Venezuela: Einmarsch des Militärs in die Colonia Tovar

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Massenproteste finden in alle Regionen und Ecken Venezuelas statt (Foto: PJZ)
Datum: 29. Mai 2017
Uhrzeit: 07:44 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Die Bürgervereinigungen Pro Venezuela e.V. und VenEuropa, sowie die in Deutschland und Europa lebenden Venezolaner möchten ihre tiefste Besorgnis hinsichtlich der zunehmenden Repression in Venezuela ausdrücken. Seit mehr als 50 Tagen wird in Venezuela demonstriert, die Menschen protestieren weil sie hungern, weil keine medizinische Versorgung mehr gewährleistet werden kann, weil Lebensmittel und Medizin knapp sind. Aber sie protestieren auch weil Venezuela kein Rechtsstaat mehr ist und die Gewaltenteilung von der Regierung de facto aufgehoben worden ist.

Diese Massenproteste finden in alle Regionen und Ecken Venezuelas statt. Jeden Tag gehen mehr Menschen auf die Straßen. Es sind nicht nur die Menschen in den großen Städten, auch auf dem Land und in den Dörfern wird demonstriert. Und die Antwort der Regierung auf diese Proteste ist Gewalt und Repression, die von der Nationalgarde, der Polizei, dem Militär, aber auch von den „Colectivos“ (den bewaffneten Gruppierungen der Regierungsanhänger) ausgeübt wird. Mehr als fünfzig Tote, tausenden von Verletzen und Festgenommenen, das ist die bisherige Bilanz, und noch ist kein Ende in Sicht.

Diese Repression trifft seit dem 18. Mai auch die Colonia Tovar*, die Deutsche Gemeinde Venezuelas, eine Stunde von Caracas entfernt. Dort ist es im Zuge der Proteste im Land zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Wie die Badische Zeitung berichtet:

„Begonnen haben die Unruhen am Donnerstag. Die Auslöser – so scheint es bisher – waren Feuerwehrautos, die in Flammen aufgingen, und ein Unfall, bei dem die Nationalgarde ein 13-jähriges Mädchen angefahren und verletzt haben soll. Ob die Fahrzeuge in Brand gesteckt wurden und wenn ja von wem, ist bislang unklar. Hunderte Nationalgardisten hätten daraufhin den Ort gestürmt, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, Menschen von der Straße weg verhafteten.“

Seitdem ist die Situation in der Colonia Tovar sehr chaotisch. Es ist bisher nicht klar, wie viele Menschen verletzt oder festgenommen wurden und wohin sie gebracht wurden. Die Berichterstattung ist, wie im ganzen Land, schwierig und durch die Zensur behindert. Es gibt praktisch keine Möglichkeit zuverlässige Quellen zu finden und den Menschen bleiben nur die sozialen Medien übrig. Aber es ist sehr schwierig herauszufinden was wirklich passiert ist. Die Bewohner von Tovar haben Angst.

Was in der Colonia Tovar geschehen ist, ist kein Einzelfall, sondern einer von vielen Fällen, in denen das Militär in Ortschaften einmarschiert ist und die Kontrolle übernommen hat. Dabei ist jedes Mal die Situation gravierender geworden, mit illegalen Festnahmen, Plünderungen und Raubüberfällen, es sind sogar Menschen getötet worden. Solche weit verbreitete Aktionen zur Einschüchterung andersdenkender Bürger sind typisch für autoritäre Regime.

Wir bitten alle Organisationen, Gruppierungen, Entscheidungsträger und Menschen in Deutschland, die sich für Demokratie und Menschenrechten einsetzen, dem venezolanischen Volk ihre Unterstützung auszusprechen, auch den Bewohnern der friedlichen deutschen Siedlung Colonia Tovar. Insbesondere bitten wir Sie um einen Appell an die Venezolanische Regierung, Gewalt und Repression im Land zu beenden. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Lösung dieses Konflikts in neuen, transparenten Wahlen liegt. Dabei spielt die internationale Gemeinschaft eine sehr wichtige Rolle, nicht nur weil sie sich dafür einsetzen und Druck auf die Regierung Nicolas Maduros ausüben, sondern auch als Garant solche Wahlen agieren kann.

Die Siedlung Tovar wurde im Jahr 1842 von Einwohnern der Städte Endingen, Herbolzheim und Ettenheim in Venezuela gegründet. Sie hatten ihre Heimat auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen. Sie gründeten ein Dorf in den Bergen, außerhalb der Stadt Caracas. Zu Beginn waren sie allein in der Landwirtschaft tätig. Da sie jedoch an ihrer Architektur, Sprache und den Traditionen aus dem Süden des Schwarzwaldes festhielten, wurde das Dorf im Laufe der Jahre touristisch immer bedeutender.

Pressemitteilung

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  1. 1
    thor

    die sollen sich in der Colonia Tovar mal nicht so haben… wer rennt denn seit Jahren den Sozialisten hinterher um das Toilettenpapier zu reichen…, viele dort haben sich massiv bereichert. Ah, jetzt wo nix mehr zu klauen ist, da tuts auf einmal weh…,

  2. Appelle an die venezolanische Regierung? Das ist veschwendete Zeit, zumal,es sich nicht um eine Regierung wohl eher um eine kriminelle Vereinigung handelt.Was die Colonia Tovar anbelangt ,kann ich beurteilen in wieweit sie das Chavez Regime unterstützt haben.Mit Sicherheit bezahlen nicht nur dort viele ein Karma, wegen opportunistischem Verhalten ohne Zukunftsvision.Was bedauerlich ist, dass auch die ganze Generation der Jugendlichen ,für die Fehler der Älteren bezahlen müssen. International sollte auch mehr zur Kenntniss genommen werden, dass Venezuela von einer ausländischen Invasion betroffen ist. Die Kriminellen in Miraflores sind ja nur Marionetten der Kubanischen Regierung,welche die Logistik im Massaker gegen die Venezolaner leitet und auch aktiv mit ca. 200000 Mann beteiligt ist.

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