Suchen die Drogenbarone nun Meerjungfrauen?

Datum: 31. Oktober 2009
Uhrzeit: 12:26 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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mini-uboot-bigIn der benachbarten Dominikanischen Republik gibt es Sirenen. „La Sirena“ heißt dort ein Warenhaus. Es zieht die Menschen zu tausenden in seinen Bann, rein in den Ramsch und das Geld raus aus den Taschen. Wenn sie wieder auftauchen sind sie manchmal bettelarm geworden, aber sie blieben am Leben. Das ist wichtig damit sie erneut eintauchen können, wenn sie abermals Geld haben.

Bei den Sirenen im alten Griechenland war das nicht so. Auch sie zogen die Seeleute in ihren Bann. Falls ein bezirzter Fischer oder Schiffer sich in die Nähe gewagt hatte, zogen sie den zu sich in die Fluten und erledigten ihn, der blieb niemals am Leben. Die drei Sirenen hießen Himeropa, Leukosia und Aglaopheme. Sie waren halb Fisch und halb Jungfrau, liebten das klare, blaugrüne Wasser des Mittelmeers und, wie gesagt Fischer und Schiffer. Durch betörenden Gesang lockten sie diese näher und näher, um sie zu ertränken. Sie hätten sich ins Meer stürzen und selbst umbringen müssen, falls es einem Seemann gelungen wäre, sie zu passieren ohne ihren Verlockungen zu erliegen.

Selbst den grimmigen Küstenwachen gelang es noch nie, eine Sirene zu sichten. Sie haben es eher mit Drogenbaronen zu tun, die sind allerdings weniger sexy, aber nicht minder tödlich. Sie schmuggeln Drogen und Waffen, manchmal auch Menschen, verdienen dabei Unmengen Geld und bringen allmählich Millionen von Süchtigen um, drüben in den „entwickelten“ Ländern, Amerika, Deutschland, und auch der Schweiz. Eigentlich müsste man sie als Kriegsverbrecher oder Völkermörder behandeln.

Es ist der Wunschtraum der MINUSTAH, der haitianischen Küstenwache und der Polizei, die Schmuggelbosse zu fassen. Deshalb wird die Zahl der auf Haiti stationierten Blauhelme immer noch erhöht. Das Schmutzgeschäft ist einfach nicht in den Griff zu bekommen. Es wuchert nicht nur in Haiti und der Dominikanischen Republik, sondern in den meisten karibischen und mittelamerikanischen Staaten hartnäckig weiter. Blauhelme müssten überall sein.

Die Drogenbarone verfügen über unerschöpfliche Moneten, mehr als die UN-Soldaten und die Seepolizisten. So viel, dass sie die Flugzeuge für einen einzigen Einsatz kaufen, auf einer der 30 geheimen Pisten in Haiti landen und dann die Maschinen in die Luft sprengen, noch bevor Blauhelme und Polizisten auftauchen.

Die Staaten kämpfen gegen die Drogenbarone auf verlorenem Posten, ihr Kampf gegen den Drogenschmuggel ist aussichtslos. Die Schmuggler, die ihren miesen Handel nach Mexiko, in die USA und nach Europa abwickeln, sind ihnen technisch haushoch überlegen. Fehlendes Militär und veraltetes, verrostetes Material machen es schwierig gegen die Banden, die modernste technische Ausrüstung besitzen, Krieg zu führen. Über welches Radarsystem die Blauhelme in Haiti verfügen, ist Militärgeheimnis. Vermutlich eins der Amerikaner und Israeli und damit das modernste der Welt. Aber das im östlichen Nachbarland ist wackelig und museumsreif und führte schon zu Pilotenprotesten und Streiks. Nach ihrer Meinung ist die Luftsicherheit über bestimmten dominikanischen Flughäfen nicht gewährleistet.

Israel liefert jetzt der Dominikanischen Republik zwei Radaranlagen der neuesten Generation im Wert von 24 Millionen US-Dollar. Die sind aber mitnichten zur Sicherung der Luftfahrt bestimmt, sondern die Regierung will sie gegen Drogenbanden einsetzen. Wir sind so weit, dass Kriege heute nicht mehr gegen angreifende Länder, sondern gegen Banden geführt werden müssen und dass diese gefährlicher sind als staatliche Armeen.

Die Drogenbarone besitzen Schnellboote, die einem James Bond-Film Ehre machen würden, und die sich kaum fotografieren lassen. Aber es ist anzunehmen, dass die Boote der MINUSTAH etwa vergleichbar sind, da sie ihnen Paroli bieten müssen. Die Schnellboote erreichen mit großem Lärm dreistellige Geschwindigkeiten.

Ohne Lärm fliegen die hochmodernen Mini-U-Boote der Drogenbarone durchs Wasser. Der Preis von 1,1 Millionen Euro ist für die ein Pappenstiel. Das fischförmige Ding ist sieben Meter lang und 1800 Kilogramm schwer, kann hunderte von Metern tief tauchen und bis zu fünf Stunden über den Meeresboden flitzen. Es ist so wendig, dass es an Ort umdrehen kann. Allerdings fehlt seinem Fischkörper die Frauenhälfte, im Gegensatz zu den Sirenen. Und das öl- und abfallverschmutzte Fahrwasser ist heute trüber als damals im alten Griechenland. Dass die Mafiahäuptlinge Flugzeuge kaufen und nach einem Einsatz in die Luft sprengen, wissen wir schon. Nun lassen sie wohl auch noch U-Boote voll laufen und absaufen.

James Bond kommt jetzt wirklich zum Zug. Das Russenprojekt, ein fliegendes U-Boot zu bauen, ist so jung wie ich und soll demnächst vollendet werden: ein Fliegendes U-Boot oder Tauchendes Flugzeug. Das Gerät soll fliegen, auf dem Wasser starten und landen, abtauchen und sich unter Wasser bewegen können. Bald soll das Unding von Stapel laufen. Preis noch unbekannt. Die Drogenbarone werden sicher die ersten sein, die es kaufen und einsetzen, denn Armeen und Coast Guards haben Budgetbeschränkungen. Im Gegensatz zu den Drogenbossen, die kennen keine Finanzkrise. Wenn dann das Wasser NOCH trüber wird und sie gar nichts mehr sehen, werden sie sich in die Lüfte schwingen. Dann können auch die Sirenen nur noch neidvoll nachsehen und winken.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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