Vom Kompost zum Kunststoff

chemie

Der brasilianische Chemiker Dr. Jean Marcel R. Gallo forscht als Humboldt-Stipendiat an der Universität Jena (Foto: Anne Günther/FSU)
Datum: 20. September 2017
Uhrzeit: 10:22 Uhr
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Autor: Redaktion
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Angesichts knapper werdender Rohstoffe machen sich immer mehr Forscher die Suche nach erneuerbaren Materialien in sämtlichen Lebensbereichen zur Aufgabe – einer von ihnen ist der brasilianische Chemiker Dr. Jean Marcel R. Gallo, der seit kurzem zu Gast an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) ist. Im Rahmen eines Capes-Humboldt-Forschungsstipendiums widmet er sich hier für ein Jahr der Erkundung einer alternativen Herstellungsmöglichkeit von Kunststoff.

„Plastik wird derzeit aus nicht erneuerbaren fossilen Rohstoffen hergestellt, die teuer sind und auf lange Sicht knapp werden“, erklärt Gallo. Bereits in den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass sich durch die Nutzung von Biomasse als erneuerbarer Kohlenstoffquelle die gleichen Monomere erhalten lassen, die die chemische Industrie für die Kunststoffherstellung nutzt. In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Winfried Plass am Institut für Anorganische und Analytische Chemie lotet Jean Marcel R. Gallo nun aus, welche Prozesse dabei ablaufen. Im Idealfall könne die Produktion von Plastik aus pflanzlichen Abfällen dadurch ihren Weg in die Industrie finden.

Neue Perspektiven in der Katalyse

Dr. Gallo, der im brasilianischen Campinas aufgewachsen ist, war schon 2016 für einen Monat in Jena. „Dabei haben wir gemerkt, dass eine Zusammenarbeit im Bereich der Katalyse sehr gut passen würde“, berichtet Prof. Plass, der zu metallhaltigen Verbindungen forscht, die für den Transformationsprozess der Biomasse notwendig sind. „Die Kooperation eröffnet auch für uns völlig neue Perspektiven im Bereich der Katalyse.“

Dem brasilianischen Forscher gefällt es sehr gut in Jena – zumal seine Partnerin, ebenfalls Capes-Humboldt-Forschungsstipendiatin, am hiesigen Max-Planck-Institut für chemische Ökologie tätig ist. Darüber hinaus findet er: „Die ganze Stadt riecht nach Wissenschaft mit der Uni und den vielen Forschungseinrichtungen.“ Ähnlich sei es an der Universität São Carlos, wo er seit 2013 als Professor unterrichtet. Seine Promotion schloss er 2010 in Italien und Brasilien ab. Seit seinem Post-Doc an der University of Wisconsin-Madison in den USA befasst er sich mit Strategien zur Anwendung erneuerbarer Rohstoffe – wie der Herstellung von Grundchemikalien für industrielle Prozesse und Kraftstoffe. In diesem Monat wird der 36-Jährige mit dem Catalysis Researcher Award der Brazilian Society of Catalysis ausgezeichnet, einem Preis für brasilianische Nachwuchswissenschaftler im Forschungsbereich der Katalyse.

Das Capes-Humboldt-Forschungsstipendienprogramm ist ein gemeinsames Stipendienprogramm der Alexander von Humboldt-Stiftung und der brasilianischen Wissenschaftsförderorganisation Capes (Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior). Neben Dr. Jean Marcel R. Gallo gibt es an der Uni Jena derzeit 17 weitere Stipendiaten der Humboldt-Stiftung.

Uni Jena belegt 33. Platz im Humboldt-Ranking

Im kürzlich veröffentlichten Ranking der Humboldt-Stiftung, das den Zeitraum von 2012 bis 2016 betrachtet, hat sich die Uni Jena erneut um mehrere Plätze verbessert und belegt nun den 33. Rang. Da sich die „Humboldtianer“ ihren Gastgeber selbst suchen, steht hinter jedem Aufenthalt die bewusste Entscheidung für eine deutsche Universität. „Unsere sich über die Jahre stetig verbessernde Platzierung im Humboldt-Ranking verdeutlicht unsere vielen internationalen Kontakte und unsere sehr gute Reputation im Ausland“, erklärt Dr. Claudia Hillinger vom Internationalen Büro der FSU. Das Ranking basiert auf der Anzahl der Gastwissenschaftler pro Hochschule und differenziert zusätzlich nach vier großen Wissenschaftsbereichen.

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