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Warum sind die Menschen in Südamerika kleiner als in Europa?

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Menschen in Lateinamerika sind statistisch gesehen deutlich kleiner wie in Europa (Foto: Dietmar Lang / IAP Photo)
Datum: 21. Mai 2018
Uhrzeit: 15:37 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Wer zum ersten Mal nach Südamerika reist, dem wird sofort auffallen, dass er alle anderen Menschen um ungefähr eine Kopflänge überragt: Statistisch gesehen sind Lateinamerikaner nämlich wesentlich kleiner als Europäer. Wirft man einen Blick auf entsprechende Vergleichstabellen, fällt sofort auf, dass europäische Staaten die vorderen Plätze belegen: Die größten Männer leben in den Niederlanden, sie kommen im Durchschnitt auf 1,83m. Auf den Plätzen 2-25 liegen ausschließlich europäische Länder, mit Ausnahme von Australien auf Platz 18. Die südamerikanischen Staaten befinden sich hingegen am unteren Ende der Tabelle: In Peru erreicht der Durchschnittsmann gerade einmal 1,65m, die Durchschnittsfrau nur 1,53m. In Bolivien ist es fast genauso. Die kleinsten Frauen der Welt findet man in Guatemala, sie messen durchschnittlich nur 1,49m. Den weltweiten Größenrekord hingegen hält der Türke Sultan Kösen, der es auf stolze 2,51m bringt.

Große Menschen kennen einige Alltagsprobleme, die der Durchschnittsbürger nicht hat: Die Türrahmen sind zu niedrig, der Sitz im Bus ist zu klein und der Platz im Auto zu eng. Zumindest bei der Kleidung gibt es heute viel mehr Alternativen als früher: Modische Kleidung für große Frauen und passende Schuhe für große Männer lassen sich unkompliziert im Internet bestellen. Wenn die Mitglieder einer Gesellschaft im Schnitt etwas größer oder kleiner werden, wird auch die Bauweise der Häuser entsprechend angepasst. So sind die traditionellen Häuser der Andenbewohner etwas kleiner als Häuser in Europa.

Angeblich hängt die durchschnittliche Körpergröße der Menschen mit dem Lebensstandard in ihrem Land zusammen: Je wohlhabender ein Land ist, desto größer sind seine Bewohner. Das ergibt Sinn, wenn man den Aspekt der Ernährung betrachtet. Denn wohlhabende Menschen können sich eine hochwertige Ernährung und eine gute medizinische Versorgung leisten. Gerade im Kleinkindalter und in der Pubertät, wenn die wichtigsten Wachstumsschübe stattfinden, ist dies entscheidend. Fehlt während dieser Zeit auch nur einer der 45-50 essenziellen Nährstoffe, hört der Körper auf zu wachsen, wie dieses PDF-Dokument anschaulich erklärt. Diese These lässt sich auch historisch belegen: Kommt es in einem Land zu einer kollektiven, kontinuierlichen Mangelernährung aufgrund von Hungerkatastrophen, sinkt die durchschnittliche Körpergröße der Einwohner mittelfristig um einige Zentimeter. Die historischen Daten, die der nachträglichen Ermittlung der durchschnittlichen Körpergröße dienen, werden aus archäologischen Knochenfunden ermittelt, aber vor allem aus den Musterungsaufzeichnungen von Soldaten, die verlässliche schriftliche Quellen darstellen.

Allerdings kommt es immer wieder zu Entwicklungen, die sich nicht mit diesem Ansatz erklären lassen. Vielmehr spielen weitere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die hygienischen Verhältnisse, die medizinische Versorgung oder die Arbeitsbelastung. Warum zum Beispiel sank im 19. Jahrhundert trotz steigenden Einkommens die durchschnittliche Körpergröße der Menschen in den frühen Industrienationen? Dieses Phänomen wird unter dem Begriff „Industrial Growth Puzzle“, auf Deutsch „Einkommen-Körpergröße-Paradoxon“ immer noch kontrovers diskutiert. Man geht davon aus, dass sich im Zuge der Urbanisierung Infektionskrankheiten und Seuchen schneller ausbreiten konnten. Ein anderes Beispiel ist Chile. Im 20. Jahrhundert musste dort die Mindestgröße für Rekruten gesenkt werden, da das Land ansonsten nicht über genügend Soldaten verfügt hätte. Bei den indigenen Völkern des Amazonasgebietes vermutet man, dass die kleine Körpergröße eine selektive Anpassung an das Leben in Waldgebieten ist. Die Körpergröße ist also eine komplexe Eigenschaft, die sich nicht nur auf eine Ursache zurückführen lässt. Warum einige Völker kleiner oder größer sind als andere, lässt sich daher immer noch nicht mit Sicherheit sagen.

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  1. 1
    Peter Hager

    Interessanter Artikel! Fehlt zu beleuchten, warum viele sehr kleine Männer ganz extrem nach Macht, Ruhm und Anerkennung streben und sich dadurch oft der Lächerlichkeit preisgeben. Auf eine Aufzählung von Beispielen verzichte ich lieber, sonst verklagen mich die Familien Bonapartes bis Cruises und ich bin VanDammt in alle Ewigkeit….

  2. 2
    Pablo Escobar

    Kommt es in einem Land zu einer kollektiven, kontinuierlichen Mangelernährung aufgrund von Hungerkatastrophen, sinkt die durchschnittliche Körpergröße der Einwohner mittelfristig um einige Zentimeter.

    Und wie verhält es sich bei den Afrikanern, dort hungern auch schon Völker seit Jahrzehnte und sind Riesengroß!

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