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Geheimnisse über ausgestorbene Kuh mit Bulldoggengesicht gelüftet

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Rekonstruction der kurzgesichtigen Niatakuh. Illustration von Jorge González, La Plata, Argentinien
Datum: 23. Juni 2018
Uhrzeit: 07:56 Uhr
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Autor: Redaktion
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Es gab einmal eine Kuh, die sah aus wie eine Bulldogge. Das ist kein Märchen! Obwohl das Niatarind schon lange ausgestorben ist, konnten australische und Schweizer Wissenschaftler nun neue Einblicke in die Anatomie der einzigartigen Rasse gewinnen. Schon Darwin war von der Kuh mit dem Bulldoggengesicht fasziniert. Weltweit gibt es in verschiedenen Sammlungen noch Skelettüberreste, die mit modernen Technologien untersucht werden konnten.

Ein Zusammenschluss internationaler Wissenschaftler hat unter der Verwendung von neuesten genetischen und anatomischen Arbeitsmethoden die Überreste einer Kuh mit dem Gesicht einer Bulldogge untersucht. Dieses Tier hatte schon Charles Darwin fasziniert, als er diesem in Argentinien vor 180 Jahren begegnete.

Die Studie des australisch-schweizerischen Teams, welchem auch Dr Laura Wilson von der University of New South Wales in Sydney angehörte, belegt, dass es sich bei der mittlerweile ausgestorbenen Kuh um eine einzigartige Rasse handelte. Anders als viele Bulldoggen litten die Tiere aufgrund ihrer besonderen Anatomie nicht unter Beeinträchtigungen der Atmung oder des Essverhaltens.

Die im Journal Scientific Reports veröffentlichte Studie könnte Wissenschaftlern dabei helfen zu verstehen, wie vom Aussterben bedrohte Spezies besser geschützt werden können. „Nur wenige Menschen wissen heute, dass es vor mehreren hundert Jahren eine Kuh gab, die ein bulldoggenähnliches Gesicht hatte und als Niata bekannt war“, so Dr Wilson.

„In unserer Studie ging es darum, mehr über die Anatomie und die Genetik des Tiers herauszufinden. Unser Hauptergebnis ist, dass das Niatarind eine einzigartige Rinderart im Bereich der Viehzucht war“, so Professor Sanchez-Villagra, ein Wissenschaftler der Universität Zürich und Co-Autor der Studie.

Charles Darwin sah dieses sonderbare Tier, als er in den 1840er Jahren das ländliche Argentinien und die Regionen rund um Buenos Aires besuchte. Er schrieb über das Tier und stellte Fragen zu seinem Ursprung: zu seiner Anatomie, seiner Beziehung zu anderen Kühen und zu seiner Funktionsweise hinsichtlich der besonderen Kopfform. Auch der Schweizer Anatom Rütimeyer schrieb über das Niatarind in seinen umfangreichen Viehstudien.

Das Niatarind ist ausgestorben, doch es sind noch einige Skelette in Sammlungen weltweit erhalten geblieben. Mit den heutigen neuen Untersuchungsmethoden hatte das australisch-schweizerische bessere Möglichkeiten als frühere Wissenschaftler, die Anatomie des Niatarinds zu untersuchen. „Bis zu unserem Paper gab es keine Versuche, die Anatomie dieses besonderen Rinds mit neuen Untersuchungsmethoden zu verstehen. Wir nutzten die Vererbungslehre, nicht-invasive Bilddarstellung und biomechanische Analysen – alles Werkzeuge, die Darwin nicht zur Verfügung standen“, so Professor Sànchez-Villagra.

Die Wissenschaftler bestätigen Darwins Ansatz, dass diese ausgestorbene Form des Viehs eine reine Rasse mit einzigartigen Schädelmerkmalen war. „Eine reine Rasse ist es dann, wenn seine Merkmale die Zeit überdauern und sie von anderen Arten unterschieden werden können – selbst wenn es zu einer Kreuzung mit anderen Rasse kommt“, so Dr Wilson.

„Wir wissen jetzt auch, dass die Niata eine Rinderrasse und aufgrund ihrer kurzen Schnauze und ihres Unterbisses einzigartig war. Durch diesen Körperbau ergaben sich Unterschiede im Bereich der Nahrungsaufnahme.“ Die Untersuchung der Anatomie zeigten, dass die Nasenregion kaum durch die kurze Schnauze und den Unterbiss beeinflusst war. Anders als bei manchen Bulldoggen litt das Niatarind auch nicht unter Atemproblemen. Die Wissenschaftler haben ausserdem moderne Computermodelle erstellt, um herauszufinden inwiefern das kurze Gesicht die Kaufähigkeiten des Niatarinds im Vergleich zu anderem Vieh beeinflusste. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass auf die Schädelknochen der Tiere während der Nahrungsaufnahme weniger Druck ausgeübt wurde.

Die Domestizierung der Tiere hat zu Veränderungen des Erscheinungsbildes vieler Säugetiere und zu vielen Abwandlungen innerhalb verschiedener Rassen geführt. Hierbei sind Kreuzungen wie beispielsweise zwischen dem australischen Dingo und den Haushunden gängie Praxis. „Domestizierung spiegelt grundsätzlich das wider, was bei der natürlichen Selektion geschieht. Dies ist eine Beobachtung, die seit Darwin viele Wissenschaftler fasziniert und herausgefordert hat,“ so Dr Wilson.

„Die Niata-Kuh steht beispielhaft für das Aussterben von seltenen Rassen. Durch ein verbessertes Verständnis ihrer Biologie erlangen Wissenschaftler Kenntnisse , wie bedrohte Arten geschützt werden können. Während wir zwar nicht genau wissen, warum die Niata-Kuh ausgestorben ist – genaue Studien über den Verlauf ihrer Population existieren nicht – können wir aber immerhin konkrete Schlussfolgerungen ziehen. Wir wissen, dass die Kuh entgegen ihrer Sonderbarkeit essen und leben konnte, wie jede andere Kuh auch. Ihr Aussterben war deshalb kein Ergebnis der Nichtanpassung – stattdessen fand ihr Aussterben in Argentinien zeitgleich mit der Intensivierung der Viehzucht statt. Einer Zeit, in der nach der optimalen Rinderrasse gesucht wurde. Das bedeutet, dass der Fokus auf deutlich weniger Rassen lag und viele Tiere ausstarben.“

„Dies geschah mit vielen Arten der domestizierten Tiere, was dazu führte, dass die genetische und morphologische Vielfalt der Tiere, die uns am nächsten sind, radikal abnahm“, so Professor Sànchez-Villagra.

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