Venezuelas Ölindustrie bricht auseinander

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Die Petróleos de Venezuela S. A. ist die größte Erdölgesellschaft Lateinamerikas und Venezuelas größter Exporteur (Foto: Archiv)
Datum: 21. Dezember 2017
Uhrzeit: 14:51 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Korruption innerhalb der venezolanischen staatlichen Ölindustrie – von der Regierung selbst und von ehemaligen Ministern und leitenden Managern gefördert – ist der jüngste Beweis dafür, dass in dem Land mit den größten Ölreserven auf der Erde die Ölindustrie auseinander bricht. Im Dezember 2013 lag die venezolanische Produktion laut der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bei 2.894.000 Barrel pro Tag, gegenüber 1.837.000 im November 2017. Bis zum Jahr 2018 könnte die Produktion um weitere 250.000 Barrel pro Tag sinken, der Linkspopulismus hat dem einst reichsten Land Lateinamerikas bereits den Todesstoß versetzt. Venezuela, das als Mitbegründer der OPEC im Jahr 1960 der größte Rohöl-Exporteur der Welt war, wird nun zu einem fast irrelevanten Spieler auf dem globalen Markt.

Dies trotz der Tatsache, dass das Land an der Nordküste Südamerikas mit dem 55.000 Quadratkilometer großen Orinoco-Öl-Gürtel die größte bekannte Lagerstätte von flüssigen fossilen Brennstoffen hat (geschätzte 1,4 Billionen Barrel extrem schweres Rohöl, einschließlich nachgewiesener Reserven von 270 Milliarden Barrel). Öl ist praktisch das einzige Exportprodukt Venezuelas, das 95 Prozent der Deviseneinnahmen ausmacht und bis Mitte dieses Jahrzehnts mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der größte Teil des Geschäfts liegt in den Händen des staatlichen Unternehmens Petroleos de Venezuela (PDVSA), das einige Partnerschaften mit transnationalen Konzernen unterhält.

Präsident Nicolás Maduro begann am 28. November dieses Jahres innerhalb der PDVSA mit einer Säuberungsaktion. Mit der Leitung des Unternehmens wurde ein General beauftragt, der von der Ölindustrie keine Ahnung hat. Erklärtes und vorgegebenes Ziel für Manuel Quevedo ist es, die von der OPEC für 2017-2018 zugeteilte Quote von 1.970.000 Barrel pro Tag zu erfüllen. „Nur um die derzeitige Produktion von 1,85 Millionen Barrel pro Tag aufrecht zu erhalten – ganz zu schweigen davon, sie zu erhöhen – müssen zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar in die marode Industrie injiziert werden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn dieses Geld ist nicht vorhanden“, so Alberto Cisneros, CEO der Ölberatungsfirma Global Business Consultants.

Mit einer in Trümmern liegenden Wirtschaft, einer vierstelligen Inflationsrate, verschiedenen simultanen Wechselkurssystemen für eine täglich fallende Währung, einem Mangel an Nahrungsmitteln, Medikamenten und lebensnotwendigen Gütern sowie einer Auslandsverschuldung von mehr als 100 Milliarden Dollar hat Venezuela nicht die notwendigen Ressourcen, die die Industrie braucht.

Eines der gravierendsten Probleme ist der absurd niedrige Benzinpreis im Land, der billigste der Welt. Ein Liter kostet nur einen Bolívar, der zum offiziellen Wechselkurs etwa 10 Cent entspricht (Schwarzmarkt einem Tausendstel Cent). Mit einem US-Dollar könnte man 100.000 Liter kaufen, dem Schmuggel nach Kolumbien, Brasilien und in die Karibik sind Tür und Tor geöffnet. Die Kosten für den Verkauf einer halben Million Barrel Treibstoff pro Tag zu diesem niedrigen Preis bedeuten für die PDVSA einen Verlust von 12 bis 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

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  1. 1
    Gringo

    „Nur um die derzeitige Produktion von 1,85 Millionen Barrel pro Tag aufrecht zu erhalten – ganz zu schweigen davon, sie zu erhöhen – müssen zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar in die marode Industrie injiziert werden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn dieses Geld ist nicht vorhanden“,

    .Das Geld ist vorhanden, nur Madburro und Co. sitzen darauf.

    • Es ist genug Geld vorhanden, um die gesamte venezolanische Ölindustrie in die modernste der Welt zu verwandeln und die russische dazu, nachdem man sie komplett aufgekauft hat. Nur geben die Halunken an der Macht ihre Erlöse aus Drogenhandel und Geldwäsche für so wenig lukrative Dinge nicht aus.

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