Zahlreiche Tote bei „Verfassungswahl“ in Venezuela – Update

massiv

Oppositionsführer Henrique Capriles Radonski und Leopoldo López haben für den Wahlsonntag zu massiven und friedlichen Protesten aufgerufen (Foto: Leopoldo López)
Datum: 30. Juli 2017
Uhrzeit: 11:54 Uhr
Leserecho: 22 Kommentare
Autor: Redaktion
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Das südamerikanische Land Venezuela steht vor der Wahl der 545 Mitglieder einer von Präsident Maduro per Dekret verfügten Verfassungsgebenden Versammlung. Alle der 5.500 zugelassenen Kandidaten sind Anhänger der Regierung. Die auf das Regime zugeschnittene „Costituyente“ soll das Grundgesetz abschaffen, statt der Demokratie droht das System Kuba. Am Samstagabend (29.) Ortszeit gab Tibisay Lucena, Präsidentin des Nationalen Wahlrats (CNE) bekannt, dass Medienvertreter sich den Wahllokalen nur bis zu einem Abstand von 500 Metern nähern dürfen. Nach ihren Worten sind „alle Wahlzentren installiert“. Da Maduro vorab die Spielregeln festgelegt hat und die Opposition erst gar nicht teilnimmt, wird das vom Busfahrer zum Diktator mutierte Staatsoberhaupt eh als Sieger aus dieser Scheinwahl hervorgehen.

Zahlreiche Wahllokale wurden von Chaoten gestürmt, Materialien und Unterlagen für die „Abstimmung“ verbrannt. Seit Tagen werden Wahlberechtigte von Regierungsvertretern bedroht. Wer nicht wählt, erhält nach ihren Worten ab sofort keine subventionierten Nahrungsmittel von den lokalen Komitees zur Versorgung und Produktion (Comités Locales de Abastecimiento y Producción, CLAP). Besitzer einer „Carnet de la Patria“ (Vaterländischer Ausweis) wurden darauf hingewiesen, dass durch das elektronische System für Bürgerdienste jederzeit kontrolliert werden könne, ob man wählen war und was/wen man gewählt hat. Ohne Umschweife wurde bekräftigt, dass bei Nichtwahl ein Ausschluss aus den Bolivarianischen Missionen droht (Reihe von Programmen, die vor allem der Armutsbekämpfung und der sozialen Sicherheit der Bevölkerung dienen).

Update

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in den letzten 24 Stunden mindestens zwölf Personen, darunter mehrere Sicherheitskräfte, bei verschiedenen Protesten erschossen. Einer der Kandidaten für die verfassunggebende Versammlung wurde ebenfalls getötet. Wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale zeichnet sich eine vergleichsweise geringe Beteiligung ab, viele Wahlzentren sind leer. Laut Julio Borges, Präsident der Nationalversammlung, haben nicht einmal 7% aller Wähler ihre Stimme abgegeben. Meldungen des Regimes, dass mehr als 8,5 Millionen Wähler zu den Wahlmaschinen strömten, bezeichnete er als nachweisbare Lüge. Live im Fernsehen unterlief Maduro eine mehr als peinliche Panne. Er wollte die „gute sozialistische Organisation“ demonstrieren und ließ für die Stimmabgabe seinen Ausweis scannen – nach wenigen Sekunden erschien die digitale Anzeige: „Diese Person existiert nicht oder der Ausweis wurde annulliert.“

Aufgrund der brutalen Repression hat die Opposition einen geplanten Protestmarsch in Caracas abgebrochen. Oppositionspolitiker Leopoldo López rief die internationale Gemeinschaft auf, die „betrügerische“ Konstituierende Versammlung zu ignorieren. Die Nachrichtenagentur „AFP“ meldet, dass ein junger Oppositionspolitiker getötet wurde.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    thor

    was wohl die deutsche LINKE dazu sagt…

  2. 2
    Der Bettler

    Das ist mir sche… egal was die deutsche Linke dazu sagt.In Venezuela geht der Völkermord erst richtig los,das zu verhindern wäre viel wichtiger,wie auch immer.

    • 2.1
      noesfacil57

      Es ist allerdings völlig ohne Belang, was irgendwelche „Dummbratzen“ in Deutschland oder sonstwo dazu sagen, seien diese nun von LINKS oder von RECHTS und/oder que se yo de donde.
      Das weitere Morden, den Hunger und die Verbrechen an den Kindern zu verhindern und vieles mehr, ……….das wäre jetzt wirklich wichtig!!!

  3. 3
    Mark

    in Venezuela wurde schon immer gemordet, Caracas seit eh und je die gefährlichste Haupstadt der Welt, was soll etz das gejammere?

    • 3.1
      Luis Semioni

      Sie sollten die Medikamente wechseln, aber hurtig. Desweiteren: Kellertür abschließen.

    • 3.2
      noesfacil57

      Mit Verlaub, der Kommentar ist völlig entbehrlich und deplatziert. Einfach nur Schwachsinn in diesem Zusammenhang!

