Sinkende Ölexporte: US-Wirtschaftssanktionen zeigen erste Wirkung

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Die venezolanischen Ölexporte in die USA sind seit Jahren rückläufig (Foto: Archiv)
Datum: 12. November 2017
Uhrzeit: 16:23 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die venezolanischen Ölexporte in die USA sind seit Jahren rückläufig, mit gewissen Höhen und Tiefen in einigen Monaten. Der Abwärtstrend hat sich in den letzten Wochen allerdings dramatisch verschärft, zudem zeigen die von Washington verhängten Wirtschaftssanktionen erste Wirkung. Nach aktuellen Angaben der „U.S. Energy Information Administration“ (EIA), eine dem Energieministerium der Vereinigten Staaten (Energy Information Administration) untergeordneten Behörde, lagen die venezolanischen Exporte in die USA in diesem Jahr durchschnittlich bei rund 690.000 Barrel pro Tag (bd). Dies ist laut der Agentur ein historischer Meilenstein im Rückgang der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. In der zweiten Oktoberwoche sanken die Ausfuhren von Rohöl aus Venezuela in die Vereinigten Staaten auf nur noch 255.000 Barrel, was einem Rückgang von 65 % gegenüber der gleichen Woche im Jahr 2017 entspricht.

Nach Schätzungen des Internationalen Energie- und Umweltzentrums (CIEA) bedeutet dieser Rückgang, dass die staatliche Petróleos de Venezuela (Pdvsa) in diesem Zeitraum 10,35 Milliarden US-Dollar nicht mehr erhalten hat. Unnötig zu erwähnen, was dies für die angeschlagene Wirtschaft Venezuelas bedeutet. Laut OPEC betrug die venezolanische Ölförderung im September 2017 rund 2,1 Milliarden Barrel, im selben Monat des Jahres 1998 waren es 3,5 Milliarden Barrel. Ein weiterer Faktor, der den Verlust des nordamerikanischen Marktes beeinflusst, ist die Politik der USA. Washington hat Ölimporte generell reduziert, da die inländische Produktion steigt. In den letzten Tagen hat sich auf diesem Niveau eine gewisse Stabilisierung vollzogen, doch Tatsache ist, dass die USA doppelt so viel produzieren wie 2008.

Die USA sind zudem einer der wenigen PDVSA-Kunden, die Bargeld oder Deviseneinnahmen in die Kassen des von der Staatspleite bedrohten Regimes spülen. Der Verlust dieses Marktes verschärft die finanzielle Situation des einst reichsten Landes in Lateinamerika noch mehr, als sie ohnehin schon ist. Caracas hat begonnen, Strategien zu entwickeln, um die schrumpfenden Öltransporte nach Russland, China und Indien umzuleiten. Mit diesen Staaten sind keine wirtschaftlichen Sanktionen verbunden. „Wenn Venezuela den Zahlungsausfall erklärt ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Länder ihre Tanker beschlagnahmen, gering“, analysiert der Ökonom Luis Oliveros, Professor für Erdölökonomie an der Zentraluniversität von Venezuela, in der Tageszeitung „El Observador“.

In den letzten Tagen verbreitete sich die Nachricht, dass die venezolanische Regierung in einer beispiellosen Verhandlung Raffinerien wegen mangelnder finanzieller Ressourcen zehn Jahre lang an Russland und China „verleast“ hat. Mitglieder der venezolanischen Ölunion legten Beschwerde ein, aber offizielle Sprecher der PDVSA haben die Meldungen bisher nicht bestätigt oder dementiert. „Ich wäre nicht überrascht, wenn die Regierung einen Teil der Kontrolle über den Complejo Refinador de Paraguaná übergeben würde. Russland und China sind bereit zu investieren. Etwa sieben Milliarden US-Dollar würden dadurch generiert und die Rückzahlung der venezolanischen Schulden wäre sichersgestellt. Wenn eine Vereinbarung dieser Art erreicht werden würde, wird die venezolanische Regierung sicherlich nicht sagen, dass es sich um eine Privatisierung handelt. Dies würde gegen die Ideologie des Regimes verstoßen deshalb werden sie von einem langfristigen Wirtschaftsplan sprechen, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen“, so Luis Oliveros.

Der Paraguaná Raffinationskomplex ist der größte in Venezuela und nach Jamnagar in Indien der zweitgrößte der Welt. Seine Verarbeitungskapazität liegt bei fast 960.000 Barrel Raffination.

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