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Viele venezolanische Flüchtlinge werden in Brasilien wie Sklaven behandelt

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Venezolanische Flüchtlinge überqueren die Grenze zu Brasilien (Foto: Conectas)
Datum: 11. Mai 2018
Uhrzeit: 16:20 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Aufgrund der schwierigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation in Venezuela verlassen immer mehr Menschen das einst reichste Land Lateinamerikas. Seit dem Jahr 2014 suchten bereits über 1,5 Millionen Venezolaner, also etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Venezuelas, Schutz in den Nachbarstaaten. Aktuell sind es rund 4.000 Personen, die jeden Tag die Grenzen überqueren. Die Neuankömmlinge brauchen dringend Unterkünfte, Nahrung und medizinische Hilfe. Unter dem Titel „Wir müssen die Sklaverei der Venezolaner in Brasilien stoppen“, veröffentlichte die amerikanische Zeitung „The New York Times“ einen ausführlichen Artikel über die aktuelle Situation venezolanischer Flüchtlinge.

Für Tausende von ihnen führt der Weg durch ein isoliertes Gebiet, in dem Viehzüchter, Minen betreiber und Menschenhändler die Verzweifelten fast wie Sklaven ausbeuten. Laut Chris Feliciano Arnold ignorieren viele brasilianische Beamte die Situation, in einer Zeit intensiver Polarisierung erfordert die Lage allerdings eine behördenübergreifende Zusammenarbeit auf allen Regierungsebenen. Seit 2017 haben die systembedingten politischen und humanitären Krisen in Venezuela sowie die Hyperinflation zu einem Exodus von historischem Ausmaß geführt. Insgesamt mehr als vier Millionen Venezolaner haben das Land verlassen, um dem Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel der repressiven Regierung von Nicolás Maduro zu entkommen. Venezolaner, die nach Brasilien fliehen – bisher mehr als 50.000 – haben oft nur einen Weg: die BR-174, eine desolate 996 Kilometer lange Straße, die durch einige der abgelegensten Gebiete Südamerikas führt.

Während das Land einen entscheidenden Wahlzyklus durchläuft, spiegelt das Chaos in den Grenzgebieten die Unruhen wider. Nach Jahren wirtschaftlicher Probleme, Korruptionsermittlungen und Sicherheitskrisen sehnen sich viele Brasilianer nach Stabilität, Strafverfolgung und Ordnung. Tausende von Venezolanern, die in ihr Land kommen, zu begrüßen, steht auf der Prioritätenliste nicht an erster Stelle. Mächtige Geschäftsleute und Grundbesitzer, die Flüchtlinge missbrauchen, sind ein markantes Beispiel dafür, wie lukrativ Kriminalität in Brasilien ist. Mindestens zehn Venezolaner wurden letztes Jahr aus der Sklaverei gerettet. Die Schwächsten müssen deshalb vor Ausbeutung geschützt werden und die Krise in Venezuela darf nicht dazu genutzt werden, um Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus zu schüren.

Im Februar erklärte die brasilianische Bundesregierung den Ausnahmezustand an der Grenze. Dieser erlaubt es den Flüchtlingen, das schwerfällige Asylverfahren zu umgehen und eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Dadurch wird den Notleidenden Zugang zu Sozialleistungen und Arbeitserlaubnissen gewährt. Militär und Zivilgesellschaft arbeiten nun daran, die Migrationsströme zu kontrollieren und sicherzustellen, dass Flüchtlinge nicht mittellos, hungrig oder krank sind. Die brasilianischen Streitkräfte haben ihre Präsenz an der Nordgrenze verdoppelt. Pacaraima, eine Grenzstadt mit 12.000 Einwohnern, ist Teil der Route von mehr als 800 Venezolanern, die die Grenze täglich mit Bus, Auto, Fahrrad und sogar zu Fuß überqueren.

Die brasilianische Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik funktioniert in der Theorie, aber in der Praxis ist dies nicht immer der Fall. Das größte Land Südamerikas hat nach dem Erdbeben 2010 mehr als 85.000 Haitianer aufgenommen. Im Jahr 2017 standen die Menschenrechte, die Familienzusammenführung und der Zugang zu Sozialprogrammen im Vordergrund. Viele dieser neuen Bestimmungen wurden jedoch aufgehoben, obwohl sich der wirtschaftliche Zusammenbruch Venezuelas beschleunigte. Brasiliens gegenwärtiges Migrations- und Asylsystem ist voller bürokratischer Knoten, die miserablen Bedingungen sind ideal für die Ausbeutung von Arbeitskräften. In Boa Vista hat die Polizei zahlreiche Berichte über Frauen untersucht, die gegen Nahrung oder Unterkunft zum Sex gezwungen wurden.

Brasilien steht im Rampenlicht der Welt und ist mit der größten Migrationskrise in der Geschichte Lateinamerikas konfrontiert. Dies ist eine Chance für das Land, seine regionale Führungsrolle und sein Engagement für die Verbesserung seiner Menschenrechtsbilanz zu bekräftigen. Wenn Brasilien hofft, aus der Asche aufzusteigen, muss es all jene strafrechtlich verfolgen, die von der Sklavenarbeit profitiert haben. Die Wähler, die von einer existenziellen Krise betroffen sind, müssen Kandidaten unterstützen, die bereit sind, Kriminelle zur Rechenschaft zu ziehen, sei es im Sitzungssaal, im Kongress oder in den Behörden.

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  1. 1
    Pablo Escobar

    tja ihr lieben Venezulaner, als es euch gut ging habt ihr in den Haushalten Personal aus angrenzenden Länder ausgebeutet und nicht wie, sondern als Sklaven gehalten! Noch Fragen?

  2. 2
    Der Bettler

    ganz genau ! ich kann mich noch sehr gut erinnern wie die kolumbianer und brasilianer vor rund 25 jahren in venezuela behandelt wurden.es kommt alles zurück,und es rächt sich alles.

  3. 3
    thor

    keiner hat nur eine Spur Mitgefühl mit den armen Venezolanern, woran liegt´s…

    • 3.1
      Pablo Escobar

      woran liegt´s, steht doch oben!

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