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Im Wasser lebende Faultiere waren Dickschädel

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Die Fauna an der Westküste Zentralsüdamerikas war im Miozän und bis zu Beginn des Pleistozäns (vor etwa 23-4 Millionen Jahren) sehenswert, denn am Ufer bewegten sich seltsame Tiere wie das im Meer lebende schweinsgroße Faultier Thalassocnus (Foto: Agência Sorocaba)
Datum: 09. Mai 2018
Uhrzeit: 13:36 Uhr
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Autor: Redaktion
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Forscher des Museums für Naturkunde Berlin und des Muséum national d’Histoire naturelle Paris untersuchten fossile Knochen eines im Wasser lebenden Faultieres. Das Skelett von Thalassocnus weist eine außergewöhnliche Dichte auf. Einzigartig ist die Verdickung und Verdichtung von Schädelknochen inklusive Nasenmuschelknochen der Nasenhöhle. Diese anatomische Besonderheit hat man bisher bei keinem anderen Tier gefunden und wirft ein neues Licht auf unser Verständnis der evolutionären Anpassung an das Leben im Wasser. Faultiere sind Säugetiere, von denen heute nur noch einige kleine, auf Bäumen lebende Arten in Zentrallateinamerika zu finden sind. Unter ihren ausgestorbenen Verwandten gab es jedoch eine viel größere Vielfalt. So hatte beispielsweise das am Boden lebende Riesenfaultier Megatherium die Größe eines Elefanten, und es gab sogar einen im Wasser lebenden Zweig.

Die Fauna an der Westküste Zentralsüdamerikas war im Miozän und bis zu Beginn des Pleistozäns (vor etwa 23-4 Millionen Jahren) sehenswert, denn am Ufer bewegten sich seltsame Tiere wie das im Meer lebende schweinsgroße Faultier Thalassocnus. In der geologischen Pisco-Formation (Peru) wurden Dutzende von Skeletten dieses Säugetiers gefunden, von dem fünf Arten vor etwa acht bis vier Millionen Jahren lebten. Die Forscher erstaunte, dass die Extremitätenknochen und Rippen dieser Faultiere auf ein Leben als tauchende Meeresbewohner hindeuteten. Einige der sonst üblichen Hohlräume in den Knochen waren teilweise mit Knochengewebe ausgefüllt, was ihnen eine höhere Dichte verlieh. Die Knochen ihrer nächsten an Land lebenden Verwandten, die Riesenfaultiere, sind poröser und damit leichter. Nun gelang es Forschern mithilfe hochauflösender Computertomographie (µCT), die innere Struktur des Schädels der Meeresfaultiere sichtbar zu machen. „Die Forschungserkenntnisse die wir vermitteln können übertrafen unsere Erwartungen und machen neugierig, welche Erkenntnisse die noch tiefere Erforschung dieser außergewöhnlichen Fossilien bringt“, so Postdoktorand Eli Amson vom Museum für Naturkunde Berlin.

Der Schädel der meisten landlebenden Säugetiere, beispielsweise noch lebender Faultiere, hat recht dünne Wände und umschließt Hohlräume im Stirn- und Nasenbereich, die Nebenhöhlen. Bei den im Wasser lebenden Faultieren sind die Schädelwände verdickt und die Nebenhöhlen teilweise mit dichtem Knochenmaterial ausgefüllt. Außerdem umschließt bei den meisten landlebenden Säugetieren die Nasenhöhle die Nasenmuschelknochen, zarte Knochenröhren, die einzig dazu dienen, die Nasenschleimhaut zu stützen und den Austausch zwischen Atemluft und Blutkreislauf zu ermöglichen. Daher war es eine große Überraschung, dass selbst diese Knochen in der Nasenhöhle des Thalassocnus auffällig verdickt waren. Ein besonderer Vorteil der Verdickung der Nasenmuscheln lässt sich nicht erkennen. Die Autoren erklären diese Merkwürdigkeit damit, dass die Zunahme an Knochenmasse eine systemische, also das Gesamtskelett erfassende Anpassung an die marine Umgebung der Faultiere gewesen sein könnte.

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