Beteiligung europäischer Gelder an Landgrabbing und Umweltzerstörung

brasilien

Landwirtschaftliche Flächen im Grenzgebiet der Staaten Bahia und Tocantins (Luftbild: European Space Agency)
Datum: 23. Januar 2018
Uhrzeit: 11:00 Uhr
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Autor: Redaktion
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Bei einer Recherche in Brasilien wurden im Herbst vergangenen Jahres schwere Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, die durch Investitionen europäischer Pensionsfonds mitverursacht wurden. Nun kommt eine internationale Delegation nach Europa, um die Hintergründe zu untersuchen. Auch Gespräche mit der Bundesregierung stehen auf dem Programm.

Im vergangenen September haben 30 Menschenrechts-Experten die sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Konsequenzen der massiven Ausweitung des Soja- und Zuckerrohr-Anbaus in der brasilianischen Region MATOPIBA* recherchiert. Dabei wurden Landgrabbing, Spekulation und weit verbreitete Fälschungen von Landtiteln dokumentiert. Einen relevanten Anteil an dieser Entwicklung haben die Gelder internationaler Pensionsfonds, unter anderem aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden (siehe den vorläufigen Bericht). Um die Hintergründe zu recherchieren, startet die Delegation heute eine zweite Mission, diesmal in mehreren europäischen Ländern. Das internationale Team wird die Beteiligung von Pensionsfonds an der Landnahme in MATOPIBA sowie die gesetzlichen Regelungen in den verschiedenen Ländern untersuchen. Am Donnerstag und Freitag befinden sich die Menschenrechts-Experten für Gespräche mit Abgeordneten und der Bundesregierung in Berlin.

Pensionszahlungen durch Menschenrechtsverletzungen?

Wie aus einer kürzlich im Europäischen Parlament vorgestellten Studie hervorgeht, stehen hinter der Finanzierung und Umsetzung von Landgeschäften unterschiedlichste Akteure. Insbesondere Pensionsfonds haben seit der Finanzkrise verstärkt in Land und in den Agrarsektor investiert. Pensionsfonds halten derzeit weltweit über 32 Billionen US Dollar.

Die Rolle der Fonds in der Region MATOPIBA führt die Delegation zu wichtigen Fragen: Ist den Anlegern bewusst, dass ihre Gelder Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen befördern? Was tun die europäischen Staaten, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen, Menschenrechtsverletzungen nationaler Unternehmen und Fonds zu verhindern?

Die Recherchen in Brasilien haben gezeigt, dass die Agrarindustrie das soziale Gefüge und das Ökosystem der MATOPIBA-Region dramatisch verändert hat. Die Agrar-Expansion führt zu Vertreibungen, dem Verlust der Artenvielfalt, Pestizidverunreinigungen, schwindenden Wasservorräten und Gesundheitsschäden. Dies fügt sich in den weltweiten Trend, wonach Land mehr und mehr ein Renditeobjekt für internationales Finanzkapital darstellt und immer weniger für Ernährung und ein Auskommen lokaler Gemeinden zu Verfügung steht.

#CaravanaMatopiba landet in Europa

Die internationale Delegation, die von FIAN International und FIAN-Sektionen in den Niederlanden, Deutschland und Schweden koordiniert wird, startet ihre Reise in Amsterdam. Es folgen Stationen in Brüssel, Berlin und Stockholm. Die Gespräche sollen einen Austausch mit staatlichen und europäischen Behörden sowie den beteiligten Pensionsfonds ermöglichen und diese mit den Ergebnissen der letztjährigen Mission konfrontieren.

MATOPIBA bezieht sich auf die nordöstliche Region Brasiliens, die den Bundesstaat Tocantins und angrenzende Gebiete in den Bundesstaaten Maranhão, Piauí und Bahia umfasst. #CaravanaMatopiba wurde von FIAN International und Rede Social de Justiça e Direitos Humanos, FIAN Brasilien und Comissão Pastoral da Terra (CPT) Piauí organisiert und wird unterstützt von: Action Aid International und Brasilien, Aidenvironment; Cáritas Regional do Piauí; CPT Nacional; Paulo de Tarso (EFPT – PI); Federacção dos Agricultores Familiares (FAF); Federacção dos Trabalhadores Rurais na Agricultura (FETAG-PI); KORN; HEKS / EPER Internationales Institut für Sozialwissenschaften; La Via Campesina International und CLOC-La Via Campesina Brasilien, Maryknoll, Paróquia de Santa Filomena, Instituto Comradio do Brasil; Obra Kolping Piauí; Sindicato dos Trabalhadores Ruiren de Santa Filomena; Vara e Procuradoria Agrária – PI, PROGEIA (Santa Filomena), sowie die Sektionen von FIAN International in Deutschland, den Niederlanden und Schweden.

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