José Serra sieht in Boliviens Regierung ‚Komplizen des Drogenhandels‘

Datum: 30. Mai 2010
Uhrzeit: 00:26 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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Der designierte brasilianische Präsidentschaftskandidat José Serra hat die bolivianische Regierung als „Komplizen des Drogenhandels“ bezeichnet. Serra beschuldigte den Nachbarstaat, die stetige Ausweitung der Anbauflächen von Koka zu dulden und somit den nachweislich vorhandenen Anstieg der „Exporte“ nach Brasilien zu verursachen. „Das Kokain kommt zu 80 bis 90 Prozent aus Bolivien, was eine befreundete Regierung ist, nicht wahr? Glaubst du etwa, dass Bolivien 90 Prozent des in Brasilien konsumierten Kokains ausführen kann ohne dass die Regierung Komplize dabei ist? Unmöglich. Die bolivianische Regierung ist Komplize dessen“ hatte Serra in der vergangenen Woche erklärt.

Am Samstag wiederholte der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates São Paulo die Anschuldigungen im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung in Cuiabá im Bundesstaat Mato Grosso. „Die bolivianische Regierung ist mit der Ausfuhr der Drogen nach Brasilien einverstanden, welche das Leben unserer Jugend beendet“ so Serra wörtlich.

Der Spitzenkandidat der konservativen PSDB kritisierte in diesem Zusammenhang auch die brasilianische Entwicklungsbank BNDES, die derzeit eine Strassenbauprojekt auf bolivianischem Territorium finanziert. Dies würde den Transport der Drogen beträchtlich erleichtern, als Gegenleistung für die bereit gestellten Gelder müsse Bolivien nun auf jeden Fall den Drogenschmuggel eindämmen. Zudem forderte er eine massive Verstärkung an der rund 700 Kilometer langen „grünen Grenze“ des Bundesstaates Mato Grosso mit dem Nachbarland.

Marco Aurélio Garcia, Leiter für auswärtige Angelegenheiten der Regierung Lulas, sah in einer ersten Reaktion in Serra den „Exterminator der Zukunft“ der brasilianischen Aussenpolitik. Auch Dilma Rousseff, ehemalige Ministerin im Präsidialamt und Lulas Wunschkandidatin für seine Nachfolge, kritisierte Serra. „Es ist eine Sache, zu sagen, die Drogen kommen aus Bolivien. Es ist aber eine andere Sache, zu sagen, die Regierung ist dafür verantwortlich“ so die Präsidentschaftskandidatin. Die ehemalige Umweltministerin Marina Silva und designierte Kandidatin der Grünen Partei für das Amt des Staatsoberhauptes findet die Äusserungen „besorgniserregend“. Solche Anschuldigungen seien vor allem dem bolivianischen Volk gegenüber ungerecht. Notwendig wären ausgeglichene Beziehungen und eine gemeinsame Allianz gegen den Drogenschmuggel.

Der bolivianische Innenminister Gustavo Torrico, zuständig für die Kontrolle des Kokaanbaus, kommentierte die Anschuldigungen aus Brasilien gelassen. „Herr Serra möchte die Sympathie der US-Regierung gewinnen und beschuldigt daher einfach alle des Drogenhandels“ erklärte er in La Paz und kündigte für die kommenden Tagen eine entsprechende Antwort an.

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