Post-Chavismo und Interne Kriegsführung: Was steckt hinter Maduros Säuberungen – Update

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Die Unterstützung für Staatsoberhaupt Maduro ist in den letzten Monaten ständig gebröckelt (Foto: Archiv)
Datum: 05. Dezember 2017
Uhrzeit: 12:43 Uhr
Leserecho: 14 Kommentare
Autor: Redaktion
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Im südamerikanischen Land Venezuela findet eine Machtkampf mit einhergehender großangelegter Säuberungsaktion statt. Der Miraflores-Palast spricht über den Kampf gegen die Korruption, doch hinter dieser „Reinigung“ verbirgt sich ein Kampf in den Eingeweiden der bolivarischen Revolution: der große Kampf um die Macht, der durch die Nähe der Präsidentschaftswahlen noch verstärkt wird und mit dem die immer größere werdende Zahl der Feinde, die eine Führung von Maduro in Frage stellen, aus dem Weg geräumt werden.

Im einst reichsten Land Lateinamerikas könnte die Inflation in diesem Jahr 2.000% übersteigen, die Menschen haben nichts zu essen und ein kriminelles Regime hat bereits für eine Generation unterernährter Venezolaner gesorgt. In den letzten 18 Jahren hat das Regime nichts unternommen, um die Korruption im Land zu stoppen. Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA generiert mit ihren Exporten 95% der US-Dollar, die der Staat erhält. Daraus ergibt sich alles: das Geld für den Import von Lebensmitteln, die Finanzierung von Sozialplänen, das Geld für die Propagandamaschinerie des Regimes und vor allem das Geld für die gierigen Beamten/Regierungsmitglieder, die sich Milliarden von US-Dollar unter den Nagel gerissen haben.

Die Unterstützung für Staatsoberhaupt Maduro ist in den letzten Monaten ständig gebröckelt, der auf Kuba ausgebildete Marxist hält sich nur noch mit Unterstützung des Militärs an der Macht. Das Militär in Venezuela befindet sich nicht hauptsächlich in der Kaserne, es verwaltet die Wirtschaft, hat seine Finger im internationalen Drogenhandel und nimmt nun auch noch eine führende Rolle in der Erdölindustrie ein.

Für den Ökonomen Luis Olivares „gibt es hier keinen Kampf gegen die Korruption, dies ist ein interner Kampf. Das neue Management der PDVSA hat nicht die geringste Ahnung vom Ölgeschäft. Das Militär wollte schon immer in die PDVSA hineinkommen und jetzt verwalten sie eine Menge Geld und Macht – das ist keine gute Nachricht. Maduro räumt mit der Korruption in keinster Weise auf, er kämpft lediglich um sein politisches Überleben. Das Militär, das den Ring um den Präsidenten bildet anstatt ihn zu beschützen, scheint ihn gefangen zu halten und zweifellos ist Maduro eine Geisel der Dämonen, die er selbst geschaffen hat“.

Update, 6. Dezember

Venezuelas Botschafter bei der UNO, Rafael Ramirez, Ziel von „Vorwürfen der Korruption“ innerhalb der staatlicher Ölgesellschaft PDVSA, ist auf Antrag von Präsident Maduro von seinem Amt zurückgetreten. Ramirez, ehemaliger Ölminister, Präsident der PDVSA und einst glühender Anhänger von Ex-Präsident Hugo Chávez, war heftiger Kritiker der verfehlten Wirtschaftspolitik in seinem Heimatland und hatte bereits vor Tagen auf seinem Twitter-Account die vom Regime veröffentlichten Daten/Statistiken in Frage gestellt und den Rücktritt von Maduro gefordert.

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Kommentarbereich

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  1. „Das neue Management der PDVSA hat nicht die geringste Ahnung vom Ölgeschäft.“ Absolut richtig! Und das bisherige auch nicht.

    Was die aber sehr gut verstehen, ist eine Tankerladung voller minderwertigem, einheimischem Rohöl als hochwertigen, raffinierten Treibstoff zu deklarieren, deklariert zu einem Vielfachem des tatsächlichen Wertes der Ladung. Diese Summe wird dann auch überwiesen. Kompensiert wird die Differenz durch einige Tonnen harter Drogen, die sich auch an Bord des Tankers befinden. Den Rest des Prozedere muß ich nicht weiter ausmalen…

  2. 2
    noesfacil57

    @ Redaktion: Kompliment, eine gute, vor allem sehr sachliche Analyse und Darstellung der überaus hässlichen aber leider realistischen Situation.
    Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

  3. 3
    thor

    und das wird weiter so laufen, bis, ja bis die USA kein Öl mehr kaufen. Aber diese Götterdämmerung wird, falls überhaupt, noch lange auf sich warten lassen…

  4. Wieso wird Venezuela nicht einfach in die Knie bombardiert, wie einst Serbien? Oder Panama?

    • 4.1
      alexandro

      mit Bomben löst man keine Probleme, ich kann das sagen, habe als Jugendlicher die höllischen Auswirkungen des 2. Weltkrieges miterlebt.

      • 4.1.1
        Bono

        Absolut Richtig!!!
        Mit Krieg löst man keine Probleme und es gibt immer nur Verlierer. Auch beim Sieger.

      • 4.1.2
        Bono

        Eine Patentlösung habe ich natürlich auch nicht parat.
        Ein massiver Generalstreik im ganzen Lande wäre vielleicht ein Ansatz.
        Hoffe, die Venezolaner kommen möglichst bald und einigermassen friedlich über dieses Elend hinweg.

