpolizei in Brasilien: Ein Leben ohne Gesetz

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Innerhalb einer Woche gab es 121 Morde, unzählige Diebstähle und über 300 geplünderte Geschäfte (Foto: Defesa/Gob)
Datum: 13. Februar 2017
Uhrzeit: 15:18 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
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Der illegale Streik der Militärpolizei im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo führt zu chaotischen Zuständen und erinnert an einen Zombie-Film. In der Bundeshauptstadt Vitória sind die Menschen aus der Stadt verschwunden, die Straßen der von Portugiesen gegründeten und rund 500.000 Einwohner zählenden Metropole sind gähnend leer. Doch statt der Untoten ziehen raubende und mordende Horden durch das Stadtgebiet, Szenen aus dystopischen Romanen sind nahe an der Realität. „Ich habe noch nie solche Angst gehabt. Es scheint, dass wir uns im Krieg wie in Syrien befinden“, klagt eine Bewohnerin.

Innerhalb einer Woche gab es 121 Morde, unzählige Diebstähle und über 300 geplünderte Geschäfte. Bankfilialen haben geschlossen, öffentliche Verkehrsbetriebe ihren Dienst eingestellt, in Krankenhäusern sind die Notaufnahmen überlastet und Bildungseinrichtungen haben Schüler in die Ferien geschickt. Hinter jeder Ecke können jederzeit bewaffnete Banditen auftauchen – bereit zu töten und zu plündern. In der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas ist eine Säule der Rechtsstaatlichkeit bedroht, Unbeteiligte sind meist hilflos dem schlimmsten aller menschlichen Verhalten ausgesetzt.

Streikende Polizisten, die vehement Lohnerhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen fordern, waren der Auslöser für das Chaos. Die Nachricht vom Verschwinden der Beamten kam schnell zu den Banditen. Ohne Verzögerung – und ironischerweise – raubten sie zunächst die Wohnungen in der Gegend aus, wo die Familien der Polizisten leben. Gezielt wurden Verteilerstationen lahm gelegt um im Schutz der Dunkelheit ungestört vorgehen zu können. Polizisten, die nach Hause zurückkehrten, erschossen die „Ratten“ (O-Ton). Im gerichtsmedizinischen Institut in Vitória gibt es vier Seziertische, die „normale“ Rate liegt bei sieben bis zehn Todesfälle pro Tag und nicht alle sind Mordfälle – es gibt zum Beispiel Opfer von Verkehrsunfällen oder Ertrinken. Am Sonntag (12.) wurden 16 Leichen eingeliefert, alle zeigten Spuren von Gewalt aus nächster Nähe.

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  1. 1
    Norbert Wieland

    Sehr guter Artikel. Vielen Dank.

  2. 2
    Caratinga

    Was die Militärpolizei macht ist illegal, sollte verboten werden.
    Aber auch das sollte verboten werden, das Polizisten seit 5 oder 6 Jahren keine Lohnerhöhung bekommen haben, bei 10 % Inflation, pro Jahr.
    Das Grundübel liegt hier an der Korruption der oberen Schicht und Politiker, die nur damit beschäftigt sind, sich die Taschen zu füllen, und der leidtragende ist der kleine Mann.
    Der kleine müßte Aufstehen und das reiche korrupte Gesindel, zusammen treiben, auf eine Insel sperren, und dort verrotten lassen, ohne alles.

  3. 3
    Caratinga

    Noch was, hier wird immer nur von Verbrechern gesprochen, das Uebel sind die oberen 10 Tausend. Warum gibt es in Brasilien so viele Verbrecher, weil eine Möglichkeit nicht besteht.

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