Dominikanische Republik: Ein Schurkenstaat?

Terrabus

Datum: 04. November 2009
Uhrzeit: 04:36 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

TerrabusHaiti ist durchaus einen Besuch wert, die Sicherheitslage hat sich enorm gebessert und übertrifft heute die in der Dominikanischen Republik, das Land ist in vollem Aufbruch. Von da nach Haiti lässt sich bequem fliegen, aber der Flughafen Las Américas ist mir zu weit weg von der Hauptstadt, und die heutigen Umtriebe auf den Flughäfen lohnen sich kaum für den kurzen Flug. Wenn Sie mal dort in den Ferien sind und Sie sich die Tagesfahrt nach Haiti gönnen wollen, fahren Sie mit dem Bus, nicht gerade mit dem Terra Bus.

Sie können immer noch zwischen zwei Buslinien wählen. Wir selbst haben bisher immer Terra Bus gewählt, drei bis viermal im Jahr – gestern aber zum letztemal. Die Busse sind zwar gepflegt und gut klimatisiert, und das Essen entspricht dem was man erwarten kann. Die Reise kostet rund 100 US$ und führt durch sehenswerte tropische Landschaften, auch an einigen Seen vorbei, die tiefer als der Meeresspiegel liegen und zum Teil gefräßige Krokodile beherbergen.

Ich war ein paar Tage in Santo Domingo, das durchaus auch seine Reize spielt. Gestern Morgen bestiegen wir diesen Bus, pünktlich um 11 Uhr verließ er die dominikanische Hauptstadt. Diese feierte übrigens an diesem Tag die Eröffnung der spektakulären Untergrundbahn, auf die angebotene Gratisbenützung wollten wir gerne verzichten, konnten wir uns doch die so angeköderte Menschenmenge gut vorstellen, und die Metro selbst hatte sich schon im Fernsehen ausgiebig präsentiert. Eine Menschenmenge tummelte sich auch auf der Bus-Station und wollte noch ein Ticket vor Weihnacht ergattern, zum Glück hatten wir reserviert, so hatten wir wenigstens einen Platz – ein Stück weit. Der Bus war bis auf den letzten Platz ausgebucht, und viele zogen entmutigt wieder ab.

Wir hatten Tickets bis Port-au-Prince in der Tasche und glaubten, eigentlich sei ein Ticket ein Transportvertrag. Wir waren im Irrtum, denn Terra Bus ist da anderer Meinung und verdreht das Recht nach seinem Gusto. Nach etwa vierstündiger Fahrt in Malpasse an der Grenze angekommen, ließen wir die komplizierten Grenzformalitäten über uns ergehen und mussten dann tatsächlich erleben, wie unser Gepäck ausgeladen wurde und man uns an der Grenze stehen ließ. Ohne jede Erklärung, Entschuldigung, geschweige denn Rückerstattung des bezahlten Preises, der ja immerhin bis Port-au-Prince gültig war. Das nenne ich Diebstahl!

Das Palaver dauerte stundenlang, war laut und aufgeregt und brachte überhaupt nichts. Wir hörten, dass die Schikane von den Dominikanern ausgehe, die ihre Reisenden mit Schurkenmethoden zwingen wollten, im „Ferienparadies“ zu bleiben und ihre Exkursionen gefälligst im Lande selbst zu organisieren. Man hörte auch, dass die Dominikaner keine haitianischen Transportunternehmen wollen und deshalb die Grenze für heimfahrende Cars einfach blockieren. Aber noch besser, sie legen auch Autos die zu Hilfe eilen wollen Hindernisse in den Weg und stoppen diese schon Kilometer vor dem Ziel.

Man hörte, dass diese Situation nun schon einige Tage andaure – so hätte ich erwartet, dass uns das Personal auf der Bus-Station in Santo Domingo über die Probleme informiert hätte und nicht noch Tickets nach Port-au-Prince verkaufte, das gar nicht erreicht werden konnten. Man hörte, dass sich die Spanier energisch eingeschaltet hätten und verlangten, dass sich die dominikanische Regierung an internationale Gepflogenheiten halte und auf derartige Schikane verzichte, aber dass dies bisher ohne Erfolg geblieben sei. Das Ferienparadies der Dominikanischen Republik ist unter die Schurkenstaaten gegangen! Obschon sie ja von jedem Reisenden noch eine Tourismustaxe von 10 oder mehr US$ eingezogen haben – unter diesen Umständen ein glatter Diebstahl! Eigentlich sollte man die Dominikanischen Republik für solche „Methoden“ boykottieren und die Ferien anderswo verbringen, aber viele kommen halt so wie wir um einen Besuch der DomRep nicht herum.

Nun stehen wir in Malpasse, wo es kein Hotel und kein Taxi gibt, und heute nicht einmal „Taptaps“, wie die Sammeltaxis heißen. und tausende gestikulierender Menschen hocken mit ihren Koffern im Freien. Bald fällt die Nacht herein, und es ist Weihnacht, auch hier schon ordentlich kalt. Das Personal von Terra Bus bemüht sich keineswegs um eine Lösung. Sie kennen keine Verträge, keine Verpflichtungen, keine Verantwortung, keinen Anstand. American Airlines hat uns in ähnlichen Fällen wenigstens geholfen, indem sie uns mit Autos in Hotels transportiert hatten. Ich hätte auch erwartet, dass Terra Bus auf der haitianischen Seite für den Weitertransport gesorgt hätte, einen freien Car hierher zuschicken, hätte ja kaum Mehrkosten verursacht. Nichts dergleichen geschah. Im Gegensatz zu Terra Bus behandelte Coach Line, eine zweite Fernbusverbindung von Santo Domingo nach Port-au-Prince, ihre Passagiere besser. Auch die Cars von Coach Line durften die Grenze nicht überqueren, aber im Gegensatz zu Terra Bus wurden die Passagiere von Ersatzfahrzeugen abgeholt, die jenseits der Grenze warteten.

So standen wir hier mit all unseren Koffern, unter hunderten von Menschen, es wurde dunkler und dunkler. Der Privatverkehr mit Kleinwagen blieb unbehelligt, Es nur die Lösung „Anhalter“. Wir hatten Glück und fanden ein gütiges Ehepaar, das uns mitnahm. Wir waren in dem fünfplätzigen Privatwagen zu neunt, die Koffer von allen Neunen auf das Dach gebunden, und kamen spätnachts und schwer „gerädert“ in der haitianischen Hauptstadt an. Wir werden zwar wieder in den Schurkenstaat fahren, da der seine paradiesischen Seiten durchaus behält, aber inskünftig wird unser Reiseunternehmen Coach Line heißen, wo man nicht im Stich gelassen wird und ein Vertrag noch etwas wert ist.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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