    • 3.3
      Ralph Langrock

      Was ist denn dieser Mark für ein Ixxxxxxxx?! Es ist eine Sauerei, solchen Mist zu verbreiten!
      Caracas war nicht „schon immer die gefährlichste Hauptstadt der Welt“. Als ich vor 20 Jahren das erste Mal dort war, konnte ich ohne Probleme frei durch die ganze Stadt spazieren. Seither wurde es von Jahr zu Jahr gefährlicher – was damit zu tun hat, dass die Menschen (unter Chavez und Maduro) immer ärmer wurden.

      • 3.3.1
        annaconda

        Vor 20 Jahren gab es ca.4000 Morde im Jahr in ganz Venezuela.2017 dürfte bei über 30000 liegen! Zugegeben waren gewisse Viertel gefährlicher als andere Städte in Venezuela.Aber weltweit? Nicht nur die Armut ,sondern die systematische Bewaffnung der regierungstreuen Zivilbevölkerung durch die Chavistas hat die Kriminalität nicht nur in Caracas sondern allgemein in Venezuela ansteigen lassen.Die Unterstützung und Förderung des Verbrechens , ist eine Staatspolitik mit dem Ziel der Kontrolle der Bevölkerung.Staatsterror und Paramilitärs , haben am Wochenende dies vor allem in der Andenregion umgesetzt.

  4. 4
    Der Bettler

    @ Mark,wir wissen daß Caracas eine der gefährlichsten Hauptstädte weltweit ist,und wer jammert denn hier ? Ich und viele Andere haben nur eine riesen Wut auf diesen Regierungsverbrecher mit seinen Schergen.Also ersparen Sie uns Ihre geistreichen Kommentare!!

    • 4.1
      colibri

      Auf diesen noch weniger geistreichen Beitrag hätte man noch eher verzichten können. Waren Sie, Herr Bettler, in den letzten Jahren schon einmal in Caracas oder verstecken Sie sich nur in Ihrer kleinen Bude auf Margarita?

      • 4.1.1
        Matthias

        ich denke man erkennt jetzt auch in den kommentaren wer wo wohnt und v.a. wo er NICHT wohnt. gruss aus chacao (Caracas)

  5. 5
    Bono

    Da läuft in diesen Stunden dramatisches ab und Ihr habt nichst Besseres zu tun, als Euch gegenseitig an zu pöbeln?

    • 5.1
      annaconda

      @Bono hat recht.Sehr dramatisch die Lage.In Tachira und Merida,viele Tote und Verletzte.Banden von Polizei,Militär und Paramilitärs fallen in Wohngebiete und kleine Dörfer ein.Unter den Erschossenen auch Kinder(durch Kopfschuss getötet). Ein wahres Massaker gegen unbewaffnete Bevölkerung.Im Bundesland Merida patrouillieren bewaffnete Zivilisten in Pic-ups mit Feuerwaffen eskoliert von Militärs durch die Strassen um Jagd auf Jugendliche zu machen.Wie lange wird die Welt noch zuschauen bei diesem Morden? Bis jetzt mindestens 12 Tote ,nur in Tachira und Merida sowie über 400 zum Teil schwer Verletzte.Und die Nacht ist noch lang.Es waren mehr Polizisten und Militärs wie Wähler auf den Strassen zu sehen.

  6. @Bono Recht haben sie. Die Lage ist wirklich dramatisch,die Wahllokale waren sehr leer.Es waren/sind mehr Militärs und Polizei auf den Strassen wie Wähler.Der Boykott der meisten Venezolaner dieser verfassungswidrigen Wahlen hat einmal mehr gezeigt ,dass das Maduro Regime keine Anhänger mehr hat.Aber wie ja vor ein paar Tagen von diesem Kriminellen angekündigt: Sollten wir mit Stimmen nichts erreichen, so aber mit Waffen. Dies wurde heute umgesetzt.Allein in Tachira und Merida mehr als 12 Erschossene,darunter mehere Kinder 13 ,15 Jahre mit Kopfschuss hingerichtet,sehr viele zum Teil Schwerverletzte.Und der Tag ist noch nicht vorbei.

  7. 7
    Rainer Boegner

    Es tut mir wirklich leid, was hier passiert. Busfahrer oder nicht, Herr Maduro hat nicht das Recht das Land auf diese Weise politisch zu verändern. Ich erlaube mir zu sagen, Herr Maduro ist ein Landesverräter und arbeitet gegen sein eigenes Volk, aus persönlicher Machtgier. Das Ausland kann leider nicht viel dagegen unternehmen, ausser mehr Aufmerksam auf Venezuela zu lenken. Die USA sollten alle OeliEinfuhren von Venezuela stoppen. Und die Oppostion sollte sich mehr einigen und nicht aus ca. 20 verschiedenen Parteien bestehen. Es geht um Venezuela and seine Leute, und nicht um persönliche Machteinnahmen. Ich wünsche dem Volk von Venezuela das aller Beste und Gottes Segen.