    • Nun, gerade im 2. Weltkrieg in Deutschland haben Bomben Probleme gelöst. In der heutige Situation in Venezuela wäre dies unendlich viel einfacher. Man bräuchte nicht das Land und seine Menschen zu zerbomben. Mit einigen, wenigen zielgelenkten Bomben und Cruise Missiles wäre die zivile und militärische Führung des Landes ihre wichtigsten Infrastruktur beraubt und als Folge, blind, taub und wehrlos. Mit einer Kombination von Spezialeinheiten am Boden und Drohnen in der Luft wäre der Rest ganz schnell ausgeräuchert. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Schwabbelbäuche der PSUV und die Mehrheit ihrer Anhänger in den Busch flüchten und einen Guerillakrieg starten würden.

      Die Ausräucherung von FARC und ELN wäre da weitaus schwieriger. Doch wenn Sie in Venezuela weder Waffen, noch Geld mehr finden, sondern nur noch den Tod, sind auch deren Tage gezählt.

      Was bliebe, wäre dafür zu sorgen, daß aus Kuba niemals mehr Tod und Verderben in andere Länder exportiert wird!

      • 4.2.1
        Bono

        Ich würde mir auch einen roten Knopf wünschen, auf dem man einfach drauf drückt, damit man Maduro, Cabello und den ganzen Rattenschwanz in einem auslöschen könnte.
        Ja die Amis haben uns von dem Naziterror befreit. Aber für welchen Preis?
        Am D-Day waren es schon 4000 Tote, die völlig unötig gestorben sind.
        Es muss anders gehen und das ist möglich. Siehe DDR.
        Obwohl ich aus dem Rheinland stamme war ich live (Berlin 09.11.89) dabei.

      • 4.2.2
        Martin Bauer

        Und somit überlassen Sie fatalistisch die Gewalt den anderen? Jeder Realist weiß, daß eine friedliche Befreiung Venezuelas nicht möglich ist. Und fast alle hier werfen den Venezolanern Feigheit und Untätigkeit vor. Aber die Idee, das Land mit Gewalt zu befreien, wird verworfen, obwohl sie die einzig erfolgversprechende Methode wäre!

        Linke, vor allem, predigen stets Gewaltfreiheit, solange es gegen sie und ihre Gesinnungsgenossen geht. Sie selber aber setzen sich über jedes Recht und Gesetz hinweg, da sie ja die einzig richtige Wahrheit für sich gepachtet haben, genau wie islamistische Fanatiker, und sind so längst zur gewalttätigsten Gruppe der Menschheit geworden.

      • 4.2.3
        Martin Bauer

        Die Auflösung der sogenannten DDR wurde von Reagan und Gorbatschow beschlossen. Dem Volk fiel dabei nur eine Statistenrolle zu. Es soll sich keiner in Deutschland einbilden, er hätte dazu beigetragen, das von Moskau eingesetzte Terror-Regime zu überwinden. Mir ist nicht ein einziger Fall in der Weltgeschichte bekannt, wo ein Volk sich von einem kommunistischen System aus eigener Kraft befreien konnte. Stets waren Stärkere von Aussen am Hebel der Macht oder an der Waffe.

  5. 5
    Bono

    Wären unsere Ostdeutschen Mitbürger damals nicht so massiv auf die Strasse gegangen, hätten Gorbi und Reagan gar nicht über eine Wiedervereinigung nachgedacht.

    • Bei allem Respekt, Bono, die Geschichte verlief völlig anders: Zuerst hatten Reagan und Gorbi die Öffnung der Mauer beschlossen, letzterer entzog daraufhin dem verständnislosen Honnegger die weitere Unterstützung („Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ sagte er zu ihm.) Danach hat in Leipzig die evangelische Kirche den Auftrag erhalten, zu montaglichen treffen aufzurufen. Da aus besagten Gründen eine harte des Regimes ausblieb, was vorher undenkbar gewesen wäre, kamen immer mehr Bürger und die Sache weitete sich aus. Das Ganze war geplant, vorbereitet und organisiert, das Volk lediglich ein Heer von Statisten. Wäre es zuhause geblieben, wäre die Mauer auch gefallen.
      Die Wiedervereinigung war ein weiterer Schritt, den nicht alle ausländischen Regierungen wollten. Die Entwicklung ist ja hinlänglich bekannt, bis auf ein paar geheime schmutzige Deals in diesem Zusammenhang, die nur teilweise ans Licht kamen, wie die Übergabe der LEUNA Werke and Frankreich.

    • 5.2
      noesfacil57

      Es ist schon immer wieder erstaunlich und sehr erhellend, die speziellen Interpretationen und Absondrungen zur Geschichtsschreibung, egal ob in Europa, oder Lateinamerika eines Sr. „Campesino“ hier „genießen“ zu dürfen. Insbesondere hat der Mann auch immer das Alleinstellungsmerkmal, ich habe Recht und alle anderen sind dumm, Kommunisten oder Massenmörder, bzw. der letzte Dreck gepachtet. Merkwürdig in diesem Fall ist, wie natürlich fraglos Fakten zzgl. einer gehörigen Priese Eigeninterpretationen zu einem Süppchen zusammengebraut werden, welche sodann über zahlreiche Beiträgen hinweg als die einzige und natürlich glückseeligmachende Wahrheit dargestellt werden. An was erinnert mich das bloß, irgendwoher kenne ich das………!?