In Haiti ist Wasser kostbarer als Gold

Wassertraegerinnen

Datum: 06. November 2009
Uhrzeit: 20:35 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
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WassertraegerinnenTrinkwasser ist der wichtigste Rohstoff, er ermöglicht das Leben. Wenn er in Haiti immer teurer wird, ist nicht das Klima schuld, wie in den Wüstenstaaten. In dieser Zone regnet es täglich. es ist ja die Zone der tropischen Regenwälder. Aber die Wälder sind ausgerottet, und es bleibt nur der Regen…

Die Menschen arbeiten wie Sisyphus, an Melioration und Wiederaufforstung. Es ist heute Mode, dass jeder Schüler seine Bäume pflanzt, neugebaute Fernsehspots und umgebaute Volksbräuche werden eingesetzt, die Universitäten wetteifern in einem dringenden Forschungsfeld. Aber was in zwei Jahrhunderten abgerissen wurde, dauert Generationen zum Wiederaufbau.

Die CAMEP wurde schon im letzten Jahrhundert gegründet, um das Problem zu entschärfen. Damals weitsichtig, aber der Knoten ist gordisch und wurde noch nicht gelöst. Im Gegenteil, die damals zu versorgende Einwohnerschaft hat sich fast verhundertfacht, die Flächendeckung ist gleich geblieben. Es wurde weder ausgebaut noch repariert, und allenthalben rinnt das kostbare Nass aus den Reservoirs und Röhren. Auch die Trinkbarkeit entspricht nicht mehr heutigen Ansprüchen. Erst 2004 begann sich CAMEP zusammenzuraffen, sie hatten ja wohl auch kein Geld vorher. Und nun verschlingt die Arbeit hunderte von Millionen ( USD ). Und die Bevölkerung explodiert rascher als das Geld eintrifft und die Arbeiten vorwärts kommen.

Die Begüterten lassen sich das Wasser in Zisternenwagen zuführen und füllen ihre Reservoirs, wie wir in Europa die Heizöltanks. Unterwegs kauft man das Trinkwasser in kleinen Plastiksäcken, 1 Gourde (0.2 €) pro Stück oder 7mal teurer als das öffentliche Wasser. Sogar Eisblöcke werden als Wasser transportiert, aber das kann dann schon mal dreihundertmal teurer werden. Trinkwasser, z.B. „Culligan“, in Flaschen kostet 60 Gourdes (1 € /Gallone). Das können sich Arbeitslose nicht leisten. Wenn Wasserzubringer fehlen, gibt es oft im Quartier ein „Eau Miracle“, ein wandernder „Wassermann“, wo Wasser gesammelt, trinkbar aufbereitet und verkauft wird, etwa zum selben Preis.

Für die völlig Mittellosen bleibt nur die Suche nach Quell- oder Schmutzwasser, aus gesammeltem Dachwasser, aus natürlichen Gewässern, aus Abläufen oder aus Pfützen. Oft stehen die Armen an den Wasserstellen schon um Mitternacht Schlange, für eine oder zwei Stunden, manchmal vergeblich. Nach oft stundenlangem Marsch, es folgt der wiederum stundenlange Rückmarsch mit der schweren Wasserlast auf dem Kopfe.

Meines Erachtens gäbe es da eine einfache Abhilfe: das Bauen an wasserlosen Berghängen zu unterlassen und sich den Bauplatz eher in den Ebenen zu suchen. Aber Achtung, da lauert der Tod wieder infolge Überschwemmung… Und schließlich ist das alles im jeweiligen Bauland eingepreist, und schon wieder sind es nur noch die gefährlichen, hochliegenden, wasserlosen „Mornes“, die für „Normale“ erschwinglich sind.

In letzter Zeit bilden sich, besonders auf dem Lande, „Wasserkomitees“ als Selbsthilfegruppen. Die suchen gemeinsam für die jeweiligen Mitglieder die besten Lösungen. Da diese meist mit anderen Problemen vernetzt sind, Bildung, Gesundheit oder was auch immer, betrachten sich die Wasserkomitees immer mehr als Leithammel und konkurrieren zunehmend mit den oft bürokratischen Gemeinderäten. Sicher ist, dass das letzte Wort zur Wasserversorgung noch nicht gesprochen ist.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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