  8. Das was entscheidend ist und was wir hier wissen,gestern sind viele Menschen umgebracht worden! Die Wahllokale waren leer und die Strassen voll von Mördern. Nun verkünden sie eine Wahlbeteiligung von über 8 Millionen.Nicht mal zu Chavez besten Zeiten.Die Dreistigkeit dieser Verbrecher ist so gross,dass sie sich selbst geoutet haben.Damit ist auch den letzten Zweiflern klar,wie sie seit 2006 alle Wahlen gewonnen haben

  9. Uniformierte Berufsmörder sollte man nun wirklich nicht als „Sicherheitskräfte“ bezeichnen, wie im Artikel oben geschehen. Das haben ihre Opfer nicht verdient.

  10. 10
    Frank

    Die Frage ist, wer die Opposition bewaffnet hat. Immerhin sterben auch zahlreiche Polizisten. Es gibt in Venezuela aktuell keine guten und Bösen. Auch die Rechten und meist Bessergestellten haben Schuld an dem Dilemma.

    • Die dringendere Frage ist, wer Ihnen diesen Schwachsinn ins Hirn gesülzt hat. Vielleicht amerika21 oder RussiaToday?
      Dass venezolanische Polizisten und Nationalgarde nicht unsterblich sind, ist vielleicht das einzig Gute an ihnen. Die begehen nämlich 80% aller Gewaltverbrechen in ihrer Freizeit. Allein 6 Überfälle auf unsere Familie in 18 Monaten! Im Dienst kommen die längst nicht so viel zum Rauben, Morden und Misshandeln, wie in Zivil. – Wäre das venezolanische Volk qualitativ und quantitativ besser bewaffnet, sähe das anders aus. Allerdings hätten wir dann bereits massiven Militäreinsatz erlebt, vor allem durch kubanische Besatzer.

      • 10.1.1
        annaconda

        Danke für die Antwort Herr Bauer…….meine Kommentare gehen wegen Internetproblemen nicht raus.Angesichts des Terrors,welche wir schon lange,aber sehr intensiv die letzten Tage in den Anden vin Seiten der Poizei erleben ist man doch sehr sensibel gegenüber solchen Kommentaren.Manchmal wünschte ich mir die Opposition wäre bewaffnet.So köme es nicht zu den vielen Toten.Ich will hier keine Fotos linken,von den Opfern der letzten Tage,darunter Kinder hingetreckt mit Kopfschuss.Es würde wahrscheinlich viele zarten Seelen ihre wohlverdienten Sommerferien verderben.

    • 10.2
      noesfacil57

      Sie haben keinen blasse Ahnung, davon aber eine ganze Menge!
      Das Einzige, was man hier ergänzen kann ist, dass die sog. Sicherheitskräfte in YV noch nie besonders vertrauensvolle Zeitgenossen waren. Schon in den 1960-ger Jahren lautete bei Einbruch in CCS die Devise, lass bloß keine Polizei ins Haus, sonst wirst Du gleich nochmal beraubt.
      Das heute hat das aber ein ganz andere, völlig enthemmte und ausufernde Dimension, welche Ihresgleichen sucht und wirklich durch nichts zu rechtfertigen ist.

  11. Sehr interessant: Es gibt keine Guten und Bösen ! Wahrscheinlich waren sie noch nie mit Polizisten hier konfrontiert. Wenn Herren der Unsicherheitskräfte bei ihren Übergriffen mal ab und zu zu Schaden kommen,so handelt es sich meist um Notwehr.Gestern rammten Panzerfahrzeuge im Süden Meridas die Eingangstore eines Wohnkomplexes ein.Sie zerstörten Autos und Motorräder auf den Parkplätzen,traten die Türen der Appartements ein zerstörten Einrichtungen,bestahlen und verletzten die Bewohner.Aber das schlimmste sie entführten ca.20 Jugendliche aus ihrem Zuhause.Bis jetzt weiss niemand wo die Jugendlichen sind.Glauben sie wirklich ,wenn die „normale“ Bevölkerung bewaffnet wäre,sie würde dies zulassen?Gerüchte ,in Abwesenheit von Information ,gehen um.Angeblich hätten die Herren Polizisten/Militärs , diese Jugendliche in ein Lager gebracht und hingerichtet.Wir hoffen,das sind nur Gerüchte.Diese Überfälle auf Wohngebiete und kleine Andendörfer von Seiten der Polizei und Paramilitärs sind hier keine Ausnahme,sondern seit Jahren Gebrauch.Wenn sich da der Eine oder Andere eine Waffe besorgt, so hat dies nichts mit Opposition zu tuen, sondern mit Selbstverteidigung.Und wenn denn alle Schuld sind,so können wir ja getrost das Mörderregime von Maduro legitimieren.

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