Georisiken besser verstehen: Die Anden im Fokus

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Auf der ganzen Welt drängen Menschen in die Städte und bilden immer dichter besiedelte Regionen (Foto: Latinapress)
Datum: 07. Dezember 2017
Uhrzeit: 13:26 Uhr
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Autor: Redaktion
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Auf der ganzen Welt drängen Menschen in die Städte und bilden immer dichter besiedelte Regionen. Eine Naturgefahr bedroht dadurch auch immer mehr Menschen – das Risiko betroffen zu sein nimmt seit Jahrzehnten weltweit zu. Eine Katastrophe kommt dabei selten allein: ein Hochwasser kann einen Erdrutsch auslösen oder ein Erdbeben kappt die Strom- und Wasserversorgung, so dass sich Situationen für Betroffene und Einsatzhelfer verschärfen können. Die mögliche Tragweite solcher Eskalationsketten zeigt die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011, bei dem zuerst ein Erdbeben eine Tsunamikatastrophe an der japanischen Küste auslöste und daraufhin das Kernkraftwerk havarierte.

Um Wechselwirkungen von Katastrophenfällen besser verstehen und vorhersagen zu können, entwickelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Projektpartnern ein Multi-Risiko-Informationssystem: Das Projekt „RIESGOS“ (spanisch, „Risiken“) hat zum Ziel, die Informationsgrundlagen für das Management von Naturkatastrophen zu verbessern und Strategien zur Vermeidung oder Minderung von Risiken zu entwickeln. Anhand von webbasierten Anwendungsdiensten sollen Entscheidungsträger und Akteure künftig Gefahrenanalysen für die Gesamtsituation erstellen und Szenarien mit komplexen Risikoverkettungen simulieren können. Bisherige Risiko-Informationssysteme berücksichtigen meist nur einzelne Komponenten. Ein neuartiges System entsteht nun als Prototyp für die von Naturkatastrophen besonders gefährdete Andenregion in Chile, Peru und Ecuador.

„In den kommenden drei Jahren gehen wir der Frage nach, welche Gefahren durch Naturkatastrophen entstehen können und entwickeln wissenschaftliche Methoden zur Bewertung der verschiedenen Risiken. Ich bin schon gespannt darauf, aus den Details der einzelnen Fachbereiche ein Gesamtbild zu gewinnen. Damit können wir einen für die Gesellschaft wichtigen Beitrag zur Risikominimierung von Naturgefahren leisten. Das wird die Forschungsarbeiten auch über das Projekt hinaus vorantreiben“, erklärt RIESGOS-Projektleiterin Dr. Elisabeth Schöpfer vom Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum des DLR. Rund 40 nationale und internationale Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen bündeln dazu ihre Kompetenzen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Am DLR in Oberpfaffenhofen ist RIESGOS am 7. Dezember 2017 mit einem Kickoff-Meeting eingeläutet worden.

Innovation und Wertschöpfung

Die Gefahren bedingen sich dabei nicht nur gegenseitig, sondern haben auch kaskadierende Effekte, .das heißt es entstehen Kettenreaktionen. Die aufgrund ihrer geographischen Lage stark durch Naturkatastrophen gefährdete Region der Anden trifft das schwer.

„Die internationale Zusammenarbeit ist von grundlegender Bedeutung, um die Prozesse in der Risikominimierung zu verbessern und mögliche Auswirkungen von künftigen Naturkatastrophen vorzubeugen. Außerdem werden die Arbeiten von RIESGOS dazu beitragen, die Erkenntnisse zur Bewertung komplexer Zusammenhänge zwischen physikalischen Phänomenen und den sozialen und ökonomischen Systemen besser zu verstehen und weiterzuentwickeln. Dadurch können wir die Wirksamkeit von Maßnahmen und Strategien zur Risikominierung erhöhen. Als Exzellenz-Forschungszentrum, gefördert von der Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica, ist CIGIDEN stolz darauf in dieser internationalen Kooperation mitzuarbeiten“, so Dr. Rodrigo Cienfuegos, Direktor des Research Center for Integrated Disaster Risk Management (CIGIDEN) und außerordentlicher Professor an der Pontificia Universidad Católica de Chile.

Entlang der Frage „was passiert, wenn…“ erarbeiten die RIESGOS-Projektteams daher Szenarien von Hochwassersituationen, Hangrutschungen, Vulkanaktivitäten, Erdbeben, Tsunamis und ihren gegenseitigen Wechselwirkungen. Die Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen nutzen eine Vielfalt unterschiedlicher Daten, unter anderem hochaufgelöste optische Fernerkundungsdaten und Radardaten, so dass lokale Untersuchungsgebiete auf regionale und nationale Ebenen erweitert werden können.

„Nur durch langfristig angelegte, interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachgruppen in Deutschland und Südamerika können wir sicherstellen, dass wir die Auswirkungen von Natur-Extremereignissen auf die Gesellschaft besser verstehen und perspektivisch eingrenzen können. Zum Beispiel durch nachhaltiges Landmanagement und weitsichtige Stadtplanung, die die Vulnerabilitäten und das Risiko kennt und entsprechend berücksichtigt“, sagt Prof. Dr. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums im DLR.

Die Arbeiten in Deutschland erfolgen in enger Abstimmung mit den südamerikanischen Partnern. Ihre Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen ist zentral für die bedarfs- und praxisorientierte Ausrichtung von RIESGOS. So zielt das Projekt nicht allein auf die Entwicklung von innovativen technischen Systemkomponenten und Webdiensten. Es gilt auch Anwendungspotenziale für den deutschen sowie südamerikanischen Markt herauszuarbeiten. Dienstleistungen, die auf den Multi-Risikoanalysen von RIESGOS basieren, sollen die Wertschöpfungskette des Forschungs- und Entwicklungsprojekts zukünftig noch erweitern.

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